Das Handy als Geldbörse

Bezahlen per Smartphone-App wird zum Megatrend

Köln. Mit dem Smartphone mal eben die neuesten Nachrichten auf Facebook checken, Bundesliga gucken, Filme runterladen – und, ach ja – telefonieren kann man mit dem Ding ja auch noch. Jetzt wird das Handy sogar zur elektronischen Geldbörse.

Künftig sollen die Deutschen selbst den normalen Einkauf im Supermarkt mit dem schlauen Mobiltelefon begleichen. Der Betrag wird dabei einfach über ein kleines Programm auf dem Handy, der sogenannten App, eingescannt und sofort online kassiert: Bezahlen quasi im Vorbeigehen. Klobige Kassen mit Tastenfeld und Bargeldfach sind dann Vergangenheit.

„Solche digitalen Geldbörsen werden in spätestens fünf Jahren das bargeldlose Bezahlen dominieren“, sagt Rainer Sureth voraus. Er ist Geschäftsführer von Concardis, einem Dienstleister für bargeldlosen Zahlungsverkehr.

In diesem Geschäft mischen auch die großen Handelskonzerne mit. Bei Netto, einem Discounter der Edeka-Gruppe, ist das schon in allen 4.000 Läden bundesweit möglich. Auch Rewe will bis Ende des Jahres mit der digitalen Geldbörse durchstarten. Und der Online-Bezahldienst PayPal, eine Tochter des Internet-Kaufhauses Ebay, bietet jetzt mobiles Bezahlen in 75 deutschen Großstadtrestaurants an.

Ohne persönliche PIN läuft nichts

Und dabei gibt es mehrere Verfahren. Bei der App von Netto tippt der Kunde die selbst gewählte persönliche PIN-Nummer ins Smartphone, das daraus einen vierstelligen Code erzeugt, den die Kassiererin eingibt. Anschließend wird der Rechnungsbetrag von der Kasse ans Handy gesendet und vom Kunden bestätigt. Fertig!

Bei Rewe kann man mit der App des Anbieters Yapital bezahlen: PIN eingeben – und dann den auf dem Terminal angezeigten QR-Code scannen, den die Kasse vom Rechnungsbetrag erzeugt hat. Und am Schluss Zahlung anweisen!

Der Datenaustausch geschieht dabei über einen speziellen Chip im Smartphone zur sogenannten „Nahfeldkommunikation“. Dieses NFC genannte Verfahren verhindert, dass Dritte Daten abfischen können. Ähnliche Techniken funktionieren übrigens ebenso beim Bezahlen per Fingerabdruck oder SMS. „Die NFC-Technik eignet sich jedoch am besten“, erklärt Horst Rüter, Experte für Kassensysteme beim EHI Retail Institut, einem Forschungsinstitut des Handels in Köln.

Noch aber hat sich kein Standard durchgesetzt. Jede Supermarktkette verwendet ihr eigenes Bezahlsystem. „Wer möglichst überall mobil zahlen will, muss deshalb mehrere Apps installieren. Das schreckt ab“, weiß Rüter. Von den derzeit 80 Anbietern solcher Apps werden seiner Einschätzung nach drei bis fünf übrig bleiben.

Hier geht es um Milliarden

Trotzdem ist der Markt für diese Mini-Programme gewaltig. Derzeit nehmen die Mobile-Payment-Anbieter gerade mal 7,4 Millionen Euro im Jahr über die Bezahl-Apps ein. Schon in sechs Jahren aber soll jeder zweite Kaufvorgang im Handel per Smartphone laufen.

Der Umsatz der Anbieter wird dann auf eine 1 Milliarde Euro zulegen, schätzt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers. Derzeit nutzen nur 176.000 Konsumenten den neuen Service. Im Jahr 2020 aber, so die Prognose, werden es 11 Millionen sein.


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