Das Konto in der Tasche

Apps ersetzen die Filiale: „Fintechs“ mischen das Geschäftsmodell der Banken auf

Schnell gezückt: Das Smartphone spart den Gang in die Bankfiliale. Foto: Langen, dpa; Montage: Straßmeier

Berlin/München. Rechnungen überweisen, einen Kredit aufnehmen und die privaten Geldanlagen verwalten – das geht inzwischen auch unterwegs: mit der richtigen App auf dem Smartphone. Alles macht man mit wenigen Klicks, danach kommt das Handy zurück in die Tasche.

„Fintech“ heißen diese digitalen Bankfilialen: zusammengesetzt aus „Finanzen“ und „Technologie“. Der Begriff steht für junge Unternehmen, die mit rasantem Tempo neue Ideen entwickeln. 12.000 Fintechs gibt es weltweit. In Deutschland nehmen sie erst seit kurzem richtig Fahrt auf. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom in Berlin tummeln sich bei uns derzeit rund 150 solcher Finanzdienstleister.

Rechnungen einfach fotografieren statt Nummern eintippen

Viele Angebote gibt es rund ums Bezahlen und Überweisen – ein Kerngeschäft der Bankhäuser. Zum Beispiel „Gini-Pay“. Das gleichnamige Start-up-Unternehmen in München macht mit dieser App das Überweisen von Rechnungen deutlich einfacher. Es gibt kein lästiges Eintippen mehr von 20-stelligen Nummern: Einfach die Rechnung mit dem Smartphone fotografieren und per Tan-Nummer freigeben. Den Rest macht „Gini“.

Zwar bieten auch Banken Apps an, etwa um den Kontostand von unterwegs abzurufen. „Doch die sind nicht gerade nutzerfreundlich konzipiert“, urteilt Steffen von Blumröder, Experte für Fintechs bei Bitkom. Außerdem sind sie in der Regel nur auf eine Bank zugeschnitten.

Genau das machen die Fintechs anders: „Wir wollen den Dienst jedem anbieten, unabhängig davon, bei welcher Bank der Nutzer Kunde ist“, erläutert Malte Klussmann von Cringle. Das Start-up-Unternehmen aus Berlin hat eine App entwickelt, mit der sich Freunde untereinander Geld überweisen können, zum Beispiel wenn sie gemeinsam Essen gehen und sich die Rechnung teilen wollen.

Die Idee dazu kam Gründer Joschak Friedag, als er nach einem Fußballspiel mit seinem Team feiern wollte und alle ihr Smartphone, jedoch kein Bargeld dabeihatten. Er recherchierte und fand heraus, dass Freunde täglich 116 Millionen Euro untereinander austauschen.

Seit dem Start von „Cringle“ im Dezember vergangenen Jahres wurden über die App 250.000 Euro überwiesen. Das ist noch nicht weltbewegend. Dennoch nehmen etablierte Großbanken die neue Konkurrenz durchaus ernst, wie das Beratungsunternehmen Pass in Aschaffenburg festgestellt hat.

60 Prozent der befragten Banker sehen ihr Kerngeschäft durch die Fintechs bedroht. Ihrer Ansicht nach wächst die Bedeutung der kreativen Newcomer. Neben dem Geldtransfer wildern die Fintechs auch in anderen Kernbereichen, wie etwa dem Kreditgeschäft. Anbieter wie Lendico vermitteln Kredite zwischen Privatleuten. Und Kreditech verleiht Geld an Menschen, die bei den Banken keine Chance haben.

Doch was ist an den Fintechs so clever? „Sie denken vom Kunden aus, und sie sind schneller in der Umsetzung“, sagt Bitkom-Experte von Blumröder. Zum Beispiel „Vaamo“: Die App ist angeblich die erste in Deutschland, die es ermöglicht, mit wenigen Klicks die passende Geldanlage zu finden.

Das funktioniert so: Der Anleger gibt Sparziel, Zeitraum und Risikobereitschaft ein, die Software wählt den richtigen Produktmix. Mitgründer Oliver Vins glaubt: „Gerade die jüngere Generation unter 40 kann sich heute kaum noch vorstellen, eine Bankfiliale zu betreten.“ Geldanlage bei Vaamo sei „einfach und intuitiv“, der Kunde habe jederzeit die volle Kontrolle. Vor allem fallen, anders als bei vielen Banken, nur geringe Gebühren an.

Vins ist mit dem Erfolg zufrieden: „Eine vierstellige Zahl aktiver Kunden hat bei uns im Durchschnitt 10.000 Euro angelegt.“

Risiken beim privaten Geldverleih

Mittlerweile gibt es viele Partnerschaften zwischen Fintechs und Banken. Denn für klassische Geldgeschäfte brauchen die Fintechs eine Bank im Hintergrund. Umgekehrt profitieren etablierte Banken von der Zusammenarbeit mit den Jung-Unternehmen. Beispiele sind die ING-Diba und Comdirect, die mit Gini kooperieren.

Nicht nur smart, sondern auch sicher seien die Geldgeschäfte per Handy, so werben die Anbieter. Der Branchenverband empfiehlt allerdings, das Smartphone wie einen PC mit Virenschutz auszustatten. Wegzudenken sind die Fintechs jedoch nicht mehr. Fachmann von Blumröder ist sicher: „Sie sind eine Bereicherung für die Finanzwelt.“


Mehr zum Thema:

Fast die Hälfte aller Deutschen will bald so gut wie immer auf Bargeld verzichten, so ein Studie des Digitalverbands Bitkom. Die Technik dafür steckt schon in vielen Giro- und Kreditkarten: ein Funkchip.

Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie der EU sieht vor: Die Banken schaffen die Papier-TAN-Listen bis 2018 ab. Online-Banking-Kunden sollten sich daher schon mal mit den Alternativen vertraut machen. Hier gibt’s den Überblick.

Per Smartphone-App auf dem Weg zur Bank schon die Summe eintippen. Die App erzeugt einen QR-Code, den der Kunde am Automaten vorzeigt. Und schon kommt das Geld. So werden Warteschlangen kürzer. Aber Geldautomaten können bald noch mehr.

Online-Banking per Smartphone: Das kann man machen – wenn man sehr vorsichtig ist. Die folgenden Experten-Tipps sollten allerdings nur diejenigen lesen, die die Mindestvoraussetzung schon erfüllt haben: Virenschutz fürs Handy.

Geld überweisen, Kontostand abrufen & Co. – jederzeit, bequem und schnell: Die vielen Vorteile von Online-Banking liegen klar auf der Hand. Die Sicherheitsrisiken bekommen Sie in Griff, wenn Sie diese Tipps beachten.

Unberechtigte Lastschriften lassen sich in vielen Fällen rückgängig machen. Aber was muss man genau tun? Welche Fristen gelten? Und wie sieht es mit den Gebühren aus? Das haben wir eine Expertin vom Bundesverband deutscher Banken gefragt.

Ein sorgloser Umgang mit dem Smartphone kann gefährlich sein: Fotos, E-Mails, Banking-Informationen – Cyber-Kriminelle versuchen systematisch, an persönliche Daten zu kommen. AKTIVonline zeigt, wie Ihr Handy schützen können.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang