Köln. Immer mehr Zeitarbeit, kritisiert etwa die Gewerkschaft IG Metall: Die Zahl der Betroffenen habe „den höchsten Stand der Geschichte erreicht“ – 1,03 Millionen Menschen. Das ist der fürs Jahr 2017 errechnete Jahresschnitt. Und tatsächlich könnte die Zahl inzwischen noch etwas höher liegen. Ein Problem wäre das aber nicht! Im Gegenteil. Denn Zeitarbeit, amtlich „Arbeitnehmerüberlassung“, ist auch eine wichtige Stütze der Integration von Flüchtlingen.

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Zwei von drei Zeitarbeitern waren zuvor ohne Job

Zur Zeitarbeit sollte man generell dreierlei wissen. Erstens: Dass die absolute Zahl der Zeitarbeitnehmer gestiegen ist, ist kein Wunder – schließlich legt die Beschäftigung insgesamt seit Jahren zu. Der Anteil der Zeitarbeit hat sich über die letzten Jahre nicht groß verändert, nach wie vor ist knapp 1 von insgesamt 33 Beschäftigten bei einem Zeitarbeitsunternehmen unter Vertrag. Zweitens: Zwei Drittel derer, die bei einer Zeitarbeitsfirma anfangen, hatten vorher – überhaupt keinen Job!

„Wir wissen, dass die Zeitarbeit als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt dient“, sagt Wido Geis-Thöne vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. „Und das gilt insbesondere für Ausländer. Die Zeitarbeit leistet derzeit offensichtlich einen ganz wichtigen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge.“ Das belegen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit: Demnach haben von Oktober 2017 bis Spetember 2018 rund 86.000 Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden – fast 31.000 von ihnen, also mehr als jeder Dritte, in der Zeitarbeit. Oft kann man da ja ohne große Fach- oder Sprachkenntnisse loslegen.

Jeder zweite Zeitarbeitnehmer ist als Helfer beschäftigt

Tatsächlich verrichtet jeder zweite Zeitarbeiter – ob er nun deutsch oder ausländisch ist – Tätigkeiten auf Helferniveau. „Aber auch in solchen Jobs werden beruflich relevante Kompetenzen erworben“, so Geis-Thöne, „die langfristig die Arbeitsmarktchancen erhöhen.“

Und drittens: Zeitarbeitsunternehmen bieten sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, meistens übrigens in Vollzeit, mit Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Den Betrieben wiederum bringt die Arbeitnehmerüberlassung ein wichtiges Stück Flexibilität: Mit Zeitarbeitern können einerseits Auftragsspitzen besser bewältigt werden – andererseits lassen sich Geschäftseinbrüche oft ohne Kündigungen beim Stammpersonal verkraften.