Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die schlechte Wirtschaftslage führt zu einem Rückgang an Ausbildungsplätzen in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie.
  • Branchenweit stehen in Bayern jedem Bewerbenden aber immer noch rund 1,5 Ausbildungsplätze zur Verfügung.
  • Wer in der Branche landet, hat sehr gute Zukunftsaussichten. Neun von zehn Azubis werden nach der Ausbildung übernommen.

Anhaltende Wirtschaftsflaute, internationale Handelskonflikte, der russische Angriffskrieg in der Ukraine und nun auch noch die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel mit dem Iran sowie strukturelle Probleme am Standort Deutschland: Die Wirtschaftswelt wird derzeit heftig durcheinandergewirbelt, mit massiven Auswirkungen auch auf die exportorientierte bayerische Metall- und Elektro-Industrie (M+E). Knapp vier von zehn Unternehmen haben aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als in den Vorjahren. Das ergab die Frühjahrsumfrage zur Ausbildungssituation, die die bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsbetrieben durchführte.

Menschen & Betriebe

Und die Krise wird noch andauern: Für den Ausbildungsstart im Herbst 2026 werden die Unternehmen die Anzahl der Ausbildungsplätze nochmals reduzieren. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm, mahnt an: „Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen mehr ausbilden.“

Dafür müssten vor allem die Probleme am Standort Deutschland und Bayern gelöst werden: „Die Bundesregierung muss jetzt endlich für mehr Planungssicherheit sorgen. Wir brauchen einen Wirtschaftsumschwung mit echten Reformen.“

Auf jeden Bewerber kommen über alle Branchen 1,5 Ausbildungsplätze

Für die Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsplätze sieht die Lage allerdings weiterhin gut aus: Jeder oder jedem stehen rein rechnerisch branchenübergreifend aktuell 1,5 Plätze in Bayern zur Verfügung. Auswahl ist also da.

Und wer den Sprung in die M+E-Industrie wagt, hat nach wie vor glänzende Zukunftsaussichten: Denn trotz der angespannten Lage werden neun von zehn Azubis nach Ende der Lehrzeit von ihrem Unternehmen übernommen. Und die Löhne sind im Branchenschnitt ebenfalls äußerst attraktiv: Mit der tariflichen Anhebung der Ausbildungsvergütung zum 1. April 2026 verdient ein Azubi im Schnitt über die gesamte Ausbildungszeit 1.389 Euro pro Monat.

Viele Azubis lernen in Firmen, die KI in der Ausbildung einsetzen

Und nicht zu vergessen: Gerade in der M+E-Industrie haben junge Menschen die Chance, an echten Zukunftsthemen mitzuarbeiten. Denn bayerische Unternehmen sind auf den Feldern Automobilität, Energietechnologien, Luft- und Raumfahrt sowie im Verteidigungssektor stark. Vieles davon wird für die Digitalisierung sowie den klimafreundlichen Umbau der Industrie benötigt.

Innovative Technologien setzen Azubis inzwischen häufig standardmäßig ein: So zeigt die Umfrage von bayme vbm, dass gut sieben von zehn Azubis in Betrieben lernen, die künstliche Intelligenz (KI) in der Ausbildung nutzen. Betriebe setzen KI etwa als Unterstützung beim Lernen ein (75 Prozent), aber auch zur Förderung digitaler Kompetenzen (57 Prozent) sowie zur Organisation der Ausbildung (42 Prozent). Bei einem Viertel der Betriebe, die KI einsetzen, ist dies sogar explizit Ausbildungsinhalt.

7 von 10 Azubis in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie lernen in Unternehmen, die KI in der Ausbildung nutzen

Für bayme-vbm-Hauptgeschäftsführer Brossardt ist das ein Signal, dass die Jugendlichen bei M+E gut gerüstet sind für zukünftige Herausforderungen: „Die Firmen wissen, dass Ausbildung den Grundstein legt, um Jugendlichen den Umgang mit digitalen Inhalten als Schlüsselkompetenz am Arbeitsmarkt der Zukunft zu vermitteln“, sagt er.

Gleichzeitig bleiben allein aufgrund des demografischen Wandels auch in der Industrie die Karrierechancen hervorragend. Der Fachkräftemangel macht sich in vielen Bereichen bemerkbar, trotz Wirtschaftsflaute. So nennt nach wie vor knapp die Hälfte der Unternehmen den Mangel an Bewerbern oder geeigneten Bewerbern als Grund, dass sie weniger ausbilden als vorher.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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