Im Jahr 2031

Auf den Mars: Was bringt uns das?


Die Weltraumfahrt erlebt einen Schub – und Deutschland mischt kräftig mit

Dass der Mond ein Ami ist, wissen wir schon länger. Und jetzt auch noch der Mars? Im Jahr 2031 sollen zum ersten Mal drei oder vier Menschen auf den Mars fliegen. Das hat letzten Monat die US-Raumfahrtbehörde Nasa angekündigt.

An dem spektakulären Projekt, das genau 70 Jahre nach dem ersten Weltraumflug des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin (1961) stattfinden soll, scheiden sich die Geister. Für die einen ist es die Erfüllung eines  Menschheitstraumes. Die anderen fragen skeptisch: Schön und gut, aber was haben wir davon?

„Förderung nutzt dem Standort D“

Wir haben den knapp 500 Männern und Frauen, die mittlerweile ins All geschossen wurden, so einiges zu verdanken. Ohne sie gäbe es keine Wettervorhersage im Fernsehen. Kein Navigationssystem würde uns sagen, wohin wir unsere Autos steuern sollen. Und wir könnten so mühelos weder weltweit telefonieren noch im Internet surfen.

„Nahezu jedes Unternehmen und jeder Bürger nutzt Technologien und Dienste, die auf Raumfahrt-Anwendungen basieren“, betont Wirtschaftsminister Michael Glos. Und fügt hinzu: „Die Förderung der Raumfahrt steigert in erheblichem Maße die Wachstums- und Wettbewerbschancen des Standorts Deutschland.“

Wir fördern alle kräftig mit – jährlich 720 Millionen Euro Steuergelder fließen allein an das staatliche Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), hinzu kommen umfangreiche Subventionen an die Industrie, für die sich nur der Satelliten-Bau von sich aus rechnet (siehe unten: „Schlüssel-Industrie Raumfahrt“).

Der alltägliche Nutzen besteht in den „Spin-Offs“: den Nebenprodukten der Weltraumforschung. Ohne sie gäbe es heute keine Schock abweisenden Helme, Flachbildschirme, Geräte zur Entdeckung von Brustkrebs, spezielle Sauerstoff-Flaschen für Feuerwehrleute oder den Strichcode auf Warenverpackungen.

Auch die Technik der Gefriertrocknung von Lebensmitteln, und damit das gängige Früchte-Müsli im Supermarkt, verdanken wir der Raumfahrt.

Die Internationale Raumstation „ISS“, die seit einem Jahrzehnt in 350 Kilometern Höhe die Erde umkreist, soll uns demnächst noch größeren Nutzen stiften. Bereits in den nächsten Wochen wird das Weltraumlabor „Columbus“ an Bord des US-Spaceshuttles „Atlantis“ zur ISS fliegen.

Der Mond als Testfeld

Das Labor wurde zu 51 Prozent von Deutschland finanziert, der deutsche Astronaut Hans Schlegel wird es mit ausladen und andocken. Es ist für zehn Jahre wissenschaftliche Untersuchungen ausgerichtet: auf den Gebieten Medizin, Biologie, Grundlagenphysik und Materialforschung. Zudem sind Studien zum Knochen- und Muskelschwund geplant. 

Und danach geht es nun noch deutlich höher hinauf und weiter hinaus als bisher. Als ein wichtiges Testfeld für die bemannte Mission zum Mars gilt der Mond – 380.000 Kilometer von der Erde entfernt und damit immerhin über 1.000-mal weiter als die ISS.

„Nach den vorliegenden Plänen wird es dort bis zum Jahr 2020 einen bemannten Außenposten geben“, berichtet Steffen Leuthold, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLR) in Berlin. „Und wir Deutschen spielen in diesen Plänen eine wichtige Rolle.“

So entwickelt das in Bremen ansässige Raumfahrtunternehmen OHB-System bereits Pläne für ein Mond-Labor mit Namen AstroHab, das etwa kosmische Strahlen messen und den Einfluss der Schwerelosigkeit auf organische Substanzen analysieren soll.

Löst Helium 3 das Energie-Problem?

Ein weiteres Projekt des Bedtriebses ist die Nutzlast-Fähre „Mona Lisa“, benannt nach dem weltberühmten Bild des Renaissance-Künstlers und genialen Tüftlers Leonardo da Vinci. „Das ist ein Transportraumschiff mit vier Landebeinen, Treibstofftanks, Sonnenzellen und Triebwerk“, erläutert Firmensprecherin Danela Sell. „Es könnte das Labor bis zu sechs Wochen lang mit Klimatisierung und Strom versorgen und seine Daten auf die Erde funken.“

Bei den Mond-Plänen, an denen auch zahlreiche andere Staaten beteiligt sind, spielt auch die Substanz „Helium 3“ eine Rolle. Es existiert so gut wie nicht auf der Erde, aber in großen Mengen auf dem Mond, und Optimisten sehen darin den Schlüssel zur Kernfusion als Energiequelle der Zukunft.

Doch ist es wohl etwas anderes, was die Raumfahrt vorantreibt: der menschliche Entdeckergeist. Ohne ihn wüssten wir nicht, dass es Amerika gibt. Und auch nicht, dass die Erde keine Scheibe ist.

Robert Lücke

 

Schlüssel-Industrie Raumfahrt

5.500 Arbeitsplätze und weitere 40.000 im Umfeld

Die Branche ist klein, aber oho. Auf jährlich 1,5 Milliarden Euro addiert sich der Umsatz der deutschen Raumfahrt-Industrie.

Zum Vergleich: Allein der Siemens-Konzern setzte letztes Jahr 72 Milliarden Euro um. Nach Angaben des Branchenverbands BDLR beschäftigt die Raumfahrt-Industrie rund 5.500 Mitarbeiter; weitere 40.000 Jobs hängen von ihr ab. Im All sind nicht nur deutsche Astronauten unterwegs (wie Ulf Merbold, Reinhard Furrer, Ernst Messerschmid und zuletzt Thomas Reiter), sondern auch viel deutsche Spitzentechnologie. Vier Beispiele:

Das „Automated Transfer Vehicle“ wurde von Deutschland und anderen europäischen Ländern unter dem Dach des Gemeinschaftskonzerns EADS gebaut. Der zehn Meter lange und elf Tonnen schwere Weltraum-Frachter ist mit 1,4  Milliarden Euro das teuerste je in Europa gebaute Raumfahrzeug. Er wird Teil der Internationalen Raumstation ISS; im Februar soll ihn eine Ariane-5-Rakete dorthin bringen.

Im Sommer 2008 startet das bei der EADS-Tochter Astrium in Friedrichshafen montierte Weltraumteleskop „Herschel“ ins All. Damit wollen Wissenschaftler Milliarden von Lichtjahren hinausblicken und entstehende Sterne und Galaxien mit bis dahin unerreichter Auflösung beobachten. Mit einem 3,5-Meter-Hauptspiegel aus Siliziumkarbid wird Herschel das bislang größte Gerät seiner Art.

Das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg will Flüssigkeits-Fernrohre in Kratern des Mond-Nordpols installieren. Sie sollen das All auf Wärmestrahlung abtasten und das Leuchten der ersten Sterne aufspüren.

Die hochauflösende Farb-Stereokamera HRSC, entwickelt vom Institut für Planetenforschung Berlin-Adlershof, war bereits bei einer unbemannten Marsmission dabei. Demnächst wollen Forscher damit den Mond metergenau kartografieren. 

RL

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