Inhaltsverzeichnis
- Wirtschaftswachstum: Darum geht’s
- So hängen Wirtschaftswachstum und BIP zusammen
- Reales und nominales Wirtschaftswachstum: Was ist der Unterschied?
- Wirtschaftswachstum: Der aktuelle Stand in Deutschland
- Die Wachstumsprognose für 2026 – was Ökonomen erwarten
- Deutschlands Platz in der Weltwirtschaft
- Arbeitsplätze und Innovationen: Darum ist Wachstum wichtig
- Was muss passieren, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst?
- Welche Rolle spielt der Export?
- Das können die Tarifpartner für den Standort tun
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Kennzahl für Wirtschaftswachstum. Technischer Fortschritt, Jobs und Wachstum hängen zusammen.
- Deutschlands BIP liegt 2025 preisbereinigt nur auf dem Niveau von 2019. Die Prognose für 2026 liegt bei einem Plus von 1,1 Prozent.
- Bürokratie, hohe Energiepreise und Fachkräftemangel erfordern politische Reformen, sonst drohen langfristig geringe Wachstumsraten.
Wirtschaftswachstum: Darum geht’s
Was sind Wirtschaftswachstum und BIP, einfach erklärt?
Verkaufserlöse und Gewinne von Unternehmen können wachsen. Das gilt auch für das Einkommen von Haushalten. Mit Wirtschaftswachstum meinen wir hier: das Wachstum der Gesamtwirtschaft in Deutschland.
Für dieses Wachstum misst man die in Deutschland erzeugten Werte. Damit sind Produkte und Dienstleistungen gemeint. Was Deutsche oder deutsche Unternehmen im Ausland herstellen, gehört nicht dazu. Daher spricht man vom Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Das „Brutto“ beim BIP heißt, dass Steuern wie die Mehrwertsteuer und auch Subventionen mit drin sind. Abschreibungen werden nicht berücksichtigt.

So hängen Wirtschaftswachstum und BIP zusammen
Steigt das BIP inflationsbereinigt im Vergleich zum Vorjahr, spricht man von Wachstum. Bleibt das BIP gleich oder steigt nur sehr wenig, nennt man dies Stagnation.
Sinkt das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, ist dies eine technische Rezession. Technisch, weil sie nur auf diesen beiden Zahlen beruht: eben der BIP-Schrumpfung in zwei Quartalen. Dies kann ein nur kurzfristiger Rückgang sein. Zu einer echten Rezession gehört mehr: längere Schrumpfung, mehr Arbeitslose, weniger Investitionen und schwächerer Konsum.
Im Statistischen Bundesamt arbeiten mehr als 100 Profis daran, das BIP regelmäßig zu errechnen. Ob es steigt, gleich bleibt oder sinkt, ist eine wichtige Größe. Auch die statistischen Landesämter liefern regelmäßig BIP-Daten zum jeweiligen Bundesland.
Entscheider und Entscheiderinnen in Politik und Wirtschaft warten auf die BIP-Veröffentlichungen. Sie leiten daraus Forderungen und Maßnahmen ab.
Die BIP-Veränderungen bewegen auch Beschäftigte: Sie überlegen ja ebenfalls, wann und wie sie sich beruflich verändern. Oder ob sie größere Anschaffungen tätigen wollen.
Reales und nominales Wirtschaftswachstum: Was ist der Unterschied?
Nominales BIP und Wirtschaftswachstum beruhen auf den jeweils aktuellen Marktpreisen. Dies ist jedoch nicht aussagefähig. Denn unter anderem die Inflation verzerrt das Bild.
Darum errechnen die statistischen Ämter das reale BIP und Wirtschaftswachstum. Sie sind frei von Preiseinflüssen.
Liegen in einem Jahr viele Arbeitstage auf einem Feiertag, wird weniger erwirtschaftet. Auch diese Verzerrung kann man herausrechnen. Man spricht dann von Kalenderbereinigung.
Darum ist Wirtschaftswachstum ein politisches Ziel
„Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum“ steht als Ziel im Stabilitätsgesetz. Dies gibt es bereits seit 1967. Darin heißt es wörtlich:
„Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur
- Stabilität des Preisniveaus,
- zu einem hohen Beschäftigungsstand und
- außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei
- stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.“
Diese vier Ziele heißen „magisches Viereck“. Sie stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander.
