Um weiterhin auf der sicheren Seite zu fahren, heißt es jetzt: Den Drahtesel pflegen. Dann ist das Rad auch im Herbst und Winter ein verlässlicher und sicherer Begleiter – sogar bei Eis und Schnee. Denn Nässe, Glätte und Co. sind kein Grund, um das Fahrrad nicht mehr zu nutzen. Bewegung tut bei jedem Wetter gut und in Corona-Zeiten ist der Weg zur Arbeit mit dem Rad vielen mittlerweile lieber als die Fahrt in vollen Bussen und Bahnen. Fahrrad-Technikexperte Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC NRW) gibt Tipps, wie man sein Gefährt für den Winter fit macht.

In der folgenden Bilderstrecke finden Sie zehn Tipps, worauf Sie bei der Fahrradpflege besonders achten sollten:

1. Licht checken, um als Radfahrer besser gesehen zu werden

Wenn die Tage kürzer werden oder graue Wolken die Sonne verdecken, sind Radler leichter zu übersehen. Deshalb gilt der erste Blick beim Herbstcheck eindeutig dem Licht. Alte Glühbirnen sollte man durch LED-Leuchten ersetzen. Die bringen mehr Leistung, so kann der Radler mehr sehen und wird auch besser von anderen wahrgenommen. Auf der sicheren Seite ist man etwa mit einem Nabendynamo mit LED-Rücklicht, das auch eine Standlichtfunktion hat. Dies gilt ebenfalls für einen LED-Frontscheinwerfer, der ebenfalls ein Standlicht haben sollte. Zweckmäßig ist auch eine Sensorautomatik, die bei widrigen Lichtverhältnissen automatisch das Licht einschaltet. „Diese Ausrüstung sorgt dafür, dass man als Radfahrer gut gesehen wird“, sagt Behrendt.

Der Experte rät, das Licht immer auch schon bei Dämmerung einzuschalten. Wenn das Fahrrad-Rücklicht durch einen Anhänger verdeckt ist, braucht auch der Anhänger zusätzlich zu den Reflektoren eine eigene Schlussleuchte: „Ein Rückstrahler allein reicht dann nicht.“ Auch Reflektoren bringen mehr Sichtbarkeit und Sicherheit. Also: Jetzt kontrollieren, ob alle Reflektoren am Rad unbeschädigt sind und Verschmutzungen entfernen.

Generell sollte man auf eine möglichst wartungsfreie Lichttechnik setzen. „Nabendynamos rutschen – anders als Seitenläufer-Dynamos – bei Nässe oder Schneematsch nicht durch und erzeugen auch im Winter jederzeit genügend Strom“, sagt Behrendt. Vorsicht ist bei Batteriebeleuchtung geboten: „Akkus halten bei Kälte immer deutlich weniger lange durch, das sollte man wissen!“

2. Bremsen prüfen, damit man im Winter sicher fahren kann

Die Bremsen müssen in der nassen Jahreszeit gut funktionieren. Gerade Felgenbremsen haben bei Nässe oder Eis einen längeren Bremsweg. „Deshalb unbedingt die Bremsbeläge prüfen und frühzeitig wechseln“, sagt der Technikexperte. „Bremsklötze müssen spätestens getauscht werden, wenn die Querrillen nicht mehr deutlich zu erkennen sind oder sich eine Kante eingebremst hat.“ Bei Matsch und Schnee schreitet der Verschleiß übrigens extrem voran. Dann sind Bremsen, die im Sommer noch okay waren, ganz schnell runtergefahren.

3. Fahrradkette reinigen und am besten kräftig schmieren

Vor allem im Winter leidet die Fahrradkette. „Da hilft nur regelmäßige Pflege“, sagt Behrendt. „Reinigen und Schmieren sind also das A und O.“ Am besten schmiere man die Kette mit Kettenöl oder Kettenfließfett ein, indem man dieses auf die Innenseiten der Laschen gebe. Das sind die äußeren, flachen Verbindungselemente, die die übrigen Kettenglieder zusammenhalten: „Dann dreht man die Pedale, damit sich das Öl verteilt und wischt gleichzeitig den Überschuss ab.“ Am besten synthetisches Öl nutzen und sparsam auftragen. Wenn Öl auf Reifen oder Felgen tropft, greifen die Bremsen nicht mehr richtig – also: sorgsam vorgehen. Besonders wartungsarm sind Fahrräder mit Riemenantrieb.

4. Weitere bewegliche Teile schmieren

Gegen Korrosion schützen sollte man nicht nur die Kette, sondern alle beweglichen Teile – also auch etwa Lenker oder Lenkstange, Klingelhebel, Bremszüge und Gepäckträger. Nur so sind sie gut vor der Nässe, Matsch und Streusalz geschützt. Den Schmierservice übernehmen auch Fahrradwerkstätten gegen eine geringe Gebühr. So muss man sich nicht selbst die Finger schmutzig machen.

