Das Wichtigste auf einen Blick:
- Coroflex gilt als Pionier der Elektromobilität und gehört zur Coroplast Group. Sie beschäftigt weltweit 6.750 Mitarbeiter.
- Die gefertigten Hochvolt-Kabel sind extrem flexibel und robust. Sie sollen in Zukunft auch das Laden von E-Autos beschleunigen.
- An der Weiterentwicklung ist auch ein Studierenden-Team beteiligt, das an einer superschnellen Hyperloop-Transportkapsel arbeitet.
Die Farbe Orange signalisiert: Vorsicht – hohe Spannung! Die starken orangefarbenen Leitungen verbinden Ladesäule, Batterie und Motor in zahlreichen E-Autos und weiteren Fahrzeugen mit Elektroantrieb. Coroflex aus Wuppertal, Teil der Coroplast-Firmengruppe, beliefert mit solchen Hochvolt-Leitungen Hersteller auf der ganzen Welt. Der Mittelständler ist ein Pionier der Elektromobilität und schaut auch jetzt weit in die Verkehrszukunft: Unter anderem sponsert er das Hochschul-Team „mu-zero Hyperloop“ aus Karlsruhe, das eine sogenannte Hyperloop-Transportkapsel entwickelt.
Ziel des Teams ist eine Transportkapsel, die mit über 1.000 Stundenkilometern durch eine Vakuumröhre saust – eine Art superschnelle Rohrpost für Menschen oder Güter. Was wie Science-Fiction klingt, wird seit Jahren von engagierten Studierenden weltweit vorangetrieben. Einmal jährlich messen sich die Teams bei der europäischen Hyperloop-Woche, wo ihre Prototypen auf einer Teststrecke fahren.
Hyperloop Transportkapsel als Testanwendung für neue Hochvolt Technik
Das Team mu-zero besteht aus rund 50 Studierenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und anderer Hochschulen. Seit fünf Jahren arbeiten sie an einem Fahrzeug, das nicht auf Schienen rollt, sondern auf einem Magnetkissen in einer luftleeren Röhre schwebt. Ihr noch fernes Ziel ist, viel schneller als jeder Zug zu sein – mit Überschallgeschwindigkeit. Der Name „mu-zero“ ist vom Reibungskoeffizienten „μ“ (mu) abgeleitet, den es dafür auf null herunterzukriegen gilt.
Die Studierenden haben es bereits geschafft, eine 300 Kilo schwere, drei Meter lange Kapsel zum Schweben zu bringen. Bei internationalen Wettbewerben sammelte das Team mehrere Auszeichnungen.
Doch eine solche Technologie stellt hohe Anforderungen an die Materialien, vor allem an die elektrischen Leitungen. „Sie sind eine wichtige und auch sicherheitsrelevante Komponente“, erklärt der angehende Ingenieur Jascha Meyer-Arndt, zuständig für die technische Entwicklung bei mu-zero. Sie müssen hohe Ströme übertragen, flexibel sein und auf engstem Raum verbaut werden können. Coroflex, ein Spezialist für Hochvolt-Leitungen, versorgt mu-zero nicht nur damit, sondern hilft auch mit technischem Know-how.
„Wir haben gesehen, dass wir einiges an Leitungen brauchen, und einen guten deutschen Hersteller gesucht, der uns bei unserer Vision unterstützt“, erzählt der Mechatronik-Student. „Wir arbeiten auf sehr engem Raum. Mit den Coroflex-Kabeln macht es Spaß, weil sie superflexibel und zudem robust sind.“
Ob je Hyperloops mit 1.000 Sachen durch die Röhre sausen und entfernte Orte innerhalb von Minuten erreichen werden? „Das ist ein Stück weit Vision“, sagt Helmut Wichmann, Direktor Produktmanagement und Produktmarketing bei Coroflex. Wichtig ist, dass dieses Projekt die Grenzen der Leitungen „bis zum Letzten“ ausreizt. Der Hersteller bringt die bei den Hyperloop-Tests gewonnenen Erkenntnisse in sein Tagesgeschäft ein. Leitungen verlegen auf engstem Raum, ist auch in Motorrädern, Formel-1-Boliden und Flugzeugen die Aufgabe. Hohe Druckbelastungen und Stromstärken, extreme Temperaturschwankungen und die Anforderung, an Gewicht zu sparen, gibt es dort ebenfalls.
