Mein Freund ist aus Blech

Auto-Trend Youngtimer: Warum Golf II oder Audi 100 jetzt zum Klassiker werden

Früher prägten sie das Straßenbild: Brot- und Butter-Autos wie der Golf II parkten an jeder Ecke. Mittlerweile sind sie seltener geworden. Genau das macht sie nun begehrt. Und lässt die Preise wieder ansteigen.

In Treue fest: Michael Bellstädt und sein roter Audi 100. Foto: Wirtz

In Treue fest: Michael Bellstädt und sein roter Audi 100. Foto: Wirtz

Alles im Griff: Zumindest kleinere Reparaturen erledigt der Youngtimer-Fan selbst. Foto: Wirtz

Alles im Griff: Zumindest kleinere Reparaturen erledigt der Youngtimer-Fan selbst. Foto: Wirtz

Dormagen. Rot – das ist ja bekanntlich die Farbe der Liebe. Flammrot ist auch der Audi 100 von Michael Bellstädt. Baujahr 1987, 69 PS, 365.000 Kilometer auf dem Tacho. „Der Wagen ist wie ein echter Freund. Wir haben so viel gemeinsam erlebt!“, sagt der Geologe aus dem rheinischen Dormagen. Bellstädt und sein fast 30 Jahre alter Audi – wenn das nicht nach echter Liebe klingt.

Große Gefühle für alte Autos – das ist beileibe kein Einzelfall. Sondern ein echter Trend! „Youngtimer“ werden in Deutschland immer beliebter. Experten verstehen darunter Autos, die zwischen 20 und 30 Lebensjahren in den Achsen haben. Und davon gibt’s hierzulande reichlich: Über 3,3 Millionen Fahrzeuge dieses Alters sind laut Kraftfahrt-Bundesamt momentan zugelassen.

Darunter heiß begehrte Neu-Klassiker: „Die G 60-Version des Golf II ist schon schwer angesagt, das BMW-3er-Coupé auch, beim VW-Bus T3 ist ein wahrer Hype entstanden“, zählt Marius Brune auf. Er ist Geschäftsleiter von Classic Data in Bochum, der marktführenden Gutachterfirma für Young- und Oldtimer.

Bloß: Wo hört schnöder Gebrauchtwagen auf, und wo fängt Youngtimer an? „Nicht jeder Wagen hat das Zeug zum Klassiker“, schränkt Brune ein. „Begehrt sind meist Typen, die innerhalb der Großserien irgendetwas Besonderes hatten, ausgefallene Motorisierungen beispielsweise.“

Fetter Motor, viele Fans? Das ist alles? Frank Reichert, Leiter Klassik-Koordination beim ADAC in München, hat da ein etwas gefühligeres Stichwort im Kopf: Nostalgie! „Die Autos, die uns in der Jugend begegnet sind und die wir damals toll fanden, werden nun zu Liebhaberstücken“, sagt der Experte.

Ironischerweise profitieren die Youngtimer-Fans da von etwas, was sie durch ihre Vorliebe für Autos von gestern ja eigentlich insgeheim meiden wollen: Innovationen. Reichert: „Bei der Fertigungstechnik und den Materialien hatte sich Ende der 80er Jahre schon viel getan“, so Reichert. Youngtimer von heute seien daher deutlich langlebiger. Und daher auch zahlreicher vorhanden.

Alte Liebe rostet also nicht. Was nicht heißt, dass sie nie zickt. „Wer sich für einen Youngtimer interessiert, sollte zumindest kleinere Reparaturen selbst erledigen können“, empfiehlt Classic-Data-Fachmann Marius Brune.

So wie Michael Bellstädt, der Audi-Besitzer. „Klar, ab und an muss man schon ein bisschen schrauben“, sagt er. Aber bis er und sein roter Traum auseinandergehen, das werde noch dauern. „Trennen kann uns eigentlich nur ein Totalschaden …!“


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