Richtig oder falsch?

8 Mythen und Wahrheiten rund um Kaffee

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Nichts trinken die Deutschen lieber als Kaffee: Im Jahr 2014 verzehrte jeder durchschnittlich 162 Liter. Das entspricht etwa 800 Tassen! Kein Wunder also, dass sich um unser Lieblingsgetränk jede Menge Mythen ranken. An welchen ist wirklich was dran? AKTIV hat mit vier Experten gesprochen.

Mythos 1: Kaffee macht jeden wach

Bei den meisten Menschen stimmt das tatsächlich: Kaffee bringt den Kreislauf in Schwung. Das liegt am Koffein. In einer Tasse befinden sich ungefähr 100 Milligramm des weißen Pulvers. „Nach etwa 30 Minuten ist es im Blut und blockiert Schlaf fördernde Botenstoffe“, sagt Dr. Thomas Kurscheid, Ernährungsmediziner aus Köln. Koffein wirkt zudem auf die Zellen der Herznerven. Das Herz schlägt kräftiger, und der Blutdruck steigt.

Kaffee aktiviert zwei Stoffe im Körper: „Das eine ist das Glückshormon Dopamin“, so der Experte. „Deshalb fühlen wir uns motivierter, leistungsfähiger und können uns besser konzentrieren.“ Der andere Stoff ist das als Flucht-Hormon bekannte Adrenalin. Der Nachteil: „Allzu komplizierte Aufgaben können wir nun nicht mehr lösen.“

Übrigens: Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann Kaffee den Gegeneffekt auslösen – und schläfrig machen. Das Koffein normalisiert den Blutdruck für kurze Zeit. Dadurch werden mehr Schlafhormone frei.

Mythos 2: Kaffee entzieht dem Körper Wasser

Nein. Kaffee besteht selbst aus fast 100 Prozent Wasser. Der Körper wird beim Trinken also mit genügend Flüssigkeit versorgt. Was jedoch stimmt: Koffein wirkt harntreibend. Allerdings trifft diese sogenannte dehydrierende Eigenschaft nur Menschen, die sehr selten Kaffee trinken. Vieltrinker haben sich schnell daran gewöhnt. „Der Körper steuert automatisch gegen und gibt das Wasser quasi nicht mehr her“, beschreibt Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid.

Tipp: Ein Glas Wasser zum Espresso kann trotzdem gut sein – es neutralisiert nämlich die Geschmacksnerven.

Mythos 3: Kaffee ist ungesund

Laut Experten wird die gesundheitsfördernde Wirkung von Kaffee unterschätzt. „Kaffee enthält gesunde Schutz- und Pflanzenstoffe“, sagt Ernährungsmediziner Dr. Thomas Kurscheid. Das sind zum Beispiel wertvolle Mineralien und Vitamine.

Doch Vorsicht: Zwei Gruppen von Menschen sollten ihren Kaffeekonsum einschränken: Diabetiker riskieren, dass der Blutzucker nach einer Mahlzeit verstärkt ansteigt. Menschen mit Cholesterin sollten sich ebenfalls in Acht nehmen: Besonders nicht gefilterter Kaffee enthält spezielle Öle, die den Cholesterinspiegel nach oben treiben.

Mythos 4: Kaffee macht süchtig

Koffein ist zwar eine sogenannte psychoaktive Droge. Das heißt, die Substanz aktiviert Gehirnzellen und stimuliert das Hormonsystem. Mediziner ordnen sie jedoch nicht als Suchtmittel ein. Der Grund: Es bleiben unter anderem typische Suchtzentren im Gehirn unbeteiligt. Koffein versetzt einen Menschen auch nicht in bewusstseinsstörende Zustände.

In der Alltagssprache hingegen ist es völlig normal, von Kaffee-Sucht zu sprechen: „Es gibt viele Dinge, die wir in unseren Alltag einbauen und nach denen wir glauben, süchtig zu sein“, sagt Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt. Sei es die Vorliebe für Schokolade, der Schluck Rotwein am Abend oder eben Kaffee. „Das ist keine Abhängigkeit aus medizinischer Sicht, sondern Gewohnheit“, betont der Experte. Fehlt die Tasse Kaffee am Morgen, klagen besonders Vieltrinker über Müdigkeit und Kopfschmerzen. „Das ist eine subjektive Wahrnehmung“, so Stöver. „Wir glauben an die Wirkung von Kaffee.“ Studien hätten gezeigt: Gibt man Kaffeetrinkern (unwissentlich) entkoffeinierten Kaffee, geht es vielen danach ebenso gut. Der Fachmann spricht dann vom „Placebo-Effekt“.

