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Ein Meer von Mieträdern

Bike-Sharing: Anbieter aus Asien drängen in deutsche Städte – was haben sie vor?

In China haben massenweise aufgestellte Leihräder letztes Jahr schon für Chaos gesorgt. Jetzt wollen asiatische Bike-Sharing-Firmen auch in unseren Innenstädten aktiv werden. Was steckt hinter der Offensive?

In Reih und Glied: Jetzt kann man Räder von Miet-Mobike auch in Berlin mieten. Foto: dpa

In Reih und Glied: Jetzt kann man Räder von Miet-Mobike auch in Berlin mieten. Foto: dpa

Bikesharing führte in China zum Desaster: Ramponierte Leihräder von Mobike in der Stadt Yinchuan. Foto: dpa

Bikesharing führte in China zum Desaster: Ramponierte Leihräder von Mobike in der Stadt Yinchuan. Foto: dpa

Berlin. Einfach auf ein Fahrrad steigen, das am Wegesrand steht. Losradeln. Das Rad am Zielort abstellen. Miet-Räder machen vor allem in Großstädten vielen Menschen das Leben leichter. Seit einiger Zeit steigt die Zahl dieser Bikes massiv an. Anbieter aus Asien wie Mobike und Obike drängen auch in deutsche Citys.

Eine regelrechte Flut von Fahrrädern führte in der chinesischen Stadt Yinchuan allerdings zum Desaster. Zu Tausenden landeten ramponierte Drahtesel auf einem Abstellplatz.

Mobike, Obike & Co. wollen Markt auch bei uns aufrollen

Räder des chinesischen Anbieters Mobike rollen seit letztem Jahr auch durch Berlin. Und in München gibt es bereits 7.000 Bikes der Firma Obike aus Singapur. Ohne Absprache mit der Verwaltung, und ohne die Bürger zu informieren, wurden die Räder über die Stadt verteilt – und waren prompt dem Vandalismus ausgesetzt. „Miet-Räder werden mutwillig beschädigt“, stellt Florian Paul fest, Radbeauftragter in der Stadtverwaltung.

So einem Wildwuchs wollen andere Städte einen Riegel vorschieben. Köln etwa plant strenge Auflagen: Die Leihräder müssen jederzeit fahrtüchtig sein. In einem Umkreis von 100 Metern dürfen höchstens fünf Stück aufgestellt werden. Zudem müssen die Firmen Beschwerden von Anwohnern innerhalb von 24 Stunden nachgehen. Damit soll dem Bike-Sharing nicht der Riegel vorgeschoben werden. Im Gegenteil, können die Innenstädte so doch vom Autoverkehr entlastet werden.

Haben es die Anbieter auf die Nutzer-Daten abgesehen?

Für die Anbieter ist es grundsätzlich erst mal einfach, ein Verleihsystem einzuführen. Man benötigt keine festen Stationen. Kunden registrieren sich mit ihren Kontodaten, scannen per Smartphone-App den angebrachten QR-Code, erhalten einen Code zum Öffnen des Schlosses – los geht’s.

Groß ist dagegen der Aufwand, die Räder intakt zu halten. Mit Nutzergebühren ist das allein kaum stemmen. Deshalb vermuten Branchenkenner, dass die Asiaten vor allem an die Nutzerdaten wollen. Über die online vernetzten Bikes könnte man dem Fahrer unterwegs an der richtigen Stelle Werbung aufs Handy schicken. Einen Vorteil hätten freilich auch die Städte. Sie könnten mit den Infos die Verkehrsplanung optimieren. Immerhin müsse, so der Radler-Verband ADFC, der Biker dem Wege-Tracking zustimmen.

„Nach dem missglückten Start in München sind die asiatischen Anbieter vorsichtiger geworden“, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Erfreulich sei, dass jetzt noch mehr Bewegung in den Markt komme – auch durch heimische Anbieter, wie Lidl in Kooperation mit der Bahn oder Ford: „Wir erleben jetzt eine Phase des intensiveren Wettbewerbs.“

Wie flott sich das Bike-Sharing bei uns und anderswo entwickelt, zeigen Zahlen der Unternehmensberatung Roland Berger: Seit 2015 hat sich die Zahl der Miet-Räder weltweit auf zehn Millionen versiebenfacht.


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aktualisiert am 14.03.2018

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