Was das Wirtschaftswachstum betrifft: In allen Jahrzehnten seit 1950 ist die deutsche Wirtschaft gewachsen. Allerdings wurden die Wachstumsraten von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer kleiner. Dafür war jeweils das Ausgangsniveau höher (siehe Kasten: Wirtschaftswunder).
Zu auffälliger Schrumpfung führten die Weltfinanzkrise von 2008 und die Corona-Pandemie 2020. Danach ging es wieder etwas stärker bergauf.
Was sind quantitatives und qualitatives Wachstum?
Das BIP und das BIP-Wachstum besagen nichts darüber, mit welchen Produkten und Dienstleistungen das Wachstum gelang. Es ist eine rein quantitative Angabe.
Das Erwirtschaften dieser Werte kann im Widerspruch zu anderen Zielen stehen. Dazu gehören:
- Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Dieser ist in Artikel 20a des Grundgesetzes festgelegt.
- Sozialstaatliche Prinzipien wie soziale Gerechtigkeit.
Für Aspekte wie Lebensqualität und gerechte Einkommensverteilung gibt es andere Kennzahlen, nicht das BIP. Solche qualitativen Angaben sind nicht Bestandteil der regelmäßigen BIP-Veröffentlichungen.
Wirtschaftswachstum: Der aktuelle Stand in Deutschland
Deutschlands Wirtschaft wächst nicht mehr. Das ist die triste Bilanz der letzten sechs Jahre: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2025 preisbereinigt nur auf dem Niveau des Jahres 2019.
„Preisbereinigt“ heißt, dass die Inflation herausgerechnet wird. So kommt man auf das reale Wirtschaftswachstum. Denn es kommt auf den tatsächlichen Wohlstandszuwachs an.
Klar: Wegen Corona hatte es 2020 ein herben BIP-Einbruch gegeben: minus 4,1 Prozent. Dieser wurde 2021 immerhin fast ausgeglichen: plus 3,9 Prozent. 2022 gab es ein halbwegs solides Wachstum: plus 1,8 Prozent.
Doch dann folgten zwei Jahre mit schrumpfendem BIP: 2023 und 2024 ging die deutsche Wirtschaftsleitung um 0,9 Prozent beziehungsweise um 0,5 Prozent zurück.
Auch das Jahr 2025 hat praktisch kein Wachstum gebracht
Die endgültige Bilanz für 2025 steht noch aus. Im Statistischen Bundesamt wird man sie im Lauf der nächsten Monate immer präziser ermitteln. Für 2025 beträgt das preisbereinigte BIP-Wachstum nach ersten Berechnungen 0,2 Prozent. Dieser Wert war im Schnitt der ökonomischen Prognosen schon eine Weile erwartet worden.
Das bedeutet einen traurigen Rekord: die längste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik. Besonders heftig spüren das die Beschäftigten der Industrie. Monat für Monat gehen dort etwa 10.000 gut bezahlte Jobs verloren.
Längst zeigt sich die Krise am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Wobei es zugleich trotzdem Fachkräftemangel gibt. Hier erklären wir diese paradoxe Lage am Arbeitsmarkt.

Die Wachstumsprognose für 2026 – was Ökonomen erwarten
Wird es im Jahr 2026 endlich aufwärtsgehen? Jein. Die Prognosen von über 30 Banken, Forschungsinstituten und Organisationen deuten derzeit im Schnitt auf ein mögliches BIP-Plus von 1,1 Prozent hin.
Das hört sich erst mal positiv an. Aber: Etwa ein Drittel dieses Wachstums wird vom sogenannten Kalendereffekt verursacht. 2026 fallen mehr Feiertage auf Wochenenden als 2025. Daher gibt es jetzt mehr Arbeitstage und damit auch mehr Output.
Wichtiger noch: Ein guter Teil des erwarteten Mini-Aufschwungs wird vom Staat auf Pump gekauft. Die mit zusätzlichen Mega-Schulden finanzierten Staatsausgaben etwa für Infrastruktur und Verteidigung werden natürlich für Aufträge sorgen. Stabiles, selbsttragendes Wirtschaftswachstum sieht anders aus.
