Leserfrage

Baum vor dem Haus: Einspruch möglich?

Ende eines Baumes: Wer im Erdgeschoss wohnt, wünscht sich oft gar keinen neuen Schattenspender. Foto: fotolia

Kornelius M. aus Reichenau: Vor dem Fenster meiner Eigentumswohnung im Erdgeschoss wurde vor kurzem eine Robinie entfernt. Dadurch hatte ich plötzlich sehr gute Lichtverhältnisse, ich komme jetzt tagsüber ohne künstliche Beleuchtung aus. Mein Nachbar in der ersten Etage jedoch bemängelt, dass er nun keinen seitlichen Sonnen- und Sichtschutz mehr hat. Die Eigentümerversammlung hat beschlossen, nach einem Kompromiss zu suchen. Darf überhaupt vor meinem Fenster einfach wieder ein Baum gepflanzt werden, der das Zimmer sehr verdunkeln würde?

AKTIV: Zunächst kommt es darauf an, ob der Garten Gemeinschaftseigentum ist oder ob ein Eigentümer daran ein Sondernutzungsrecht hat. Das erklärt Anwalt Gerold Happ, Geschäftsführer beim Verband Haus & Grund Deutschland. Ein Sondereigentümer kann nämlich auch einen Baum pflanzen, ohne die anderen Eigentümer zu fragen – falls vertraglich nichts anderes geregelt ist. „Er muss zwar Rücksicht auf die Gemeinschaft nehmen“, so Happ, aber nicht etwa bestimmte Abstände zum Haus einhalten. Nur bezüglich des Nachbargrundstücks müssen Grenzregeln beachtet werden. Ist der Garten Gemeinschaftseigentum, kann die Gemeinschaft normalerweise beschließen, dass ein neuer Baum gepflanzt wird. Ein Kompromiss könnte hier so aussehen, dass kein neuer Baum kommt – aber ihrem Nachbarn dafür auf Kosten der Gemeinschaft zum Beispiel ein Roll- laden oder eine Markise bezahlt wird. Happ rät dazu, „auch sofort zu klären, wer bezahlen muss, wenn dieser Sonnenschutz später mal kaputt geht – die Gemeinschaft oder der einzelne Eigentümer?“


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