Marbach. Puuuh! Das auf dem Bild oben sieht ja ganz schön anstrengend aus - ist es auch. Doch Jens Unglaub (52) und Michael Fichter (48) sind geübt in solchen Sachen, sie sind Vorturner des „SV Spanntreff“. Die beiden Mitarbeiter des Marbacher Unternehmens Hainbuch leiten ehrenamtlich diesen Betriebssportverein. Ob Gymnastik, Laufen oder Radeln, meistens sind sie dabei. „Man hat selbst auch viel davon“, ist Fichter überzeugt. Unglaub ergänzt: „Wir machen es gern für die Kollegen.“

Gesundheitsförderung im Betrieb

Der Verein bietet den Mitarbeitern des Unternehmens fast täglich eine sportliche Aktivität, darunter auch Fitness-Training, Taekwondo oder Yoga. Alles nach Feierabend, versteht sich. Und die Übungsleiter sind in der Regel Mitarbeiter der Firma. Zu den regelmäßigen Angeboten kommen Ausfahrten der Radgruppe, Wanderungen oder Ski-Wochenenden.

Die beiden ehrenamtlichen Vorstände erinnern sich gerne an so manches besondere Erlebnis, etwa die 24-Stunden-Wanderung im Schwarzwald oder den Extrem-Hindernislauf „Tough Mudder“. „Der ist eine echte Schlammschlacht“, sagt Fichter und lacht, „es kostet schon Überwindung, in ein mit Eis gefülltes Becken zu springen.“ Doch der Stolz nach den überstandenen Strapazen sei Belohnung genug.

Ehrenamtlich für den Betriebssport

Abwechslung, wenn auch weniger extrem, gibt es auch in Fichters Job als Einkäufer. Die Bandbreite reicht „vom Hosenträger bis zum Flugzeugträger“, so der gelernte Industriefachwirt. Kollege Unglaub arbeitet als Industriemeister in der Qualitätssicherung.

Beide sind seit Jahrzehnten bei dem Familienunternehmen in Marbach beschäftigt. Hainbuch wurde 1951 gegründet und ist heute Spezialist für die Produktion von Spannmitteln zum Spannen von Werkstücken beim Fräsen, Drehen und Schleifen auf Werkzeugmaschinen.

Zum Einsatz kommt Hainbuch-Technik zum Beispiel in der Automobil-Produktion, in der Medizintechnik oder in der Luft- und Raumfahrt. Mit seinem Erfinderreichtum ist das Unternehmen schnell gewachsen und beschäftigt heute weltweit 850 Mitarbeiter, 550 davon am Stammsitz nahe Stuttgart.

    Sport fördert Gesundheit und Gemeinsinn

    Als der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Rall den SV Spanntreff 1991 ins Leben rief, waren erst 120 Menschen bei Hainbuch beschäftigt. Und der Chef hatte die Sorge, der familiäre Zusammenhalt könnte wegen des starken Wachstums der Firma verloren gehen. So entstand die für ein mittelständisches Unternehmen ungewöhnliche Idee, einen Betriebssportverein zu gründen.

    Inzwischen zählt der SV Spanntreff über 200 Mitglieder. Der gemeinsame Sport fördert die Gesundheit ebenso wie den Zusammenhalt: „Beim Training lernt man auch die Kollegen aus anderen Abteilungen besser kennen“, erklärt Fichter. Manchmal auch diejenigen aus den Tochterunternehmen. So besuchte die Fahrradgruppe einmal das Hainbuch-Werk in der Slowakei. „Und seither verbringen wir alle zwei Jahre ein gemeinsames Wochenende.“

    Gesündere Mitarbeiter

    Betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich aus. Das zeigt nach Angaben der Krankenkasse AOK die Auswertung von 2.400 einzelnen Studien. Demnach sinken in den entsprechenden Betrieben die krankheitsbedingten Fehlzeiten um durchschnittlich ein Viertel.

    Jeder investierte Euro spart im Schnitt 2,70 Euro Kosten – durch die reduzierten Krankheitstage.

    Betriebssport in Zahlen

    • 270.000 Menschen sind Mitglied in den Betriebssportvereinen
    • 4.600 solche Vereine gibt es in Deutschland.
    • 90 verschiedene Sportarten werden angeboten