Wirtschaftskrise: Bayerns M+E-Betriebe fahren ihr Ausbildungs-Engagement zurück
Weil es Unternehmen zunehmend schlechter geht, werden nicht mehr so viele neue Ausbildungsstellen besetzt. Das Fehlen passender Bewerber bleibt für die Betriebe zusätzlich ein Problem.

Das Wichtigste auf einen Blick:
- Bayerns M+E-Betriebe benötigen in Zeiten der Wirtschaftskrise weniger Personal und wollen weniger ausbilden.
- Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge dürfte 2026 auf rund 12.000 sinken.
- Die Übernahmequote nach der Ausbildung ist weiterhin hoch und liegt bei rund 90 Prozent.
Die anhaltende Konjunktur- und Strukturkrise macht der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) zunehmend zu schaffen. Und mit der schwachen Auftragslage verschlechtert sich auch die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Das geht aus der aktuellen Sommerumfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zur Ausbildungslage in den Mitgliedsunternehmen hervor.

„Die Konjunktur- und Strukturkrise schlägt auch in der Ausbildung voll durch“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der M+E-Arbeitgeberverbände bayme vbm. Mit rund 12.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen wird zum Ausbildungsstart im September mit einem Minus von 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Schon 2025 war das Engagement der Unternehmen um 10,9 Prozent zurückgegangen. Fast die Hälfte der Firmen wird 2026 laut Umfrage weniger Auszubildende unter Vertrag nehmen als im Vorjahr. Die Prognose für 2027 fällt trotz der angespannten Lage etwas optimistischer aus, die Betriebe rechnen mit einer Stabilisierung der Ausbildungszahlen.
Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würde mehr ausgebildet
Der sonst so stabile Ausbildungsmarkt wird von der Krise also nun schon zum zweiten Mal nicht mehr verschont. „Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen mehr ausbilden“, stellt Brossardt klar. Knapp ein Drittel (32,1 Prozent) der M+E-Unternehmen gibt in der Umfrage an, dass sich die wirtschaftliche Lage maßgeblich auf den Rückgang der abgeschlossenen Verträge auswirkt. 35,8 Prozent der Firmen sagen, dass sie bereits über genug personelle Ressourcen verfügen – der Bedarf an Azubis also eine Sättigung erreicht hat.
„Aber nichtsdestotrotz haben die Jugendlichen branchenübergreifend und auch in der bayerischen M+E-Industrie weiter gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden“, unterstreicht Brossardt. Aus Sicht der Jugendlichen sei die Lage in Bayern branchenübergreifend auch deutlich besser als in der gesamten Bundesrepublik: Im Freistaat standen jedem Bewerber Ende Juli rechnerisch 1,4 gemeldete Ausbildungsplätze zur Verfügung, auf Bundesebene nur 1,05.
„Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen mehr ausbilden“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm
Neben der wirtschaftlichen Lage ist die Suche nach passenden Azubis für die M+E-Unternehmen weiterhin schwierig. „Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung“, sagt Brossardt. Fast die Hälfte (46,9 Prozent) nennt laut Umfrage das Fehlen geeigneter Bewerber als Grund für den Rückgang an abgeschlossenen Verträgen. 25,9 Prozent gaben an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen.
Nach wie vor gilt: Die bayerischen M+E-Unternehmen bilden ihre Azubis aus, damit sie bleiben. Die Übernahmequote ist trotz Krise weiterhin hoch. Die Unternehmen planen für das laufende Jahr, fast 90 Prozent ihrer Azubis befristet oder unbefristet zu übernehmen. Erfolgt keine Übernahme, geschieht dies oft auch auf Wunsch der Auszubildenden.
Für 2027 dürfte sich die Übernahmequote noch einmal deutlich auf 96 Prozent verbessern. „Das zeigt den Willen der Unternehmen, ihre ausgelernten Azubis langfristig an sich zu binden“, sagt Brossardt. Gleichzeitig bemühten sich die Unternehmen weiterhin, den Nachwuchs früh auf sich aufmerksam zu machen und für eine Ausbildung zu begeistern. Neun von zehn Unternehmen halten 2026 ihr Praktikumsangebot stabil.
Nachwuchsgewinnung ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben
Mit zahlreichen Programmen und Angeboten wollen Unternehmen und Verbände bei jungen Menschen das Interesse für die Industrie wecken. Zudem ist man ständig im Austausch mit der Politik, um die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. „Die Nachwuchsgewinnung ist und bleibt für die M+E-Unternehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben“, betont Brossardt.
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