„Deutschland stehen noch einige schwierige Jahre mit großen Herausforderungen bevor“
Professor Michael Grömling, IW
Professor Michael Grömling, Konjunkturexperte im Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sagt es so: „Nach drei Jahren Rezession und Stagnation gibt es 2026 immerhin ein nennenswertes Plus.“ Eine wirkliche Aufschwungsqualität sei dabei allerdings nicht erkennbar. Unsere Gesellschaft stehe vor einem fundamentalen Wandel. Die Gründe:
- geopolitische Unsicherheiten,
- technologischer Fortschritt und
- die Alterung unserer Gesellschaft.
Deutschlands Platz in der Weltwirtschaft
Das BIP anderer Industriestaaten wächst stärker als das BIP Deutschlands. Die erwartete Wachstumsrate für die Industriestaaten insgesamt liegt 2026 bei 1,8 Prozent. Für Deutschland beträgt sie 1,1 Prozent. So lautet auch die Prognose des „World Economic Outlook Update“.
Für die Welt insgesamt rechnen die Autoren vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent. Diese Zahl gilt sowohl für das vergangene Jahr als auch für 2026. Besondere Risiken lägen unter anderem in geopolitischen Spannungen, heißt es. Zum Vergleich: Vor Corona war man ein globales Durchschnittsplus von 3,7 Prozent gewohnt.
Diese Staaten wachsen besonders stark
Besonders wachstumsstark sind laut World Economic Outlook aktuell:
- Indien (Prognose für 2026: plus 6,4 Prozent)
- China (plus 4,5 Prozent)
- Saudi-Arabien (plus 4,5 Prozent) und
- die USA (plus 2,4 Prozent).
Dabei geht es stets um reales (um Inflationseffekte bereinigtes) Wachstum.
Wirtschaftswachstum in der EU: Wo steht Deutschland im europäischen Ranking?
In der EU gehört Deutschland beim Wachstum zu den Schlusslichtern. So geht die Herbstprognose 2025 der Europäischen Kommission von diesem BIP-Wachstum aus:
- 2025 und 2026 in der EU: real je 1,4 Prozent,
- 2025 und 2026 in Deutschland: Stagnation beziehungsweise plus etwa 1 Prozent.
Zwar zeigen die höheren staatlichen Ausgaben in Deutschland positive Effekte. Doch die internationalen Handelsspannungen heben diese teilweise wieder auf.
Diese Spannungen werden sich voraussichtlich auf die Ausfuhren auswirken, die für Deutschlands Wirtschaft von besonderer Bedeutung sind. Die Wachstumsaussichten der einzelnen EU-Staaten zeigt eine Übersicht der EU-Kommission.
Was heißt die US-Zollpolitik für das deutsche Wachstum?
Deutschland ist eine Exportnation. Mehr als 40 Prozent der deutschen Wertschöpfung gehen ins Ausland.
Darum treffen Zollkonflikte die deutsche Wirtschaft besonders. Die aktuellen Folgen der US-Zollpolitik sind:
Zwischen Februar und Oktober 2025 gingen die deutschen US-Exporte gegenüber dem Vorjahr um rund neun Prozent zurück. Besonders betroffen: Die Ausfuhren von Kfz und Kfz-Teilen brachen um fast 19 Prozent ein. Im Maschinenbau sanken sie um rund zehn Prozent. Bei chemischen Erzeugnissen betrug das Minus mehr als zehn Prozent.
Die US-Zollkonflikte haben auch indirekte Folgen. Sie stören die weit verzweigten Lieferketten. Und sie verschlechtern das Klima für Investitionen.
Ein Expertenteam des Instituts der deutschen Wirtschaft hat 2025 geschätzt: Das deutsche BIP wird durch die US-Zölle im Schnitt der Jahre 2025 bis 2028 um 0,4 Prozent geringer ausfallen. Dies gilt für die Zollvereinbarungen, die die USA und die EU im vergangenen Sommer in Schottland trafen. Eskaliert der Zollstreit jedoch weiter, steigen auch die Einbußen: Das deutsche BIP könnte dann deutlich stärker leiden.
Arbeitsplätze und Innovationen: Darum ist Wachstum wichtig
Wachstum, technischer Fortschritt und Wohlstandssicherung hängen zusammen. Ein Blick auf aktuelle Markttrends hilft, Wachstumsfaktoren zu erkennen.
Welchen Branchen geht es nicht gut, welche wachsen?
Einigen Branchen ging es zuletzt relativ gut. Dies gilt unter anderen für:
- die Rüstungs-Industrie sowie für
- die Bereiche Digitalisierung und Telekommunikation.
