Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Mit Wero können Nutzer Geld innerhalb von Sekunden direkt auf das Girokonto senden – eine Handynummer oder E-Mail-Adresse des Empfängers genügt, IBAN und separate App sind nicht nötig.
  • Wero läuft bei vielen Banken über die gewohnte Online-Banking-App, ist für Privatnutzer kostenlos und erfüllt europäische Sicherheits- und Datenschutzstandards.
  • Hinter Wero steht ein Zusammenschluss großer europäischer Banken, der den Zahlungsverkehr unabhängiger machen soll. In Deutschland nutzen den Dienst bisher aber nur wenige Menschen.

Die Sparkasse lässt gerade einen Werbespot in Kinos, im Fernsehen und im Internet rauf- und runterlaufen: Der Mannschaftsbus eines Fußballteams steht an einer Tankstelle. Während ein edler Spender Snacks verteilt, senden seine Kollegen ihm das Geld in Sekundenschnelle zurück. Plötzlich tanzen alle glücklich und ausgelassen zum Scooter-Hit „Friends“. Damit will man auf den recht neuen Bezahldienst Wero aufmerksam machen. Der könnte das Bezahlen in Europa tatsächlich verändern.

Dahinter steckt die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss großer europäischer Banken. Seit Sommer 2024 gibt es Wero in Deutschland, Frankreich und Belgien schon. Bis Ende 2026 sollen alle Europäer den Dienst nutzen können – und Wero soll endlich im Alltag ankommen.

Zahlungen in Online-Shops: Wo kann man Wero schon nutzen?

Das Angebot ist attraktiv: Geld an Freunde schicken – in Sekunden, ohne IBAN oder gar BIC. Handynummer oder E-Mail reichen. Das klingt ja genau wie Paypal, finden Sie? Stimmt! Während das Geld beim US-Anbieter allerdings immer den Umweg über Paypals App oder Website nehmen muss, landet es beim europäischen Bezahldienst Wero direkt auf dem Girokonto. 

Seit Herbst 2025 kann man damit auch in ersten Online-Shops bezahlen. Der Ticketanbieter Eventim war ganz früh dabei, der Baumarkt Tedox ebenfalls. Laut EPI sollen bald weitere große Händler wie Decathlon, Lidl, Rossmann und Hornbach folgen. Drei von vier Bankkunden können Wero inzwischen schon nutzen.

Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank – mit welchen Banken funktioniert Wero?

Wero läuft bei den meisten Banken direkt und sicher über die Banking-App. Voraussetzung ist ein Konto bei einer teilnehmenden Bank. Fast alle Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sind an Bord, auch die Deutsche Bank und die ING. Die Commerzbank hielt sich zunächst zurück, erklärte kürzlich aber, bald doch dabei sein zu wollen. Mehr als drei Viertel der privaten Bankkunden in Deutschland können Wero schon jetzt nutzen. Regelmäßig kommen weitere Banken dazu.

Diese Banken sind schon dabei

In Deutschland sind bereits dabei: die

  • Sparkassen,
  • Volksbanken & Raiffeisenbanken (inklusive DZ Bank, BBBank, Sparda‑Banken, PSD‑Banken, Edekabank und EthikBank),
  • Deutsche Bank,
  • Postbank,
  • GLS Bank,
  • BW‑Bank (LBBW‑Gruppe) sowie
  • ING Deutschland und
  • Revolut.

International unterstützen weitere große Banken wie die BNP Paribas, Crédit Agricole, Groupe BPCE oder ABN Amro den Dienst.

Wero läuft bei den meisten Banken über die Banking-App. Voraussetzung ist ein Konto bei einer teilnehmenden Bank

Kosten und Sicherheit: Wie funktioniert Wero beim Geldversenden in Echtzeit?

Einmal per Sicherheitscode (TAN) registrieren, danach senden und empfangen Sie Geld ohne ständige TAN-Eingabe. Die Freigabe erfolgt per SMS-PIN, Gesichtserkennung oder Fingerabdruck. Kleinere Beträge können je nach Bank auch ohne Bestätigung zum Empfänger sausen. Die Überweisung soll maximal zehn Sekunden dauern. Für Privatleute ist Wero kostenlos, Händler zahlen weniger als bei Paypal oder den Kreditkarten-Anbietern. Die Daten bleiben in der EU, geschützt durch moderne Verschlüsselung.

Verbraucherzentralen loben das Angebot als „Schritt zu einem eigenständigen europäischen Zahlungsverkehrsmarkt“. Bisher kochen viele Länder ihr eigenes Süppchen: 92 Prozent der Dänen senden Geld mit MobilePay, 86 Prozent der Schweden mit Swish und 71 Prozent der Niederländer mit Tikkie. Das sind jeweils etablierte Angebote, von nationalen Banken entwickelt. Die Deutschen nutzen da bisher fast nur Paypal.

Für Wero haben sich in Deutschland, Frankreich und Belgien mehr als 50 Millionen Menschen registriert, rund sechs Millionen davon in Deutschland. Während in Frankreich aber schon 19 Prozent der Menschen mit Wero Geld verschicken, nutzen in Deutschland bisher nur 4 Prozent den Dienst aktiv.

Was ein europäischer Zahlungsdienst für Wirtschaft und Gesellschaft bringt

Ein europäischer Bezahldienst wie Wero ist Teil der digitalen Infrastruktur, die Unternehmen für Innovation und Wachstum brauchen. Wenn Zahlungsdaten in Europa bleiben und nach europäischen Regeln genutzt werden, können Banken und Unternehmen eigene Innovationen entwickeln – statt nur auf Lösungen aus den USA oder Asien zu setzen. Ein leistungsfähiger Zahlungsverkehr unterstützt Konjunktur und Beschäftigung.

Damit ist Wero auch ein Baustein für eine zukunftsfeste, wettbewerbsfähige Industrie in Europa. Weniger Abhängigkeit von Anbietern aus Übersee macht den Standort widerstandsfähiger. „Bei digitalen Zahlungsmitteln verlassen wir uns sehr oft auf nichteuropäische Infrastruktur“, erklärte Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank. „Wir müssen das digitale Bezahlen unter unsere Kontrolle bringen.“

Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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