Innovative Kabelentwicklung treibt Elektromobilität voran
Auch die Elektromobilität war vor 20 Jahren noch eine Vision. Hochvolt-Leitungen mit der Signalfarbe Orange gab es damals nicht. Nach der Entwicklung erster Prototypen für die wichtigsten deutschen Autohersteller erkannte Coroflex schnell, dass ein Standard für die Anforderungen dieser Produktgruppe der Elektromobilität förderlich sein wird. „Zusammen mit den deutschen Autoherstellern und weiteren Zulieferern durften wir den ersten Standard für die neuen Hochvolt-Leitungen entwickeln und umsetzen. Er ist bis heute gültig, international anerkannt und wird ständig weiterentwickelt“, erklärt Wichmann.
Aktuell ist im E-Auto die Spannungsklasse von 600 Volt AC (Wechselspannung) bis zu 1.000 Volt DC (Gleichspannung) üblich. Die künftige Spannungsklasse 1.000 Volt AC/1.500 Volt DC wird bereits diskutiert, weil die Reichweiten größer werden und das Laden schneller gehen soll – bei reduziertem Gewicht.
E-Autos kommen in Fahrt
Bis Oktober 2025 wurden bundesweit 545.142 E-Autos (sogenanntes BEV – Battery Electric Vehicle, zu Deutsch: batteriebetriebenes Fahrzeug) neu zugelassen. Das war ein Zuwachs von gut 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der BEV-Anteil an den Gesamtzulassungen stieg damit deutlich an und erreichte 19 Prozent. Zusammen mit Plug-in-Hybriden (PHEV) war somit fast jeder dritte neu zugelassene Pkw ein E-Auto. Die Zahlen stammen aus einer Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.
„Wir setzen Standards bei Hochvolt-Leitungen für die Elektromobilität“
Helmut Wichmann, Coroflex
Damit gehen neue Herausforderungen einher, so der Experte: „Durch hohe Strombelastungen erwärmen sich die Leitungen erheblich, die Performance, das heißt auch die elektrische Sicherheit darf aber nicht darunter leiden.“
Um Gewicht zu sparen, setzt Coroflex gern Aluminium statt Kupfer als leitfähiges Material und innovative Isolier- und Mantelwerkstoffe ein. Mit der Spannung steigen auch die Probleme mit der elektromagnetischen Strahlung, die als sogenannter Elektrosmog Kommunikationssysteme und den Internetempfang an Bord stören kann. „Unsere Hochvolt-Leitungen sind mit entsprechenden Abschirmmaßnahmen ausgerüstet“, so der Produktmanager.
Coroflex erhält Kontakt zur nächsten Ingenieur-Generation
In Landwirtschafts- und Baumaschinen, Bussen, Lastwagen wie auch Schiffen mit Elektroantrieb sind die Batterien noch größer, die Arbeitsbedingungen noch robuster, die Erhitzung noch höher. Die Technologie der aktiven Leitungskühlung ist der neue Trend: „Damit steigern wir die elektrische Performance unserer Hochvolt-Leitungen weiter und senken idealerweise gleichzeitig das Gewicht.“ Ein weiteres Standbein sind Kabel und Leitungen für Roboter, Sensoren oder Beleuchtung. „Auch durch Gespräche mit den Herstellern finden wir heraus, wie wir unsere Produkte weiterentwickeln“, sagt Wichmann. „Wenn die Nasa nicht weiterweiß, ruf Coroflex an“, zitiert er stolz einen Kundenspruch.
Die Expertengespräche mit dem studentischen Hyperloop-Team seien genauso professionell wie mit jedem anderen Unternehmen auch. Das Engagement dient auch dem Kontakt zur nächsten Generation von Ingenieuren – einige von ihnen könnten später bei Coroflex arbeiten oder bei potenziellen Kunden die Entscheidungen treffen.
Das Unternehmen
- Die Coroplast Group wurde im Jahr 1928 gegründet und ist heute ein international tätiges Familienunternehmen mit Hauptsitz in Wuppertal.
- Als innovativer Anbieter von technischen Klebebändern, Kabeln und Leitungen sowie Leitungssätzen beschäftigt die Gruppe rund 6.750 Mitarbeitende weltweit.
- Der Jahresumsatz belief sich zuletzt auf 762 Millionen Euro.

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.
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