Rasant schießt Papier aus der Rollenoffset-Anlage – so schnell, dass Form und Farbe, Schrift und Fotos vor den Augen verschwimmen. „Hier ist enorme Präzision gefragt“, sagt Michael Wagemakers, Drucker und Maschinenführer in der Druckproduktion. „Fehler können wir uns einfach nicht leisten.“

Klar – bei diesem Tempo hätte jede Ungenauigkeit teure Folgen. Beim aktiv-Besuch in der Druckerei der L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG Druck Medien in Geldern am Niederrhein zeigt Wagemakers dann, wie die nötige Präzision gelingt: Seine Kollegen am Leitstand justieren Farbzonen und steuern zum Beispiel das Druckbild.

Gerade wird der Auftrag für ein großes Magazin produziert, Auflage: 1,5 Millionen Stück. Magazine, Kataloge, Zeitschriften, Prospekte – der Mittelständler stellt rund 100 Millionen Druckerzeugnisse pro Jahr her, was mehr als 40 Millionen Euro Umsatz bringt. Darunter sind Mitgliedermagazine von Krankenkassen und Gewerkschaften oder auch das Fan-Magazin von Borussia Mönchengladbach, hinzu kommen Fachzeitschriften für verschiedene Berufsgruppen wie etwa das „Deutsche Ärzteblatt“. Insgesamt werden in Geldern mehr als 200 wiederkehrende Publikationen verarbeitet.

Beim Druck hört es noch lange nicht auf

Die produzierten Zeitschriften und Magazine decken also eine Vielzahl an Themenbereichen ab und finden sich in unterschiedlichsten Branchen wieder. Insgesamt sind in der Druckerei (an drei Rollen- und einer Bogenoffsetdruckmaschine), der Weiterverarbeitung und im Versand 200 Mitarbeitende beschäftigt. „Das zeichnet uns aus: die sehr lange Wertschöpfungskette, von der Vorstufe, dem Druck, der Weiterverarbeitung, also dem Schneiden, Klebebinden und dem Sammelheften, bis zur Adressierung im Versand“, sagt Prokuristin Annika Hartmann.

„Wir übernehmen auch Weiterverarbeitung und Versand“

Annika Hartmann, Prokuristin

Die Druckbögen, für die Maschinenführerin Barbara Janssen gerade eine der Druckfarben nachfüllt, werden später zugeschnitten und zur Klebebindung weitergegeben. Die gebürtige Polin hat einen beachtlichen Schritt gewagt: Nach fast 30 Jahren als Produktionshelferin im Unternehmen hat sie sich – mit damals 47 Jahren – die Ausbildung zur Medientechnologin Druck zugetraut. Heute ist sie für die Bogenoffset-Anlage verantwortlich, die pro Stunde bis zu 14.000 Bögen bedrucken kann.

Eine ähnlich verantwortungsvolle Arbeit hat Nadine Lang-von Siedmogrodzki: Sie ist Teamleiterin und Ausbilderin in der Klebebindung, einem dem Druck nachgelagerten Schritt. Gerade erklärt sie Meron Kidane, der zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet wird, wie das Programm sogenannte Einhefter verarbeitet. Das sind zusätzliche Seiten, die in die Klebebindung eines Magazins integriert werden.

Adressdateien werden laufend aktualisiert

Solche Einhefter, Beikleber oder Beilagen – sie werden auch Beiprodukte genannt – ermöglichen eine Differenzierung der Leserschaft. Ein Fachblatt für Ärzte kann etwa diverse Teilauflagen haben, in denen jeweils unterschiedliche Beiprodukte für die verschiedenen Fachrichtungen beigefügt werden können.

„Das macht das Ganze individueller“, sagt Lang-von Siedmogrodzki, „aber auch arbeitsaufwendiger.“ Denn fürs Handling dieser Beiprodukte, ob nun eingelegt oder eingeklebt, bedarf es einer ausgeklügelten Vorbereitung, Organisation und auch Adressaufbereitung. Um Letztere kümmert sich hier ein dreiköpfiges Team. Denn die vom Kunden gelieferten Adressdateien müssen für jede neue Ausgabe neu aufbereitet werden. „Solche Dateien enthalten oft mehr als 100 verschiedene Informationen“, erklärt Mathias Himstedt aus der Adressaufbereitung. „Es geht nicht nur um die Adresse und die jeweils passenden Einleger, sondern auch um regional unterschiedliche Zustellungsgebiete und weitere Informationen für den Versanddienstleister.“

Quereinsteiger sind im Team willkommen

Was Hartmann besonders wichtig ist: „Wir sehen uns als Team – egal, wo wir jeweils arbeiten.“ Nur so lasse sich die nötige Präzision bei hohem Tempo erreichen.

Und dieses Team versucht die Prokuristin eben beständig zu erweitern. Sie wünscht sich Menschen wie Medientechnologin Janssen, die den Mut haben, sich weiterzuentwickeln, selbst wenn sie schon älter sind. Auch Quereinsteiger haben also Chancen. Hartmann: „Wir freuen uns über Menschen, die ihre Zukunft gemeinsam mit uns gestalten wollen.“

Anja van Marwick-Ebner
aktiv-Redakteurin

Anja van Marwick-Ebner ist die aktiv-Expertin für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie berichtet vor allem aus deren Betrieben sowie über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Nach der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin studierte sie VWL und volontierte unter anderem bei der „Deutschen Handwerks Zeitung“. Den Weg von ihrem Wohnort Leverkusen zur aktiv-Redaktion in Köln reitet sie am liebsten auf ihrem Steckenpferd: einem E-Bike.

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