Ohne Smartphone geht es bei den allermeisten Kindern und Jugendlichen nicht mehr. Laut der aktuellen „JIM-Studie“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (MPFS) besitzen 97 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen ein Smartphone, die weitaus meisten nutzen es täglich. In einer weiteren MPFS -Umfrage gab ein Zehntel der Eltern an, ihr Kind sei im Netz schon mal auf gewalthaltige, pornografische oder extremistische Seiten gestoßen.  

Jugendliche vor unangemessenen Inhalten schützen

Doch Eltern haben mittlerweile viele technische Möglichkeiten, den Handykonsum ihres Nachwuchses zu begrenzen und ihn vor problematischen Inhalten zu schützen. Mit Apps wie dem „Family Link“ von Google für die Betriebssysteme Android und iOS können bestimmte Anwendungen geblockt, die Handynutzung zeitlich beschränkt, nicht jugendfreie Internetseiten gefiltert und Aktivitätsprotokolle abgerufen werden. Eltern laden etwa die „Family Link“-App auf ihr Smartphone und verknüpfen ein Google-Konto mit dem ihres Kindes. Ähnliche Anwendungen heißen „Norton Family“ (Android und iOS) von Symantec, „Qustodio“ (Android, iOS) oder „Safe Kids“ (Android, iOS) von Kaspersky. Jugendschutz-Einstellungen und zeitliche Begrenzungen für minderjährige Youtube-Nutzer bietet zudem die App „Youtube Kids“ (Android und iOS). Sie lässt nur Inhalte für bis zu acht Jahre alte Kinder zu.

Internet-Filter oft unzureichend

Einen 100-prozentigen Schutz gebe es aber in vielen Fällen nicht, so Kim Beck, Medienpädagogin und Redaktionsleiterin der Ratgeberseite „Handysektor.de“, die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest getragen wird. Außerdem sei in jedem Fall Vorsicht bei der Abfrage von Nutzerdaten gefragt: „Es empfiehlt sich, in die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu schauen, welche Berechtigungen man den Apps gibt“, so Beck.

Die „AV-Test GmbH“, ein unabhängiges Testinstitut, hat Apps und festinstallierte Kinderschutz-Programme überprüft.  Auch hier lautet das Fazit: „Es gibt kaum ein Programm, das 100-prozentig arbeitet“, so Sprecher Olaf Pursche. Googles „Family Link“ zum Beispiel hat beim Test mit 6310 nicht-kindgerechten Seiten zwar 97,2 Prozent der Seiten mit pornografischem Inhalt ausgesiebt, aber nur 0,5 Prozent Werbung für Tabak und Alkohol. Sieben Angebote boten gar keinen Schutz in den Kategorien „Nacktheit und Aufklärung“, „Unterhaltungsspiele“, „Illegaler Datentausch“, „Alkohol und Tabak“ und „Waffen, Munition und Gewalt“.

Amazons „Kindle Fire Parental Controls“, Bestandteil des festinstallierten Kindle-Betriebssystems, wiederum ließ zwar keinerlei jugendgefährdende Seiten durch, aber auch keinerlei geeignete Seiten. „So etwas frustriert die Kinder natürlich“, sagt Olaf Pursche. Als geeignet identifizierte das Institut die Apps „Safe Kids“ (iOS und Android) von Kaspersky und „Norton Family“ von Symantec (iOS und Android). Aber verlassen sollten sich Eltern auch auf diese technischen Hilfsmittel nicht: Die persönliche Begleitung ihrer Kinder beim Internet-Konsum sei unerlässlich für Eltern, so Pursche.

Verträge zwischen Kindern und Eltern regeln die Nutzung

Auch für Kim Beck sind derartige „Parental Control“-Programme kein Allheilmittel. Kinder und Jugendliche seien in der Umgehung von Sperren sehr erfinderisch. Fast jedes Programm lasse sich austricksen. Statt ihren Nachwuchs mit Apps zu reglementieren, rät sie Eltern, mit ihren Kindern Vereinbarungen zu treffen. Beide Seiten legen dann fest, wie lange das Handy pro Tag oder Woche genutzt werden soll oder welche Verhaltensregeln es im Netz einzuhalten gilt.

Zeit für die Nutzung des Smartphones limitieren

Die Technik könne jedoch durchaus zur Überprüfung dieser Verträge eingesetzt werden. Apple-Nutzer etwa könnten die festinstallierte Funktion „Bildschirmzeit“ verwenden, so Kim Beck: „Da gibt es einen Überblick, was wie lange genutzt wird.“ Berichte informierten über die tägliche oder wöchentliche Zeit im Netz und wie lang bestimmte Apps genutzt wurden. Das Programm erinnert auch ans Aufhören, wenn die zuvor festgelegte Zeit mit einer App erreicht ist. Möglich ist zudem eine Auszeit: „Dann wird der Bildschirm zum Beispiel um 21 Uhr dunkel“, so Kim Beck. Ähnliche Funktionen für Android-Nutzer biete die kostenlose App „QualityTime“.

Regeln sind besser als Verbote

Vereinbarungen und Einsicht seien langfristig sinnvoller als Verbote und Kontrollen, so die Medienpädagogin. „Man muss Kindern in irgendeiner Form beibringen, sich selbst zu regulieren.“ Damit sollten Eltern möglichst früh anfangen. Bleibe es bei der bloßen Sperre von Inhalten, bestehe die Gefahr, dass der Sohn oder die Tochter irgendwann auf fremde Handys auswichen – und dort womöglich auf nicht jugendgerechte Seiten stoßen.