Natürlich kommt es immer auf die Dosis an. Schon der Schweizer Arzt Paracelsus (1493–1541) prägte folgenden Satz: „Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift – allein die Dosis macht, dass ein Ding' kein Gift ist.“

Mythos 5: Kaffeesatz eignet sich als Blumendünger

Stimmt, denn Kaffee enthält viele Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Diese kräftigen die Pflanze. „Die Reste sollten vorher gut getrocknet werden“, sagt Ringo Dühmke aus Wittstock, Hobbygärtner und Betreiber des Portals „GartenTipps.com“. Sonst schimmeln sie. Der Kaffeesatz kann dann mit frischer Erde vermischt oder dünn gestreut leicht in die Erde eingearbeitet werden.

Zudem gilt: Nicht zu häufig düngen! Zimmerpflanzen sollten einmal im Winter und einmal im Frühjahr gedüngt werden, Freilandpflanzen im Schnitt viermal jährlich. Kaffeesatz eignet sich gut für Azaleen, Rosen, Geranien und Rhododendron, aber auch Nutzpflanzen wie Tomaten und Zucchini.

Mythos 6: Kaffee darf man nicht in den Kühlschrank lagern

Falsch. Kaffee ist ein Naturprodukt, verliert schnell an Aromen und hält sich im Kühlschrank länger frisch. Das A und O: eine lichtgeschützte und trockene Lagerung. „Der Kaffee muss unbedingt in eine luft- und aromadichte Dose“, sagt Andreas Wessel-Ellermann, Geschäftsführer der Hamburger Speicherstadt Kaffeerösterei. „Kaffee ist hygroskopisch, das heißt, er nimmt sehr stark Feuchtigkeit auf. Und er nimmt auch Fremdgerüche anderer Lebensmittel schnell an.“

Nach Gebrauch sollte die Dose also schleunigst wieder verschlossen in den Kühlschrank zurück. Durch den Temperaturunterschied bildet sich sonst Kondenswasser. „Ist das erst einmal in der Dose, wird der Kaffee ranzig“, so der Fachmann. Tipp: Kaffee möglichst in Bohnen und immer in kleinen Mengen kaufen.

Mythos 7: Espresso hat mehr Koffein als Filterkaffee

Nein, er schmeckt nur stärker. Viel mehr Koffein enthält eine normale Tasse Filterkaffee, und zwar circa so viel wie zwei Espressi. Woran das liegt? „Espresso-Bohnen werden meist deutlich länger und heißer geröstet als Bohnen, die für Filterkaffee bestimmt sind“, erklärt Andreas Wessel-Ellermann, Kaffeeröster aus Hamburg. „Dadurch schwindet der Koffeingehalt.“

Warum sich das Gerücht trotzdem hartnäckig hält? Vielleicht, weil uns das Gehirn einen Streich spielt. Dank der lang gerösteten Bohnen ist ein Espresso tiefschwarz und schmeckt intensiver. Unter anderem Röstaromen und Öle verleihen ihm den herben Geschmack. „Wir assoziieren damit wahrscheinlich automatisch mehr Koffein“, vermutet Wessel-Ellermann.

Mythos 8: Entkoffeinierter Kaffee schont den Magen

Ja und Nein. Koffein regt den Magen an und fördert die Verdauung. Was bei vielen Menschen jedoch für Sodbrennen sorgt, ist nicht das Koffein. Schuld sind unerwünschte Säuren und Röstreizstoffe. Bei industriell hergestelltem, kurz und sehr heiß geröstetem Kaffee verbleibt oftmals ein Großteil im Kaffee. Beim Entkoffeinieren werden diese Stoffe zwar neben Koffein mitentzogen.Eine zu kurze Röstung hebt den positiven Effekt jedoch auf.

„Bei empfindlichem Magen ist deshalb ein möglichst lang gerösteter, 100-prozentiger Arabica-Espresso zu empfehlen“, sagt Wessel-Ellermann. Je länger eine Bohne geröstet wird, desto weniger Säuren enthält sie am Ende.


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