München. Die Betriebe haben genügend Aufträge – und trotzdem ruht die Produktion: Dies ist seit Monaten auch in Bayern Realität. Denn wichtige Rohstoffe und Vorprodukte fehlen.

Wo und warum es besonders knapp ist und was der Staat sowie die Unternehmen tun müssen, damit Rohstoffe langfristig zu fairen Preisen verfügbar sind, hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in einer Studie untersuchen lassen. Das Ergebnis: Bei mehr als 20 Rohstoffen ist die Versorgungslage besonders kritisch – und zwar bei solchen, die für Bayerns Wirtschaft besonders wichtig sind.

Die Studienautoren, das Kölner Beratungsunternehmen IW Consult, zeigen auf, dass viele der Rohstoffe nur in wenigen Ländern vorkommen oder nur dort in größerem Stil abgebaut werden. Viele dieser Länder sind politisch und wirtschaftlich instabil und nutzen Rohstoffe für eigene Strategien.

Die Nachfrage nach seltenen Rohstoffen wird in den kommenden Jahren steigen

Klar ist, dass die derzeitige Knappheit zum Teil auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist – weil etwa zu Beginn Unternehmen ihre Kapazitäten weltweit heruntergefahren haben, dann aber auf einen Schlag wieder mit Volllast Aufträge abarbeiten wollten. Gleichzeitig hat sich aber auch gezeigt, dass die Produzenten von Rohstoffen auf die steigende Nachfrage nur träge reagieren – und durch die Knappheit die Preise in die Höhe schnellen.

Während sich allerdings die coronabedingten Lieferengpässe irgendwann auflösen werden, gibt es langfristig weitere Risiken bei der Versorgungssicherheit.

Denn gerade für viele Zukunftstechnologien, die auch der Freistaat stark vorantreiben möchte – wie erneuerbare Energien, Dekarbonisierung der Industrie, Wasserstoffproduktion, Elektromobilität – brauchen Hersteller seltene Rohstoffe, die schon jetzt knapp sind. Dazu zählen etwa Kobalt, Lithium oder Grafit. Und die Nachfrage wird deutlich steigen.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw, fordert daher vom Bund mehr Ambition für eine zukunftsfähige, wettbewerbstaugliche und nachhaltige Rohstoffversorgung: „Wir brauchen den Erhalt und die weitere Öffnung von internationalen Märkten sowie gleichwertige Wettbewerbsbedingungen.“

Zudem gelte es, die Unternehmen bei internationalen Rohstoffprojekten zu unterstützen und gleichzeitig zu forschen, wie Rohstoffe effizienter eingesetzt oder durch andere Materialien ersetzt werden können.

Aber auch sinnvolles Recycling und Wiederverwertung von Rohstoffen seien wichtig: „Wir versprechen uns viel Potenzial durch eine ganzheitliche Strategie für die Kreislaufwirtschaft, die wir von der Bundesregierung erwarten“, so Brossardt.