Direkte Notfallhilfe vor Ort

Assistance-Versicherungen: Lohnen sich Haus- und Wohnungsschutzbriefe?

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Düsseldorf. Ein verstopftes Wasserrohr, eine zugefallene Haustür, ein Wespennest an der Terrasse: So etwas kommt vor. Haus- und Wohnungsschutzbriefe, auch Assistance-Versicherungen genannt, versprechen für rund 50 Euro pro Jahr schnelle Hilfe – für Mieter wird es manchmal günstiger. Ein Anruf bei der Notrufnummer genügt, und schon kümmert sich der Versicherer um alles Weitere. Das klingt auf den ersten Blick gut. Doch Verbraucherschützer sehen die Sache anders.

Unnötiger Schutz

„Diese Police ist in der Regel komplett überflüssig“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Düsseldorf. Warum? „In erster Linie helfen die Versicherer bei der Abwicklung, doch die angebotenen Hilfeleistungen kann man sich meist problemlos selbst organisieren“, sagt die Juristin. Wer hat schon so wenig Freunde, dass sich niemand ein paar Tage um die Kinder oder ein Haustier kümmern kann, falls man mal ins Krankenhaus muss?

„Viele der versicherten Schäden kommen außerdem nur selten vor“, sagt Weidenbach. Wie häufig kämpft man in der Praxis wirklich gegen Rohrverstopfungen, Hornissennester oder eine Kakerlakenplage? Wie oft muss sich der Durchschnittsbürger nach einem Wasserschaden eine Ersatzwohnung organisieren?

Nicht alles wird gezahlt

Im Ernstfall muss man außerdem ganz genau im Kleingedruckten nachsehen, was überhaupt bezahlt wird. Bei Problemen mit der Elektrik beispielsweise ist in der Regel nur die Elektroinstallation in der Wohnung versichert, nicht aber defekte Elektrogeräte. Bei Heizungsproblemen sind oft Korrosions- und Frostschäden ausgeschlossen, beim Schlüsseldienst normalerweise nur die Kosten für ein provisorisches Schloss abgedeckt.

Kein Kostenersatz

„Die Reparaturkosten sind außerdem normalerweise gedeckelt“, erklärt Elke Weidenbach. Meist übernimmt der Versicherer nicht mehr als 500 Euro pro Schaden. „Solche relativ kleinen Summen kann man von den eingesparten Beiträgen in der Regel problemlos selbst bezahlen“, sagt die Expertin. Wird es im Einzelfall mal richtig teuer, beispielsweise weil nach einem Kurzschluss die Elektrik im Haus komplett erneuert werden muss, bleibt man dagegen auf dem größten Teil der Kosten sitzen. Für Mieter lohnt sich die Sache noch weniger, denn viele der versicherten Risiken sind sowieso Sache des Vermieters.

Kleiner Pluspunkt

Einziger Vorteil der Policen: Man kann davon ausgehen, dass die Versicherungen mit seriösen Firmen zusammenarbeiten. Man hat also kein Risiko, dass schwarze Schafe einen in der Not so richtig abzocken.


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aktualisiert am 09.10.2017

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