Dies gilt zum Beispiel nicht für:
- die energieintensiven Branchen Stahlerzeugung und Chemie oder
- Schmieden und Gießereien.
Erfahren Sie in diesem Video, welche Industrien schwächeln und was jetzt passieren muss:
Die Automobil-Industrie kann von Fortschritten etwa im Bereich der Digitalisierung und Telekommunikation profitieren. Man denke dabei an die Schlüsseltechnologie autonomes Fahren.
Mehr zur Entwicklung der einzelnen Industriebranchen in Deutschland zeigt die aktuelle Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach schauen die Unternehmen tendenziell vorsichtig optimistisch auf 2026. Ein umfassendes Ende der Wirtschaftskrise ist weiter nicht in Sicht. Man befinde sich zwischen Rezession, Stagnation und Aufschwung.
Die verbesserte Stimmung ist deutlich branchenabhängig. So bleibt die Lage in der Automobil- sowie in der Chemie-Industrie 2026 angespannt. Auch die Papier-Industrie und die Textil-Industrie rechnen mit Produktionsrückgängen.
Insgesamt sind die Geschäftsaussichten gegenüber 2025 freundlicher:
- 19 von 46 Verbänden erwarten im neuen Jahr eine höhere Produktion als 2025.
- Nur neun rechnen mit einem Rückgang.
Die Probleme bei Investitionen und am Arbeitsmarkt setzen sich allerdings fort:
- 22 von 46 Wirtschaftsverbänden rechnen 2026 mit einem Stellenabbau.
- Nur neun Verbände erwarten mehr Mitarbeiter in ihrer Branche.
- 15 gehen von einer stabilen Beschäftigung aus.
Klar wird: Die Bundesregierung muss ihren Reformkurs fortsetzen, um den Aufwärtstrend nicht zu gefährden.
Diese Branchen haben das größte Wachstumspotenzial
Welche Branchen werden längerfristig zu den Wachstums-Treibern gehören? Damit hat sich eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey (englisch) beschäftigt. Sie hebt unter anderem diese Industrien und Technologien hervor:
- Halbleiter,
- E-Autos,
- modulares Bauen,
- Batterien,
- Biotechnologie,
- KI,
- E-Commerce und
- digitale Werbung.
Ihre Merkmale:
- überdurchschnittliches Wachstum sowie
- dynamischer Kampf um Marktanteile.
Treiber dieser Entwicklungen sind laut McKinsey:
- zunehmende globale Smartphone-Durchdringung,
- mehr Cloud-Computing durch Unternehmen sowie
- die steigende Anzahl von Mikrochips in verschiedenen Geräten.
Tech-Sprünge, etwa in der Batterietechnik, oder komplett neue Geschäftsmodelle sind Voraussetzung für die Dynamik. Zudem ermöglichen hohe Forschungs- und Entwicklungsausgaben schnelle Wettbewerbsvorteile. Hilfreich ist es natürlich, wenn große Absatzmärkte zur Verfügung stehen.
Was muss passieren, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst?
Wann nimmt Deutschland wieder Fahrt auf? Und welches Wachstum ist in Zukunft überhaupt noch drin? Fest steht: Deutschland leidet nicht nur unter einer Konjunkturschwäche. Es hat vor allem Strukturprobleme, etwa
- überbordende Bürokratie,
- zu hohe Energiepreise,
- den Arbeitskräftemangel.
Wichtig ist, die Wachstumskräfte unserer Wirtschaft zu stärken. Der Standort muss attraktiver werden, damit Unternehmen mehr investieren. Die Industrie wünscht sich Entlastungen. Dabei ist die Aufgabenliste lang geworden. Um nur einige Stichworte zu nennen:
- Bürokratie-Abbau,
- Modernisierung der Verkehrswege und der digitalen Infrastruktur,
- Reformen bei den Sozialversicherungen, zum Beispiel bei der Rente
- geringere Energiekosten,
- Fachkräftesicherung, etwa durch bessere Bildung.
Hohe Wachstumsraten sind jetzt und in naher Zukunft nicht realistisch.
„Auf längere Sicht werden wir uns an eher geringe Wachstumsraten gewöhnen müssen“
Professor Timo Wollmershäuser, Leiter Konjunkturprognosen des Ifo-Instituts
„Das gilt schon deshalb, weil die Bevölkerung schrumpft und damit die Zahl der Beschäftigten“, sagt Professor Timo Wollmershäuser, Leiter Konjunkturprognosen des Ifo-Instituts, im Gespräch mit aktiv. Umso wichtiger sei es, dass sich Deutschland endlich aus der Krise herausarbeite.
