Cyber-Währung

Bitcoin: Was steckt hinter dem Wirbel um das Internet-Geld?

Köln/Berlin. Der Goldesel des Erik Westerhoff steht in der Garage und frisst – Strom. Für 700 Euro im Monat. Westerhoff findet das gut: Er hofft, dass er ihn reich macht.

Es ist ein eigenhändig zusammengelöteter Monster-Computer, so groß wie ein Wohnzimmerschrank, mit 16 Grafikkarten. Er arbeitet hinter dem verschlossenen Tor, während draußen auf der Straße der Neubausiedlung im Kölner Speckgürtel Kleinkinder Dreirad fahren. Und er kostet nicht nur, am Ende kommt hinten auch Geld raus: digitale Münzen – die Westerhoff, ein Informatiker um die 30, dann online wieder in Euro umtauscht.

„In guten Monaten bringt das zwischen 3.000 und 4.000 Euro“, sagt der Mann, der eigentlich ganz anders heißt, aber wegen der ganzen Sache, nun ja, ein wenig Scheu vor der Öffentlichkeit hat.

Virtuelles Geld? Auf Computer-Festplatten? Sag mal, Welt, spinnst du jetzt eigentlich total? Jedenfalls hat dieses Phänomen rund um den Erdball schon zwei Millionen Anhänger: der Bitcoin.

Cyber-Geld für Nerds? Oder Alltagsgeld auch für Normalos?

Nähern wir uns ihm an, ganz behutsam. Schon seit fünf Jahren, seit 2009, gibt es die Digitalwährung. „Bitcoins sollen einen weltweiten Zahlungsverkehr unabhängig von Regierungen und Banken ermöglichen“, erklärt Professor Gerhard Rösl, ein angesehener Währungsexperte mit Lehrauftrag an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.

Ein Konto braucht man für Bitcoin-Überweisungen nicht, nur einen Internet-Anschluss. Beschaffen kann man sich das Cyber-Geld auf zwei Arten. Entweder man kauft es auf speziellen Online-Plattformen. Oder „schürft“ es selbst: indem man dem weltweiten Computer-Netzwerk der Bitcoin-Community, das die Fälschungssicherheit der Währung garantieren soll, die Rechenkapazität des eigenen PCs zur Verfügung stellt. Die meisten kriegen zur Belohnung nur den Bruchteil eines Bitcoin gutgeschrieben.

Aber einige schürfen im großen Stil – so wie Erik Westerhoff in seiner Neubausiedlung, der gerade erst 25.000 sehr handfeste Euro für neue Hardware ausgegeben hat. Diese Super-Schürfer agieren steuerlich in einer Grauzone: Der Fiskus weiß nicht so recht, wie er mit den Goldeseln umgehen soll.

Was soll der Zauber? Ist das was für Nerds? Oder auch für Normalos? „Die Bitcoin-Gemeinde setzt sich aus Leuten zusammen“, sagt Währungsexperte Rösl, „die aus grundsätzlichen Erwägungen beim Einkauf im Internet keinerlei persönliche Daten preisgeben wollen.“ Sie bezahlen mit der Web-Währung das neue iPad, die Hotelrechnung, sie spenden für die Arbeiterwohlfahrt oder berappen, wie etwa in Köln möglich, die Gebühr für einen ganz normalen privaten Kindergarten.

Als Bitcoin-Hauptstadt des Planeten gilt Berlin. „Hier kann man mit Bitcoin auch in immer mehr Kneipen Bier und Burger kaufen“, erzählt Levin Keller, einer der führenden Köpfe der deutschen Bitcoin-Szene. Der junge Mathematiker hat sich nach einem Ausflug in die Autobranche ganz der virtuellen Währung verschrieben. In Berlin berät er diverse Online-Händler, die über den Bitcoin neue Käuferschichten erschließen wollen.

Für ihn ist das Business – aber zugleich Berufung. „Es könnte sein, dass der Bitcoin am Ende unsere Gesellschaft revolutioniert“, behauptet Keller. So wie das iPhone. „Über das Telefon ohne Tasten haben anfangs alle den Kopf geschüttelt – heute wird nichts anderes mehr gebaut.“

Kräftiger Kater nach der Kursrallye

Und da wird die Sache heikel. Denn das „Parallelgeld außerhalb des staatlichen Systems“, wie es die Weltverbesserer-Fraktion unter den Bicoin-Jüngern bezeichnet, verzichtet auf eine Notenbank. Das habe einen guten Grund, meint Keller: „Wer garantiert, dass die ihre Macht zum Wohle aller einsetzt?“

Nach der Weltfinanzkrise 2008 waren solche Parolen populär: Viele zweifelten an der Fähigkeit der Europäischen Zentralbank, die Geldversorgung von Betrieben und Verbrauchern vernünftig zu steuern. Doch inzwischen hat sie auf die Lehren aus der Krise reagiert: Der Euro zeigt sich robust. Dagegen hat es jetzt beim Bitcoin gekracht.

Nachdem dessen Kurs Ende 2013 urplötzlich auf 980 Dollar hochgeschossen war, häuften sich Negativ-Schlagzeilen. Es gab Hacker-Angriffe auf Bitcoin-Plattformen, eine ging pleite, der Kurs rutschte bis Ende April 2014 auf 440 Dollar. Eine Anlage in Bitcoin, stellt Währungsexperte Rösl klar, sei keine gute Idee: „Höhere Beträge würde ich nicht investieren. Aber als Zahlungsmittel für den Alltag bleibt es eine interessante Option.“


Hintergrund

Machtvoll: Europäische Zentralbank in Frankfurt. Foto: dpa
Machtvoll: Europäische Zentralbank in Frankfurt. Foto: dpa

Wie die Notenbank die echte Währung hütet

  • Seit der Weltfinanzkrise 2008 sorgt die Europäische Zentralbank über ihre Transaktionen mit den Banken für eine besonders großzügige Geldversorgung. So sind die Leitzinsen auf Rekordtief.
  • Zudem wirkt sie psychologisch auf die Märkte ein – etwa mit der Ankündigung, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenländern zu kaufen.
  • Neuerdings hat sie auch die Aufsicht über die großen Banken der Euro-Zone, führt etwa „Stresstests“ durch, um Pleiten vorzubeugen.
  • Wechselkurs und Kaufkraft des Euro blieben dadurch stabil, das Kreditwesen funktioniert.

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