Betriebe machen zu wenig Profit

Zu niedrige Unternehmensgewinne: Neue Zahlen zur Krise der Metall- und Elektro-Industrie

Die Unternehmen der deutschen Metall- und Elektro-Industrie machen im Schnitt immer weniger Gewinn. Für viele Betriebe bleibt nichts oder zu wenig übrig – und 2026 droht die Lage sogar noch schwieriger zu werden.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Metall- und Elektro-Industrie steckt in einer tiefen Standortkrise. Die durchschnittliche Nettoumsatzrendite der Unternehmen dürfte auf nur noch 1,5 Prozent sinken.
  • Von einem Auftrag über 100.000 Euro bleiben den Unternehmen also im Schnitt nur 1.500 Euro Gewinn nach Steuern. Damit fehlt vielen Betrieben ein finanzieller Puffer – und der nötige Spielraum für Investitionen und Innovationen.
  • Der Durchschnittswert verdeckt große Unterschiede: Laut Gesamtmetall dürfte 2025 jedes vierte M+E-Unternehmen Verlust gemacht haben. Und für 2026 zeichnet sich keine Besserung ab.

Unsere Industrie steht im globalen Wettbewerb mächtig unter Druck. Das gilt gerade auch für ihre wichtigste Branche: Die Metall- und Elektro-Industrie, in der 3,8 Millionen Menschen arbeiten, steckt in einer tiefen Standortkrise

Die schwierige Lage vieler Firmen sollte sich also auch bei deren Gewinnen zeigen, oder? Spoiler: Genau das passiert gerade.

Wegen der hohen Kosten am Standort Deutschland hat jedes vierte M+E-Unternehmen 2025 Verlust gemacht

Lars Kroemer, Chefvolkswirt beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin analysiert regelmäßig, was den Betrieben eigentlich am Ende in der Kasse bleibt. Dabei ist die Nettoumsatzrendite besonders wichtig. Sie zeigt an, wie viele Euro vom Umsatz nach Abzug aller Kosten und Steuern als Gewinn übrig bleiben.

Fakten & Hintergründe

Nettoumsatzrendite 2025: im Schnitt nur noch 1,5 Prozent – das ist kritisch wenig

2023 lag diese wichtige Kennzahl im Schnitt der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) noch bei 4,0 Prozent. Für 2024 rechnet man bei Gesamtmetall laut dem aktuellen „M+E-Gewinnreport“ vom Juni mit 2,3 Prozent – und für 2025 mit nur noch 1,5 Prozent.

Das heißt: Von einem 100.000-Euro-Auftrag bleiben den Betrieben am Ende im Schnitt nur 1.500 Euro übrig. Das ist kritisch wenig – schon, weil da kaum Puffer bleibt für plötzliche Probleme wie steigende Zinsen oder aktuell die höheren Energiepreise.

Wobei viele Firmen weit unter dem Durchschnittswert liegen, wie Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer betont: „Wegen der hohen Kosten am Standort Deutschland hat jedes vierte M+E-Unternehmen 2025 Verlust gemacht.“ 

Ein weiteres Fünftel der Firmen schreibe nur eine schwarze Null, sagt er (gemeint ist eine Nettoumsatzrendite zwischen 0 und 2 Prozent). Auch das sei nicht auskömmlich, weil kein Geld für Investitionen und Innovationen übrig bleibe – und das schade am Ende den Arbeitsplätzen.

Warum Gewinne für Unternehmen so entscheidend wichtig sind, das erklären wir auch in diesem aktiv-Video der Reihe „Ganz kurz, Kollege“.

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2026 wird es wohl nicht besser: „Die Auslastung der Betriebe ist desolat“ – das hat Folgen für die Unternehmensgewinne

Besserung ist nicht in Sicht. Denn: „Wettbewerber in anderen Staaten können deutlich günstiger produzieren“, sagt Kroemer, „die Auslastung der Betriebe ist desolat." Zuletzt lag die Auslastung bei 79 Prozent der Kapazität – und damit deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent. Logische Folge, so Kroemer: „Mehr als jedes dritte Unternehmen bewertet auch seine Ertragslage im Jahr 2026 als negativ.“

Dazu tragen diverse geopolitische Krisen bei, die seit Jahren die Lieferketten immer wieder durcheinanderbringen. Mit teuren Folgen: „Das weltweite Umfeld zwingt die M+E-Unternehmen zu höheren Lagerkosten. Das belastet Liquidität und damit Investitionen zusätzlich.“ Die Politik müsse die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands daher schnell verbessern, fordert der Chefvolkswirt: „Vor allem die viel zu hohen Kosten für Energie, Sozialbeiträge und Bürokratie müssen runter.“

Über diese hausgemachten Hemmnisse für die deutsche Wirtschaft hat aktiv in den letzten Jahren ja schon öfter berichtet. Hier lesen Sie, was dem Standort Deutschland helfen und das Wirtschaftswachstum endlich wieder stärken würde.

Thomas Hofinger

Chef vom Dienst aktiv

Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. 2006 heuerte Hofinger bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung aktiv an. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.

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