Das Wirtschaftswunder
Von 1950 bis 1960 lag Deutschlands Wirtschaftswachstum im Durchschnitt bei 8,2 Prozent pro Jahr. (Gemeint ist die Bundesrepublik Deutschland, nicht die DDR.) Zum Vergleich: 2025 betrug das deutsche Wachstum nach ersten Berechnungen 0,2 Prozent.
Ein neues Wirtschaftswunder zu verlangen, ist nicht realistisch. Denn die junge Bundesrepublik und die DDR hatten mit verheerenden Kriegsfolgen zu kämpfen. Das hohe Wachstum entstand auf einem katastrophalen Ausgangsniveau. Für das westdeutsche Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg waren außerdem wichtig:
- die Währungsreform von 1948,
- die Politik der sozialen Marktwirtschaft,
- das europäische Wiederaufbauprogramm der USA (Marshallplan),
- hohe globale Nachfrage,
- viele Arbeitskräfte, zuerst durch deutsche Flüchtlinge und Vertriebene, dann durch Zuwanderung.
Heute liegen Wachstumschancen für Deutschland unter anderem in:
- neuen Handelsabkommen, zum Beispiel mit der lateinamerikanischen Mercosur-Region,
- technischem Fortschritt, vor allem bei Digitalisierung und künstlicher Intelligenz,
- Wohnungsbau und der
- Sanierung der Verkehrsinfrastruktur.
Welche Rolle spielt der Export?
Experten wie ZEW-Präsident Professor Achim Wambach sehen in puncto Export die EU gefordert: „Die Lösung besteht darin, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und sich strategisch neuen Partnern zu öffnen. Zwischen den Machtblöcken USA und China braucht Europa ein stärkeres Auftreten – wirtschaftlich wie politisch“, fordert Wambach gegenüber aktiv.
Auf keinen Fall könne „Abschottung“ die Antwort sein. Besonders naheliegend: weiter auf Handelsabkommen zu setzen. Dabei sind der Vertrag mit Mercosur in Lateinamerika sowie CEPA mit Indonesien vielversprechend.
„Es geht nicht um die Rückkehr zur alten Welt, sondern darum, neue Optionen unter veränderten Bedingungen realisieren zu können“
Professor Michael Hüther, IW-Direktor
Zugleich müsse der EU-Binnenmarkt gestärkt werden, mahnt Wambach. Schon heute geht mehr als die Hälfte der deutschen Waren an Kunden in anderen EU-Staaten. Hauptzielmärkte sind:
- Frankreich,
- die Niederlande und
- Polen.
Das können die Tarifpartner für den Standort tun
Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen durch eine maßvolle Tarifpolitik zur Stärkung des Standorts beitragen. Das betont auch der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg, Patrick Krauth, im aktiv-Interview. Mit Blick auf die Chemie-Tarifrunde 2026 sagt er: „Ob Unternehmer oder Beschäftigte: Wir sitzen alle in einem Boot und haben es gemeinsam in der Hand, auf Kurs zu bleiben.”
„Ohne echte neue Wachstumsimpulse droht eine Phase zunehmender Verteilungskonflikte“, warnt Professor Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), gegenüber aktiv. „Denn in unserer alternden Gesellschaft müssen mehr Menschen versorgt werden, die nicht mehr zur Produktion beitragen. Das stresst die Staatshaushalte.“
Da erscheint es besser, wenn alle ihren Teil dazu beitragen, die Wachstumskräfte heute zu stärken. Damit Deutschlands enormer Wohlstand auch für künftige Generationen erhalten werden kann.


Nach seiner Redakteursausbildung absolvierte Stephan Hochrebe das BWL-Studium an der Universität zu Köln. Zu aktiv kam er nach Stationen bei der Funke-Mediengruppe im Ruhrgebiet und Rundfunkstationen im Rheinland. Seine Themenschwerpunkte sind Industrie und Standort – und gern auch alles andere, was unser Land am Laufen hält. Davon, wie es aussieht, überzeugt er sich gern vor Ort – nicht zuletzt bei seiner Leidenschaft: dem Wandern.
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Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. 2006 heuerte Hofinger bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung aktiv an. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.
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Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.
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