Computer und Johann Ranzinger (33) – das hat früh gepasst. „Ich habe schon als Kind sehr viel vor dem PC gesessen“, gibt der Software-Entwickler zu. Zickige Rechner langwierig zusammenstöpseln, nur um dann gemeinsam mit Freunden bis tief in die Nacht zu zocken: Das ist nicht gerade der Traum vieler Eltern. Aber manchmal dient es zumindest der Berufsfindung.

Ranzinger entwickelt und programmiert heute Steuerungssoftware für die großen und kleinen Maschinen der Firma Sennebogen in Straubing. Und diese Arbeit wird immer wichtiger. Denn bei Kränen und Baggern gilt das Gleiche wie bei Autos: Sie werden digitaler. Und ohne gute Software läuft nichts mehr.

Einsatzgewicht von mehr als 400 Tonnen

Schon als Jugendlicher war der aus dem Bayerischen Wald stammende Niederbayer eher technisch orientiert. In der Schule waren Mathe und Physik seine Fächer. Kein Wunder also, dass er nach der Schule Mechatroniker wurde. Um das Maschinenbaustudium zu beginnen, holte er dann später noch das Abi nach.

2017 startete der Absolvent schließlich bei Sennebogen in der Software-Entwicklung für die Steuerungstechnik. Fünf Leute waren es damals im Team. Heute sind es 20 – und Ranzinger ist ihr Chef.

Die zahlreichen Kräne und Bagger des Unternehmens gibt es in unterschiedlichsten Variationen. Manche haben ein Einsatzgewicht von „nur“ 20 Tonnen, andere mehr als 400. Die einen fahren auf Ketten, die anderen auf Reifen – und manche auf einem Gleis. Eingesetzt werden die Maschinen unter anderem bei Forst- und Abbrucharbeiten, aber auch auf dem Schrottplatz, am Hafen oder im Stahlwerk.

Ist was kaputt, muss es oft schnell gehen

Die Systeme, die Ranzinger mit seinem Team konzipiert und programmiert, sind in allen Sennebogen-Fahrzeugen mehr oder weniger gleich. „Es ist wie in einem Baukastensystem, das wir einfach halten wollen“, erklärt er. Software-Updates werden wie bei modernen Pkws mittlerweile online aufgespielt. „Die Zeit wird immer schnelllebiger und die Konkurrenz ist groß“, sagt Ranzinger. „Eigentlich denke ich jetzt schon daran, wie wir unsere aktuellen Neuheiten verbessern können.“

Aber wodurch wird eine Maschine eigentlich „besser“? „Das kommt drauf an, wo sie eingesetzt wird“, erläutert Ranzinger. Hafenkräne etwa, die Schiffe entladen sollen, müssen schnell sein – und vor allem zuverlässig. Liegt ein Pott im Hafen fest, weil der Kran zum Entladen defekt ist, wird es für alle Beteiligten schnell kostspielig. Zeit ist schließlich Geld.

Ranzinger kann sich noch gut daran erinnern, wie er an einem Freitagnachmittag Hals über Kopf nach Österreich musste. Es war im Coronajahr 2021. Ein Kran im Linzer Binnenhafen hatte seinen Dienst quittiert. Auch das Ersatzgerät war defekt – und die Not groß. „Um 19 Uhr lief das Ding aber wieder“, erzählt er. Ein Trafo hatte den Geist aufgegeben.

Nachgefragt bei Johann Ranzinger

  • Dafür stehe ich morgens auf: Ich freue mich auf neue Dinge, die ich am Tag erleben werde. Denn ich möchte jeden Tag nutzen, um etwas dazuzulernen.
  • So vielfältig ist meine Arbeit: Ich habe mit Kränen und Baggern in allen Formen, Größen und Variationen zu tun. Ich arbeite an der Software, bin aber auch immer wieder bei Kunden.
  • Darauf bin ich stolz: Ich darf ein tolles Team leiten, mit dem ich gerne zusammenarbeite. Darüber hinaus leistet es Tag für Tag hervorragende Arbeit.

Auch Kräne und Bagger werden autonom fahren

Beim Antrieb gehe der Trend bei Kränen und Baggern wie beim Auto Richtung Elektro, berichtet Ranzinger. Mit großen 400-kWh-Batterien könne eine Maschine ohne Probleme acht Stunden arbeiten – das reicht für eine Schicht. Und das enorme Gewicht der Akkus? „In unserer Branche kein Problem“, lacht er. „Kräne brauchen ja eh immer ein Gegengewicht.“

So ein Kran von heute ist mittlerweile voll mit Technik. Sensoren messen etwa das zu hebende Gewicht und die aktuelle Windstärke – und stoppen gegebenenfalls den Betrieb, wenn es zu gefährlich ist. Wie im Flugzeug gibt es eine Blackbox, um mögliche Unfälle zu untersuchen. Zudem sind moderne Kräne immer online und liefern Daten über die Nutzung und den Zustand von Hydraulik oder Elektrik. „Solche Echtzeitdaten helfen uns unter anderem zu verstehen, was der Kunde wirklich braucht.“

Autonomes Fahren ist auch bei Kränen und Baggern ein großes Zukunftsthema. Denn Fahrer sind immer schwerer zu finden. Solange es sie noch gibt, wird Ranzinger wie bislang immer wieder im Führerhaus sitzen und die Maschinen zu Testzwecken selbst steuern. „Man kann einfach nichts entwickeln, wenn man selbst nicht fährt“, sagt er. „Wenn ich schon was doof finde, ist doch klar, dass es der Kunde auch tut.“

Das Unternehmen

  • Im Jahr 1952 wurde das Straubinger Familienunternehmen Sennebogen gegründet.
  • Mehr als 2.200 Beschäftigte arbeiten für die Firmengruppe, unter anderem an Niederlassungen in den USA und Singapur. Entwickelt und produziert wird in Deutschland an fünf Standorten, an zwei ungarischen wird nur produziert.
  • Zu den zentralen Produkten gehören Kräne und Bagger in zahlreichen Formen, Größen und Variationen.
Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

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