Wer 1952 geboren ist, konnte am meisten von der neuen Frührente profitieren – und in vielen Fällen 30 Monate früher als normal abschlagsfrei in Rente gehen. Für alle später Geborenen schrumpft diese Zeitspanne nach und nach bis auf 24 Monate. Denn die „Rente mit 63“ hat die aus demografischen Gründen notwendige „Rente mit 67“ nicht etwa abgelöst: Auch weiterhin wird die Altersgrenze für die ganz normale Rente schrittweise angehoben. Dieser Prozess hat 2012 begonnen, der Jahrgang 1964 wird der erste sein, für den tatsächlich erst der 67. Geburtstag zum Stichtag wird.

Schon bei Einführung der „Rente mit 67“ galt: Wer 45 Beitragsjahre hat, kann schon mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen. Diese Altersgrenze für „besonders langjährig Versicherte“ ist dann 2014 gesenkt worden – aber was im Volksmund „Rente mit 63“ genannt wird, wirkt sich je nach Jahrgang unterschiedlich aus. Für alle ab 1964 Geborenen mit 45 Beitragsjahren gilt dann wieder der 65. Geburtstag als möglicher Stichtag für eine abschlagsfreie Frührente.

Unsere folgende Grafik zeigt die Altersgrenzen für alle Jahrgänge im Überblick:

Dabei muss es freilich nicht bleiben! Was bei der Rente für jüngere Bundesbürger gelten soll, also alle, die ab 1965 geboren worden sind – dieses Thema steht schon länger auf der politischen Agenda. Die Zeit drängt: Kommen derzeit auf je 100 Menschen im Erwerbsalter erst 31 Senioren, werden es schon 2038 etwa 47 Rentner sein – ein Anstieg um gut die Hälfte! (Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht zum Thema „Demografischer Wandel“.) Weitere Reformen sind also nötig, um das Sozialsystem unserer alternden Gesellschaft vor Überlastung zu schützen.

Und eigentlich hätte die sogenannte Rentenkommission der Regierung zukunftsweisende praktisch Vorschläge für solche Reformen machen sollen. Das ist leider nicht gelungen. Mit dem Abschlussbericht der Kommission, vorgelegt im Corona-März 2020, ist das Thema weiter vertagt worden: Ab 2026 könnte sich ein neuer „Alterssicherungsbeirat“ darum kümmern. Wobei man sich in der Kommission durchaus einig darin war, dass die Anreize und Rahmenbedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit verbessert werden sollten.

Leserfrage: Was gilt für uns?

Marcello H. aus Kirchdorf an der Iller:
In unserem Büro sind alle Kollegen in etwa gleichaltrig. Oft gibt es Diskussionen um die Altersrente. Können wir 1965 Geborenen nach 45 Beitragsjahren ohne Abzüge in Rente gehen? Und falls wir bereits mit 63 Jahren aufhören würden – wie hoch wäre der Abschlag?

aktiv:
Ja, Sie könnten tatsächlich nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in Rente gehen – aber erst wenn Sie außerdem das nötige Mindestalter von 65 Jahren erreicht haben. Das gilt für alle ab 1964 Geborenen, deren Arbeitsleben ja normalerweise erst mit 67 enden wird.
Für einen noch früheren Abschied mit 63 müssen mindestens 35 Versicherungsjahre verbucht sein. Der Abschlag wäre erheblich: Nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung Bund beträgt er für alle ab 1964 Geborenen 14,4 Prozent (0,3 Prozent pro Monat). Zusätzlich fällt die Altersrente natürlich schon dadurch geringer aus, dass man vier Jahre weniger arbeitet.