Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die 2025 gestartete Hydraulik-Initiative will den Know-how-Verlust in diesem wichtigen Technik-Bereich stoppen.
- Sie setzt sich beispielsweise für Zusatzqualifikationen im Industriemechaniker- und Elektronikerberuf sowie für das Berufsbild Fluidtroniker/in ein.
- Das Unternehmen Stauff aus Werdohl sieht dringenden Handlungsbedarf, denn Fehler und Defekte in der Hydraulik sind gefährlich.
Leistungsstark, beweglich, präzise, robust, Kraftübertragung auf kleinstem Raum ohne komplizierte Mechanik: Hydraulik ist ein (Fast-)Alleskönner. Sie ist eine Schlüsseltechnologie, die den Rasen in der Arena auf Schalke verschiebt und künstliche Kniegelenke bewegt und die in Friseurstühlen, Baggern, Landmaschinen, Aufzügen, Fahrgeschäften auf der Kirmes, in Spritzgussmaschinen und Flugzeugen eingesetzt wird. „Hydraulik ist überall, aber keiner nimmt sie wahr“, bedauert Axel Binner, Geschäftsführer des Wittener Unternehmens Hydropa, das schlechte Image: „Ölig und dreckig, so das Vorurteil.“
Der Hydraulik-Initiative haben sich schon knapp 90 Unternehmen angeschlossen
Um damit aufzuräumen, hat er 2025 die Hydraulik-Initiative gegründet, der sich bundesweit schon knapp 90 Unternehmen angeschlossen haben, darunter einige aus der Region. Mit dabei: die Firma Stauff aus Werdohl. „Wir wollen sichtbar machen, wie breit das Hydraulikfeld ist, dafür begeistern und Nachwuchskräfte für unsere Branche gewinnen“, erklärt Personalleiter Niclas von Seidlitz. Denn das Image ist eine Sache, das Wissen um die Technik eine andere.
Binner und seine Mitstreiter befürchten, dass das Hydraulik-Know-how verloren geht, wenn immer mehr erfahrene Kräfte in den Ruhestand gehen. Für Bau und Wartung brauche man Leute, die sich auskennen, zumal die Maschinen drum herum immer komplexer würden. An den Hochschulen spiele das Thema aber eine untergeordnete Rolle, in der Ausbildung werde es höchstens gestreift.
Als neues Berufsbild gewünscht: Fluidtroniker/in
„Wir brauchen ein passendes Ausbildungsziel“
Niclas von Seidlitz, Personalleiter Stauff Deutschland
„Um unseren Wissensvorsprung nicht zu verspielen, brauchen wir ein passendes Ausbildungsziel“, sagt von Seidlitz. Binner konkretisiert: „Wir wünschen uns eine standardisierte Zusatzqualifikation für Industriemechaniker und Elektroniker und eine spezialisierte Ausbildung zum Fluidtroniker.“ Der Weg dahin ist lang, erste Gespräche mit den zuständigen Stellen laufen.
Fehlendes Fachwissen über Hydraulik hat schon jetzt negative Folgen
Wie notwendig das ist, erfährt man bei Stauff in der täglichen Praxis. Das Unternehmen produziert etwa 50.000 unterschiedliche Komponenten rund um Hydraulik- und Fluidleitungen und bietet komplette Systemlösungen an. „Wir stellen fest, dass bei unseren Geschäftspartnern die Hydraulik nicht immer im Fokus steht und spezifisches Fachwissen verloren geht“, sagt von Seidlitz. Den Experten aus der Initiative begegnen immer wieder fehlerhafte Anwendungen in den Betrieben. Da werden falsche Schellen und fehlerhaft dimensionierte Leitungen genutzt, Schläuche gequetscht, Komponenten mehrfach lackiert.
Fehler bei Einbau und Wartung sind extrem gefährlich
Das wirkt sich nicht nur auf die Leistung aus. „Hydraulik verzeiht viel, aber wenn was platzt, wird es richtig gefährlich“, sagt Binner. Ein Ölstrahl, der unkontrolliert und mit hohem Druck austritt, geht wie ein Geschoss durch die Haut. Leckagen und Undichtigkeiten sind ebenfalls ein Problem.
Um darauf aufmerksam zu machen, hat man bei Stauff einen Hydrodidakten im Einsatz. An dem geschlossenen Kreislaufsystem können Anwendungstechniker wie André Degen zeigen, wie sich der Öldruck auf den Zylinder auswirkt, was passiert, wenn eine Undichtigkeit vorliegt oder Luft angesaugt wird, und wie langsam der Öldruck bei einem Not-Aus sinkt. Es sind Grundlagen-Schulungen, die Stauff nicht nur intern für Kunden, sondern auch extern anbietet, zum Beispiel für Berufsschüler.
Es ist ein kleiner Schritt, um Begeisterung und Interesse für die Hydraulik zu wecken. Für die nächsten größeren sucht die Initiative nach weiteren Unterstützern.
Das ist Hydraulik
- Mithilfe von Flüssigkeiten (meist Hydraulik-Öl) wird Druck erzeugt und in mechanische Bewegung umgewandelt.
- Die unter Druck stehende Flüssigkeit wird in einen Zylinder geleitet und setzt dort Kolben in Bewegung. Auf diesem Weg lassen sich mit geringem Kraftaufwand große Lasten bewegen.
- Die Pneumatik funktioniert ähnlich, arbeitet aber mit Druckluft statt mit Flüssigkeiten. Sie erzeugt weniger große Kräfte – und ist weniger präzise.
- Weitere Infos: hydraulik-initiative.de.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
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