Frankfurt/Darmstadt/Kassel. Diesmal war alles anders. 170 junge Menschen starteten am 1. September ihre Ausbildung bei Opel in Deutschland, deutlich mehr als noch im Vorjahr. 120 Nachwuchskräfte waren es allein am Stammsitz Rüsselsheim. Doch sie wurden nicht wie sonst alle gleichzeitig von Ausbildungsleiter Carsten Brust, seinem Team und Arbeitnehmervertretern begrüßt, sondern in mehreren Gruppen.

Die Einweisung der neuen Azubis in das neue Aufgabengebiet erfolgte – so wie es auf dem gesamten Opel-Campus vorgeschrieben ist – mit Maske, ausreichendem Sicherheitsabstand und unter Einhaltung der strengen Hygieneregeln. „Auch in diesen Zeiten muss man jungen Menschen Chancen bieten“, betonte Opel-Personalchef Ralph Wangemann.

Ausbildungsbeginn – mit Hygiene-Abstand

Ebenfalls mit Abstand begannen beim Technologiekonzern Schunk junge Leute ihr Berufsleben. Insgesamt sind es 53 Auszubildende und dual Studierende an den Schunk-Standorten in Heuchelheim und Wettenberg sowie bei den Tochterunternehmen Weiss Technik in Reiskirchen-Lindenstruth und dem Optikmaschinenhersteller Optotech in Wettenberg.

Beim Verbindungstechnikspezialisten Kamax war der Ausbildungsbeginn in diesem Jahr besonders geprägt von Veränderungen. Da sich der Markt des bisher reinen Automobilzulieferers wandelt, stellt sich die Unternehmensgruppe strategisch völlig neu auf. Zudem bedeutet die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen rund um Corona eine spezielle Herausforderung. Dennoch starteten 20 Nachwuchskräfte. „Lauter talentierte und motivierte junge Menschen“, freut sich Theresa Neutze, Teamleiterin Aus- und Weiterbildung.

16 Auszubildende und dual Studierende begannen in Südhessen beim Dentaltechnikspezialisten Sirona in Bensheim. Aktuell sind das zwar drei weniger als 2019, aber dennoch ist man guter Dinge, dass im nächsten Jahr sogar 29 junge Menschen hier ins Berufsleben starten.

Diese Beispiele aus Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) spiegeln gut die Ergebnisse der aktuellen Ausbildungsumfrage wider, die der Arbeitgeberverband Hessenmetall bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Trotz Eintrübungen steht fest: Das neue Ausbildungsjahr startet unter schwierigen Bedingungen, aber mit mehr Licht als Schatten.

Hessenweit haben sich 103 Firmen an der Umfrage beteiligt. Dabei ging es vor allem um die zentralen Fragen: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Ausbildung in den M+E Unternehmen aus? Und wie geht es weiter?

Berufsausbildung bei Opel, September 2020.

2019 bildete die Branche allein in Hessen 11.000 junge Menschen aus. Und trotz zahlreicher Herausforderungen wie dem Strukturwandel, der andauernden Rezession und der Corona-Pandemie plant die große Mehrheit der befragten Unternehmen weiter wie bisher: Das heißt, rund 80 Prozent wollen so viele Auszubildende übernehmen und Ausbildungsplätze anbieten wie in den vergangenen drei Jahren.

Ein Drittel der Unternehmen sucht noch Auszubildende für das aktuelle Jahr

„Die M+E-Unternehmen in Hessen stehen auch in schwierigen Zeiten zu ihrer Verantwortung. Das war auch während der Hochphase der Corona-Krise im Frühjahr so“, betonte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall. So war Kurzarbeit für Auszubildende nur bei 1 Prozent der befragten Unternehmen ein Thema. Knapp die Hälfte hat die Ausbildung im Betrieb wie gewohnt fortgeführt, die andere Hälfte setzte auf mobiles Arbeiten und das Wechselmodell – ein Teil im Betrieb, ein Teil zu Hause.

Bei aller Zuversicht zeigen die Ergebnisse aber auch, dass die Krise an jedem vierten Unternehmen nicht spurlos vorübergegangen ist. Das mache sich laut Pollert bei der Übernahme und dem Ausbildungsplatzangebot bemerkbar.

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So habe ein Fünftel der befragten Unternehmen weniger Absolventen und Absolventinnen übernommen als in den vergangenen Jahren. Jede vierte Firma musste die Zahl der Plätze im jetzt gestarteten Ausbildungsjahr reduzieren. „Ein geringeres Ausbildungsplatz-Angebot liegt jedoch nur zum Teil in den Händen der Unternehmen selbst“, so Pollert. Demnach konnten nur zwei Drittel der befragten Unternehmen alle Plätze zum Ausbildungsstart besetzen.

Ein Drittel ist immer noch auf der Suche nach den passenden Nachwuchskräften für dieses Jahr. Eine Chance bietet hier der Nachvermittlungszeitraum im Herbst, denn jedes vierte von fünf Mitgliedsunternehmen möchte die noch offenen Ausbildungsstellen weiterhin besetzen.

Pollert:„Die Metall- und Elektro-Unternehmen geben Jugendlichen also weiterhin eine Perspektive. Daher kann ich nur an alle, die noch auf der Suche nach einer attraktiven Ausbildung sind, appellieren: Schaut auf unsere Stellenbörse me-vermitteln.de.“

Dort sind derzeit noch über 600 freie Ausbildungsplätze bei hessischen M+E-Unternehmen eingestellt. „Sie brauchen qualifizierte Nachwuchskräfte jetzt und in Zukunft, wenn es wieder aufwärtsgeht“, so der Hauptgeschäftsführer.

M+E-Trucks sind wieder hessenweit auf Tour

Wie solche Ausbildungsplätze aussehen und was die Branche zu bieten hat, können interessierte Schüler sich in den M+E-Trucks genauer anschauen, die nach monatelanger Corona-Pause wieder auf Tour sind. Pünktlich zum Beginn des Schuljahres starteten die hessenweiten M+E-Informationswochen zur Berufsorientierung am 19. August an der Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt. Insgesamt werden 18 Schulen besucht.

Dirk Widuch, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von Hessenmetall: „Da auch die Pflichtpraktika für Schüler vorerst noch nicht stattfinden können, ist es umso wichtiger, dass sie in den Trucks Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsbilder auf eine andere Art kennenlernen und erleben können.“ Dank eines nachgerüsteten Videokonferenzsystems können Unternehmen live zugeschaltet werden und so virtuell über ihre Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Denn gute Azubis sind auch in Zukunft gesucht.

Übrigens: Ab sofort kann man sich für das Ausbildungsjahr 2021 bewerben, und für 2020 gibt es noch Restplätze.