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Automaten für alle Fälle


Ob Hemden oder Kunst: Nützliches und Schönes gibt es zu jeder Zeit per Knopfdruck

 

 

München. Knacks, das war’s: Der Kopfhörer ist gebrochen. Eigentlich wollte Alexander Heckmeier während der Zugfahrt Musik hören. Jetzt ist schnell Ersatz gefragt. Der steckt in einem großen, roten Kasten, prall gefüllt mit Elektronikartikeln. Dieser Automat am Münchner Hauptbahnhof wird von der Media-Saturn-Holding betrieben – als eine von elf Maschinen an Bahnhöfen und Flughäfen.

 

 

 

Eine Automatenwelle schwappt über Deutschland. Jenseits von Fahrkarten, Zigaretten oder Kondomen haben diese Rund-um-die-Uhr-Kioske Überraschendes im Programm – und verhelfen etwa um 5.30 Uhr zu einem Geschenk.

 

 

 

„Das ist Neuland für uns und sehr spannend“, sagt Katharina Sutch, Firmensprecherin der Lego-Gruppe. Der Spielzeugkonzern hat seit sechs Wochen ebenfalls einen Automaten am Münchner Hauptbahnhof und denkt bereits über weitere, auch mit größeren Schachteln nach.

 

 

 

Denn die 24-Stunden-Verfügbarkeit kommt an: eine vergessene Kleinigkeit hier, ein Mitbringsel dort – für maximal 15 Euro machen kleine Ritterfiguren mindestens zwei Menschen glücklich.

 

 

 

„Verkaufende Litfaßsäule“

 

 

 

Und sie zeigen einen Trend: „Der Boom des Online-Shoppings hat unser Kaufverhalten verändert“, sagt Holm Riedel. Der Jungunternehmer hat vor eineinhalb Jahren mit einem Partner die Firma Goodlist gegründet.

 

 

 

Dort wurden unter anderem für Lego interaktive Automaten konzipiert: über Bildschirmbedienung mit dem Finger kann man Produktvideos ansehen, seine Auswahl treffen und sogleich kaufen – genauso, wie man es aus dem Internet kennt. „Gut informiert entscheiden wir, was, wann und wo wir kaufen“, sagt Riedel. Der Automat sei Werbefläche und Laden zugleich, „eine verkaufende Litfaßsäule“.

 

 

 

 

 

 

 

Und weitere Branchen entdecken das Kiosk-Potential: So testen der Hemdenhersteller Seidensticker und die Telekommunikationsfirma Telefónica seit Oktober einen Hemdenautomaten in der Münchner Zentrale des spanischen Konzerns. 75 Modelle in den gängigen Größen helfen dabei, Malheurs vom Mittagessen zu vertuschen. „Klasse für den Notfall“, meint etwa Florian Müller-Schunk, der als Berater für Telefónica arbeitet und nicht bekleckert in ein Meeting gehen würde.

 

 

 

Passend sollte auch das Schuhwerk von Nachtschwärmerinnen sein. Glücklich, wer in der Disko seiner Wahl spätnachts auf „Ballerina to go“ trifft: eine Box mit bequemen, aber schicken Schläppchen, die für 5 bis 9 Euro von Highheel-Schmerzen erlöst.

 

 

 

Die Idee dazu stammt von Isabella Fendt. Sie hat in einem Jahr schon 15 Automaten aufgestellt und will mit ihnen nun auch die Schweiz erobern. Doch es steckt noch viel mehr in Automaten: Regenschirme, Fahrradschläuche, Mietwagenverträge samt -schlüssel, Schwangerschaftstests, Pflaster, aber auch Kunst fallen inzwischen durch deutsche Verkaufsschlitze.

 

 

 

Nicht nur Massenware

 

 

 

So bestücken zwei Münchner Studentinnen einen Verkaufskasten mit handgemachten Geschenken. Auf einer Tour durch die Republik werden auf Bahnhöfen individuelle Präsente zwischen 12 und 180 Euro angeboten – ein „Unikat-Automat“ eben.

 

 

 


 

 

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