AKTIV zu Besuch im FabLab Aachen

Basteln auf Industrie-Niveau: Was man in der Maker-Szene so alles treibt

Bastler von heute stehen auf High-End-Maschinen wie 3-D-Drucker oder Lasercutter. „Maker“ heißen die Do-It-Yourself-Fans, die sich in „Fabrikationslaboren“ organisieren. AKTIV war im FabLab der RWTH Aachen – 2009 als bundesweit erstes gegründet.

Ja, es ist Liebe! Thomas Adams bestaunt einen Lasercutter. Foto: Straßmeier

Ja, es ist Liebe! Thomas Adams bestaunt einen Lasercutter. Foto: Straßmeier

Offene Werkstatt: Der Besuch im „FabLab“ Aachen ist kostenlos, man muss sich nur vorher anmelden. Foto: Straßmeier

Offene Werkstatt: Der Besuch im „FabLab“ Aachen ist kostenlos, man muss sich nur vorher anmelden. Foto: Straßmeier

Schön bunt: FabLab-Leiter Jan Thar mit hausgemachter LED-Mode. Foto: Straßmeier

Schön bunt: FabLab-Leiter Jan Thar mit hausgemachter LED-Mode. Foto: Straßmeier

Aachen. Dieser Blick! Thomas Adams schaut auf den Lasercutter – so versonnen, als schwebte gerade Heidi Klum auf einer rosa Wolke vorbei. Dabei ist da nur ein grauer Kasten, mit dem Sex-Appeal eines Kopierers.

Der Mann ist hin und weg. „Wahnsinnsteil!“

Adams steht im „FabLab“ (von „Fabrikationslabor“) der Technischen Hochschule Aachen. Der Raum sieht wie eine Kreuzung aus Labor und Heimwerker-Höhle aus – voll mit Maschinen und Werkzeugen. Es wurde 2009 als bundesweit erstes FabLab gegründet; inzwischen gibt es mehr als 80 solcher offenen Werkstätten.

Hier treffen sich die Mitglieder einer bemerkenswerten Bewegung: der „Maker-Szene“. Ihre Mission: gemeinsam basteln. Die Rede ist dabei nicht von Lötkolben und Laubsäge. „Wir bieten Zugang zu teuren High-End-Maschinen“, sagt Jan Thar, Leiter des Aachener Labs. „Auf Industrie-Niveau – von der CNC-Fräse bis zum 3-D-Drucker. Für alle. Umsonst!“

Die Idee zieht, versichert man im FabLab. „Wir werden förmlich überrannt.“

Man könnte jetzt spötteln: Joa, Bastler, süß, dicke Brille, keine Freundin. Und läge daneben: Längst gilt die Maker-Szene als erwachsene technologische Subkultur. Credo: Denke quer, sei kreativ, erschaffe Neues!

Und natürlich kommt der Trend aus den USA. Prominentester Fan: Ex-Präsident Barack Obama. Der veranstaltete im Jahr 2014 eine „Maker Faire“, eine Art Bastler-Messe, im Weißen Haus. Mittlerweile ist das Werkeln mit Hightech-Mitteln in Europa angekommen. Die Szene gilt als so innovativ, dass auch die Industrie den Fokus auf sie gerichtet hat.

Was die da machen? „Die Bewegung ist breit gefächert – es ist eine Art Do it yourself 2.0“, sagt der auf das Thema spezialisierte Münchner Unternehmensberater Martin Laarmann. „Manche beschäftigen sich mit Licht oder Metall“, beobachtet er. „Andere bauen Prototypen elektronischer Produkte. Oder stellen per 3-D-Drucker Ersatzteile für alte Modelle her.“

Sie profitieren dabei gleich doppelt vom rasanten technischen Fortschritt. Erstens sind elektronische Bauteile, etwa Sensoren oder Platinen, mittlerweile für kleines Geld zu haben. Und die Maschinenparks in den offenen Werkstätten machen selbst schwierigste Projekte leicht umsetzbar. Experte Laarmann findet das bahnbrechend: „Wir erleben eine Demokratisierung der Produktion.“



Wunderwerk im FabLab: Wie 3-D-Drucker dreidimensionale Werkstücke schichtweise aufbauen, zeigt das folgende Video im Zeitraffer:


Auch Thomas Adams, der Besucher im FabLab Aachen, werkelt gerade wieder an einem ausgefallenen Projekt: Visitenkarten aus Beton. Dafür braucht er den Lasercutter. „Mit dem schneide ich die Gussform aus Silikon.“ Was er mit den gegossenen Karten anfangen will, weiß er selber nicht so genau. „Aber mir hat die Vorstellung gefallen, mal was ganz Abseitiges zu probieren.“

Tüftel-Projekte jenseits aller Konvention – das ist bezeichnend für den Maker-Spirit. Eine Einstellung, die auch die Industrie registriert hat. Immer mehr Industrieunternehmen, darunter Dickschiffe wie Siemens oder Bosch, schicken Mitarbeiter in die Kreativ-Labore.

Erfindergeist braucht Chaos

Der Autobauer BMW finanziert gar maßgeblich den „MakerSpace“ in Garching bei München, mit 1.500 Quadratmetern die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Immer gleicher Hintergedanke: Die Ingenieure sollen einfach tüfteln, frei sein von betrieblichen Zwängen.

Matthias Hermes, Professor für Fertigungstechnik im sauerländischen Meschede, hält das für eine gute Idee. „Erfinden funktioniert eben nicht nach Rezept“, sagt er. Mal brauche es Chaos und Freiheiten. Aber mitunter auch Durchhaltevermögen nach dem Scheitern.

Das hat der Schöpfer der Beton-Visitenkarten schon öfter zeigen müssen. „Es gab zuletzt unzählige Fehlversuche“, erzählt er, als er seine Silikonform aus dem Lasercutter holt. „Mein Prototyp“, seufzt er. Und da ist er wieder. Dieser Blick …

Die „Maker“: Wo man sie trifft, wer sie sind, was sie machen

Alter Bart, neue Ideen: Szene von einer „Maker“-Messe in Berlin. Foto: Veranstalter
Alter Bart, neue Ideen: Szene von einer „Maker“-Messe in Berlin. Foto: Veranstalter
  • Etwa 1.000 offene Werkstätten mit Hightech-Ausrüstung gibt es weltweit, rund 80 davon in Deutschland. Eine Liste gibt’s auf Wikipedia.
  • Echte Publikumsmagneten sind zudem „Maker Faires“. Das sind Messen und Festivals, wo Maker ihre Erzeugnisse ausstellen. Überblick: maker-faire.de
  • Wesensmerkmal der Maker-Szene ist ihre Offenheit. Der Community-Gedanke wird extrem großgeschrieben. Motto: Mache – und teile dein Wissen mit anderen.
  • Geht nicht, gibt’s nicht! Aus Prinzip nicht. Heißt: Jede Tüftel-Disziplin, vom Arbeiten mit Holz und Ton bis zum High-End-Sensor, ist vertreten.

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Die Deutschen sind begeisterte Do-it-Yourselfer. Mit ihrer Lust am Handwerken und Basteln gehen sie immer öfter online: Schon 17 Prozent der 22 Millionen Hobby-Bastler haben eine eigene Website.

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