Karlsruhe. Im Jahr 2015 war das Biotech-Start-up Curevac aus Tübingen noch recht unbekannt. Doch mithilfe starker Finanziers entwickelte Inhaber Ingmar Hoerr, promovierter Biologe, mit 160 Mitarbeitern neue Krebstherapien und Impfungen auf der Basis des natürlichen Moleküls mRNA. Mitte 2021 will er – in Kooperation mit dem Pharmakonzern Bayer – einen eigenen Impfstoff gegen Corona auf den Markt bringen. Das ist eins von vielen Start-up-Beispielen: Baden-Württemberg hat eine starke Gründerszene.

Wirkstoffe viel schneller und günstiger auf den Markt bringen

Im Land tummeln sich laut interaktiver Karte des Wirtschaftsministeriums 306 Start-ups (startupbw.de). Die Gründer um Stuttgart (173) sind auf Mobilität spezialisiert, um Karlsruhe (41) auf Informatik und Robotik. In Heidelberg (17) geht’s um Biotechnologie, in Tübingen (11) um künstliche Intelligenz. Mannheim (14) setzt auf Kultur- und Kreativwirtschaft.

Gute Rahmenbedingungen verschafft den Jungunternehmern zum Beispiel das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Hochschule berät von der Geschäftsplanung bis hin zur Finanzierung und stellt Räume zur Verfügung. Sie bringt besonders viele Start-ups hervor, wie Gosilico in Karlsruhe: Hier haben die Gründer eine Simulationssoftware für die Biopharma-Branche entwickelt. „Was uns antreibt“, verrät Mathematikerin und Mitgründerin Teresa Baumann, „ist die Mission, Wirkstoffe schneller und günstiger auf den Markt zu bringen.“

Heißt: Ihre neue Technologie erstellt mit nur wenigen Experimenten ein Computermodell, das in Sekunden liefert, was im Labor Tage dauert. Medikamente gegen Autoimmunkrankheiten wie Krebs oder Alzheimer können so deutlich schneller und günstiger im Regal liegen. Hat die Idee Erfolg? Baumann bejaht: „Wir haben eine Revolution gestartet und sind mittendrin, die Branche umzukrempeln. Tatsächlich sind wir heute Marktführer und haben mehr als 20 internationale Kunden, darunter sieben der zehn Top-Biopharmakonzerne.“

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Aus einer Idee ein Produkt machen, das Kunden begeistert

„Unsere Forschungsergebnisse sind nicht für die Schublade bestimmt“, sagt auch Wissenschaftlerin Alexandra Matzke-Ogi. Sie entdeckte bei ihrer Promotion am Institut für Toxikologie und Genetik des KIT einen Wirkstoff zur Behandlung von Tumorerkrankungen – einen „Rohdiamanten“. 2012 gründete sie mit Matthias Klaften die Firma Amcure bei Karlsruhe.

Wie wichtig ist dabei die Hilfe einer Gründerschmiede? „Nur durch die Unterstützung unserer Professoren und des KIT konnten wir aus einer guten Idee auch ein Produkt machen, das jetzt Kunden begeistert“, so die Inhaber des Start-ups Robodev in Karlsruhe. Bei ihnen dreht sich alles um Automatisierungslösungen für die Industrie.

Wermutstropfen: Die Pandemie macht Start-ups das Leben schwer. Die Landesregierung weitet deshalb die Corona-Hilfen aus.