Praxistauglichkeit unter Polarbedingungen: Darum geht’s, wenn der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus seine Fahrzeuge im Winter unter Extrembedingungen erprobt. Traditionell steuert er dafür hoch in den Norden, nach Schweden. Schneestürme, Minusgrade und nur ein paar Stunden Tageslicht – das müssen Material und auch die Testingenieure aushalten. Doch das ist für beide kein Problem. Auch nicht beim batterieelektrischen eTGX, der diesen Sommer im Münchner Stammwerk von MAN in Serie ging.
Energiemanagement, Kühlungs- und Thermomanagement der Batteriepacks, Zusammenspiel und Steuerung der Komponenten im Antriebsstrang und Ladeverhalten bei Eiseskälte: All das wurde geprüft und erprobt, um den Truck zur Serienreife zu bringen. Im Frühjahr 2025 bewies der „Elektro-Löwe“ dann einmal mehr in sieben Etappen: 3.400 Kilometer von Lappland über Dänemark nach München sind machbar – mit öffentlicher Ladeinfrastruktur.
Die „Elektro-Löwen“ transportieren vieles: etwa Milch und Autoteile
Seit Jahresbeginn 2025 sind bereits über 400 E-Trucks im täglichen Logistikeinsatz auf europäischen Straßen unterwegs. Sie haben zusammen schon über neun Millionen Kilometer zurückgelegt. Bis zum Jahresende sollen bereits bis zu 1.000 MAN-Elektro-Lkws in den Kundenflotten fahren. Damit ließen sich CO2-Emissionen vergleichbar mit denen einer Kleinstadt einsparen, hieß es beim Serienstart.
Die Palette an Elektro-Löwen reicht von 12 bis 50 Tonnen. Die Einsatzmöglichkeiten: abgasfreie Abfallentsorgung in der Stadt, Milchabholung beim Biobauern bis hin zum CO2-freien Ferntransport von Kühlware. Übrigens: Auch in der Automobil-Industrie sind die Trucks im Einsatz, als sogenannte Ultra-Lowliner-Sattelzugmaschinen für vollelektrische Transporte zwischen den Werken, etwa bei BMW.
Die Elektro-Trucks werden in München gemeinsam mit den Diesel-Lkws hergestellt – auf ein und derselben Linie, und zwar in sogenannter „vollintegrierter Mischproduktion“. Ist zum Beispiel gerade ein Verbrenner an der Reihe, bekommt er zu Beginn Achsen, Tanks und Abgasvorrichtungen. Die Elektro-Laster werden hingegen zuerst mit den beiden Batterien unter dem Fahrerhaus sowie mit weiteren elektrischen Komponenten versehen, dem sogenannten „Powerpack“. „Das ermöglicht uns enorme Flexibilität und erhöht die Wirtschaftlichkeit in der Fertigung“, sagte MAN-CEO Alexander Vlaskamp beim Serienstart.
MAN-Werk München
- Das MAN-Stammwerk feierte 2025 sein 70-jähriges Bestehen.
- Es umfasst eine Million Quadratmeter und hat eine eigene Teststrecke.
- Rund 8.000 Beschäftigte entwickeln und fertigen am Standort München schwere Lkws sowie Komponenten.
- Bislang wurden dort 1,25 Millionen Lkws, zwei Millionen Fahrerhäuser und drei Millionen Achsen gefertigt.
- Pro Tag können hier rund 100 Lkws produziert werden, unabhängig von der Antriebsart. Es dauert etwa acht Stunden, bis ein Truck fertig ist.
- Im Sommer startete die Serienproduktion des E-Trucks „made in München“. Dafür wurden über 5.000 Beschäftigte in der Hochvolttechnologie geschult.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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