Stuttgart. Angesichts der nicht enden wollenden Zinsflaute wirken Angebote des sogenannten Crowdinvestings sehr verführerisch, wenn es um die Geldanlage geht. Die Idee: Viele – eine „crowd“, englisch für Menschenmenge – tun sich zusammen, um ein ganz bestimmtes Projekt zu finanzieren. Beispielsweise eine große Immobilie, ein neues Unternehmen oder auch einen geplanten Solarpark.

In der Werbung klingt das dann nach toller Gemeinschaft, wo viele nette Menschen gemeinsam in eine richtig gute Sache investieren, ein Startup zum Beispiel. Natürlich locken auch die hohen Zinsen, die oft zwischen 5 und 10 Prozent und teilweise sogar darüber liegen. Hört sich zu gut an, um wahr zu sein, oder? Eben.

Auch scheinbar grundsolide Vorhaben sind schon in die Pleite gerutscht

„Die Finanzierung neuer Projekte oder Unternehmen gehört zu den riskantesten Geldanlagen überhaupt“, warnt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und diese Warnung gilt nicht nur für irgendwelche Garagengründungen, die mit völlig neuen oder irgendwie schrägen Produkten auf den Markt kommen wollen. Selbst scheinbar grundsolide Immobilienprojekte, bei denen gefühlt kaum etwas schiefgehen kann, sind inzwischen schon oft pleite gegangen.

„Die Finanzierung neuer Projekte oder Unternehmen gehört zu den riskantesten Geldanlagen überhaupt"

Klar: Es gibt immer mal wieder einzelne Positivbeispiele, bei denen die Rechnung glänzend aufgegangen ist und die Crowd-Anleger am Ende ein dickes Plus auf dem Konto hatten. Doch davon sollte man sich nicht blenden lassen: „Es ist für den Kleinanleger praktisch nicht möglich, im Vorfeld abzuschätzen, ob ein Projekt überhaupt realistische Chancen auf Erfolg hat“, so Nauhauser.

Man bekommt kaum unabhängige Informationen – und der Markt wird nicht groß überwacht

Es gibt nämlich kaum unabhängige Informationen – man weiß oft nur das, was der Anbieter selbst über seine tollen Pläne verkündet. Wenig überraschend, dass die Idee und die Erfolgsaussichten in den schönsten Farben geschildert werden.

„Und dieser Markt wird leider kaum überwacht, viele Anbieter versprechen Fantasie-Renditen“, erklärt Nauhauser. Selbst auf schriftlich genannte Zahlen und Fakten kann man sich in diesem heiklen Bereich des Finanzmarkts nicht verlassen, denn vieles ist reine Zukunftsmusik: „Über die tatsächlichen Ist-Zahlen wird kaum berichtet, weil es häufig keine Publizitätspflicht gibt“, weiß der Finanzexperte.

Wer in ein Crowdinvesting-Vorhaben investiert, muss also ernsthaft damit rechnen, sein gesamtes Geld zu verlieren. Wer weiß schon, ob das Projekt sinnvoll durchkalkuliert oder viel zu teuer geplant ist, wie gut das Management wirklich arbeitet und ob sich der Erfolg irgendwann so einstellt wie erwartet. Aber selbst, wenn die Sache im Großen und Ganzen mal funktioniert, sind die tatsächlichen Gewinne regelmäßig erheblich niedriger als kalkuliert. Oft kann man sich schon freuen, wenn man wenigstens sein eingezahltes Kapital zurückbekommt.

Wer nachrangige Darlehen vergibt, geht bei einer Insolvenz oft leer aus

„Scheitert das Projekt und wird der Anbieter insolvent, gehen Anleger meistens leer aus“, sagt Nauhauser. In vielen Fällen sind die Anlageverträge nämlich als sogenannte nachrangige Darlehen ausgestaltet. Damit werden die Ansprüche eines Crowdinvestors erst ganz zum Schluss bedient – also erst, wenn alle anderen, die Banken etwa, ihr Geld schon bekommen haben. Und dann ist normalerweise nichts mehr da.

Wenn überhaupt, sollte man beim Crowdinvesting also nur kleine Beträge investieren, bei denen es nicht wehtut, wenn man tatsächlich das gesamte Geld ersatzlos verliert. Wem es aber sowieso mehr darum geht, eine wirklich gute Sache finanziell zu unterstützen, der kann sein Geld einfach direkt spenden. Dann ist die Kohle zwar auch weg – aber eine Spende kann man in vielen Fällen immerhin von der Steuer absetzen.