Wiehl. Der Mann mit der dicken schwarzen Brille und den merkwürdigen Teilen in der Hand macht lustige Bewegungen. Er scheint in einer anderen Welt zu sein. Und das ist er auch – ein Kunde der Firma Unitechnik, der sich im Testlabor des Wiehler Unternehmens (Oberbergisches Land) über die Möglichkeiten virtueller Realität informiert. Er schaut auf Transportkisten, Förderbänder und Regale. Logistiksysteme eben, die Unitechnik liefert.

Der Mann bewegt mit den beiden Handgeräten – den Controllern – die Kisten zwar nur virtuell. Aber die so simulierten Arbeitsschritte sollen helfen, beim Kunden die Arbeitsplätze im Lager zu optimieren. „Die Controller ersetzen die Hände, durch bloßen Zug mit dem Zeigefinger kann man ein Objekt festhalten und es anschließend bewegen“, erklärt Berater Dennis Heuser.

Vom Hochregallager für Autozulieferer bis zum Gepäckband am Flughafen

Die virtuelle Realität zeigt hier ganz handfeste Vorzüge: Lagerarbeiter können neue Arbeitsplätze schon während der Planung testen – und mit Hinweisen Einfluss nehmen.

Unitechnik, vor knapp 50 Jahren mit dem Bau von Schaltschränken gestartet, macht inzwischen zwei Drittel des Umsatzes mit Intralogistik, also der firmeninternen Bewegung von Waren. Das Unternehmen wird heute von den beiden Gründersöhnen Rainer Poppek und Wolfgang Cieplik geführt und bietet komplette Systeme an, vom Hochregallager für Autozulieferer bis zur Beförderungsanlage fürs Fluggepäck.

Vor 50 Jahren fing alles in einer Garage an – heute hat das Unternehmen 175 Mitarbeiter

Elektrotechnik und Software produzieren die Wiehler in aller Regel selbst, alles andere kommt von Partnern. „Wir haben immer schon das Gehirn der Anlage geliefert, hatten aber nur indirekten Kontakt mit dem Endkunden, weil wir Subunternehmer des Anlagenbauers waren. Das hat uns gestört“, berichtet Cieplik. Jetzt bietet er seinen Kunden das ganze System bis zur letzten Schraube und berät herstellerunabhängig, um die optimale Lösung zu erreichen.

Buchstäblich als Garagenfirma zweier Technikbegeisterter entstanden, hat der Hersteller mittlerweile 175 Mitarbeiter. Zwei Drittel haben einen Hochschulabschluss, Fachinformatiker bildet die Firma selbst aus. Sie unterstützt den Informatik-Unterricht an Schulen und öffnet ihre Türen schon für Grundschüler – die begehrten Fachkräfte von morgen.