Das Wichtigste auf einen Blick:
- Rund 11 Millionen Deutsche sind zuckerkrank – viele ohne Diagnose. Frühe Symptome werden häufig übersehen.
- Sensoren, Insulinpumpen und Apps erlauben Betroffenen – sogar Spitzensportlern – volle Leistungsfähigkeit im Alltag und Beruf.
- Regelmäßige Vorsorge, gesunde Ernährung und Bewegung senken das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
Wussten Sie, dass hierzulande etwa zwei Millionen Erwerbstätige mit Diabetes leben? Und dass – jetzt die gute Nachricht – diese Stoffwechselerkrankung heutzutage in den meisten Jobs überhaupt kein Hindernis mehr ist? Dank moderner Medizintechnik gilt das sogar für extrem anstrengende Arbeit!

Etwa die von Alexander Zverev, seit Jahren Deutschlands bester Tennisspieler. Als er 2022 seine Typ-1-Diabetes-Erkrankung öffentlich machte, staunten viele nicht schlecht: Wer ständig seinen Blutzucker im Blick haben und Insulin spritzen muss, kann doch unmöglich Sport auf Weltklasseniveau betreiben, oder? Falsch gedacht! Auch Diabetiker wie Matthias Steiner (Olympiasieger im Gewichtheben), Timur Oruz (Hockey-Weltmeister) oder Anne Haug (Ironman-Weltmeisterin) haben das eindrucksvoll bewiesen.
Smarte Technik: Wie Zuckermessgeräte, Sensoren und Apps den Alltag revolutionieren
„Mit Diabetes kann man alles erreichen“, sagt Zverev. Das sieht auch der Facharzt Dr. Wolfgang Wagener von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) so: „Für die meisten Betroffenen entfallen nahezu alle früheren Einschränkungen im Berufsleben.“ Moderne Insulinpumpen, kontinuierliche Glukosemesssysteme und smarte Apps mit Warnhinweisen hätten das Leben mit Diabetes revolutionär verbessert.
Was ist Diabetes? Formen, Ursachen und medizinisches Wissen
Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Zucker nicht richtig verarbeiten kann. Das passiert, weil die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin nicht produziert oder es dort nicht richtig wirkt. Medizinisch unterscheidet man verschiedene Diabetes-Formen: Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Zellen zerstört, die Insulin produzieren. Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend und wird durch Übergewicht, Bewegungsmangel und Genetik begünstigt. Diabetiker können unter Umständen einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Der Grad der Behinderung wird seit 2010 nach dem Behandlungsaufwand ausgewiesen. Wer täglich mindestens vier Insulininjektionen benötigt und durch „erhebliche Einschnitte“ in der Lebensführung beeinträchtigt ist, gilt als schwerbehindert.
Arbeiten mit Diabetes: Was heute möglich ist
Eine verbindliche Leitlinie dafür, wie Menschen mit Diabetes im Arbeitsleben beurteilt werden sollen, gibt es bis heute weder in Deutschland noch anderswo. In der Bundesrepublik hat die Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) großes Gewicht: So wurden 2017 die Regeln zur Fahreignung an eine entsprechende AWMF-Leitlinie angepasst. Seitdem dürfen Menschen mit Diabetes und gut eingestelltem Stoffwechsel alle Fahrzeugklassen fahren – auch Busse, Lastwagen und Fahrzeuge zur Personenbeförderung.
Laut DDG haben rund elf Millionen Bundesbürger Diabetes – wobei schätzungsweise zwei Millionen von ihnen noch gar nichts von ihrer Erkrankung wissen! Bis zur ersten Diagnose bleibt sie im Schnitt vier bis sieben Jahre lang unentdeckt. Typische Warnsignale sind starker Durst, häufiger Harndrang, unerklärliche Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit.
„Für die meisten Betroffenen entfallen nahezu alle früheren Einschränkungen im Berufsleben“
Dr. Wolfgang Wagener, Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)
Mit Ernährung, Bewegung und Lebensstil den Blutzucker senken
Das Robert Koch-Institut erwartet eine weitere Zunahme der Erkrankungen, denn 95 Prozent der deutschen Diabetiker haben Typ-2-Diabetes. Diese Form galt lange als „Altersdiabetes“, wird aber immer häufiger schon bei 20- bis 39-Jährigen festgestellt. Wer viel sitzt, sich wenig bewegt und sich ungesund ernährt, hat ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko.
Vorbeugen kann also jede und jeder. Bewegung ist wichtig sowie eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Vollkornprodukten – und wenig Zucker. Außerdem sollte man nicht rauchen und auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus.
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