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5. Gangschaltung nachjustieren

Auch die Schaltung muss im Herbst und Winter reibungslos funktionieren. Gibt es Probleme beim Gangwechsel auf rutschigem Untergrund, ist ein Sturz oft programmiert. Also Schmutz von der Gangschaltung entfernen. Hier wirkt ein wenig Öl Wunder.

6. Schutzbleche prüfen oder anmontieren

Gerade im dicken Matsch oder bei Schnee sorgen Schutzbleche nicht nur dafür, dass Ihre Kleidung sauber bleibt: Sie verhindern auch, dass zu viel Schmutz ans Rad kommt. Wer keine Schutzbleche hat, sollte für Herbst und Winter welche anbringen, dann hat man länger Freude am Drahtesel. Bleche zum Nachrüsten gibt es ab 15 Euro. „Bei der Montage sollte man darauf achten, dass genügend Abstand zum Reifen bleibt, sonst blockieren die Räder schnell, wenn sich Schnee und Matsch im zu engen Zwischenraum ansammeln“, sagt Behrendt. Lange Bleche oder Schmutzfänger am Schutzblech sind empfehlenswert.

7. Fürs Fahren im Winter Sattel absenken

Kommen Sie gut mit den Füßen auf den Boden, wenn Sie im Sattel sitzen? Falls nicht, sollten Sie das spätestens für den Herbst und Winter ändern. Denn dann kann es schon mal kippelig werden, und man braucht den schnellen Bodenkontakt. Im Zweifelsfall lieber den Sattel etwas absenken und wenn es gar nicht anders gehen sollte, das Fahrrad wechseln.

8. Bei Reifen den Luftdruck optimieren oder auf Winterreifen umstellen

„Die Reifen sollten über genügend Profil verfügen, auf keinen Fall porös oder rissig sein“, sagt der ADFC-Technikexperte. Durch Minustemperaturen und Nässe können sie weiter beschädigt werden. Da man bei Nässe oder Eisglätte mehr Halt auf der Fahrbahn braucht, kann der Luftdruck der Reifen im Herbst und vor allem im Winter bis auf den Mindestdruck abgesenkt werden. Die erforderlichen Daten stehen auf der Reifenflanke. „Dann liegt der Reifen mit einer größeren Fläche auf der Fahrbahn, das sorgt für mehr Haftung.“

Einige Hersteller bieten spezielle Winterreifen fürs Fahrrad an. „Diese sind bei Schnee und Eis auch empfehlenswert“, sagt Behrendt. Es gibt Modelle, die mit Partikeln aus Siliziumkarbid besetzt sind. Sie verleihen der Lauffläche eine besondere Rauheit. Andere setzen auf kleine Metallstifte in den Reifen. Mit den sogenannten Spikes hat man auch bei Glatteis genügend Halt. Zuverlässiger sind tatsächlich die Spikereifen, die am Fahrrad auch zugelassen sind. Auf trockenem Asphalt sind sie aber laut und haben einen höheren Rollwiderstand, so der Experte.

9. Das Fahrrad regelmäßig reinigen

Für alle, die die Lebensdauer ihres Fahrrads verlängern wollen, gilt im Herbst und Winter: Nach jeder Tour bei Nässe, durch Matsch oder Schnee sollte das Rad gereinigt werden. Schmutz, Split und Streusalz setzen dem Material zu, sorgen für Rost und Kratzer. Wer nicht reinigt, verkürzt die Lebensdauer seines Drahtesels. „Zur Reinigung eignen sich diverse Fahrrad-Shampoos“, sagt Behrendt. Danach mit viel Wasser abspülen und mit einem saugfähigen Lappen trockenreiben. Den Rahmen hinterher mit Pflegeöl einsprühen, dieses kurz einwirken lassen und es anschließend verteilen.

10. Die richtige Kleidung für diese Jahreszeit wählen

Nicht nur das Rad, sondern auch der Radler muss herbst- und winterfit sein. „Die ideale Kleidung in der dunklen Jahreszeit ist hell und schützt vor Wind und Nässe“, so der Experte. Die beste Sichtbarkeit gewährleistet Reflektor-Kleidung. Atmungsaktiv sollten die Klamotten auch sein, schließlich entwickelt der Körper beim Radeln Eigenwärme. Kapuzen sollten sich auf die Kopfgröße einstellen lassen, damit die Sicht beim Umdrehen nicht eingeschränkt wird. Handschuhe sollten warm und wasserabweisend sein, aber dennoch genügend Gefühl zum Schalten und Bremsen lassen.