Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Der Mittelständler produziert Faltschachteln mit einer Größe von mehreren Quadratmetern.
  • Ein moderner Maschinenpark macht die Produktion der Kartons schnell und flexibel.
  • Seit der Gründung 1992 ist die Belegschaft im Unternehmen von 18 auf knapp 100 Beschäftigte gewachsen.

Ein riesiger Karton – wenn nötig, mit Seitenlängen von mehreren Metern? Hier ist das kein Problem! Bei der WS Coswiger Wellpappe- und Papierverarbeitung gehören sehr große Verpackungen zum Standard. Sie laufen dort beinahe jede Woche vom Band.

Wellpappe: Für den Transport unverzichtbar

Die Unternehmen der deutschen Wellpappen-Industrie beschäftigen gut 21.000 Menschen und erwirtschafteten im letzten Jahr einen Gesamtumsatz von 6,5 Milliarden Euro, so Zahlen des Verbands der Wellpappen-Industrie in Berlin. 2024 zeigte sich die Branche mit einem leichten Absatzplus im Vergleich zu 2023 zwar robust, musste aber zum zweiten Mal in Folge ein Umsatzminus hinnehmen. Dennoch ist Wellpappe seit Jahren die ungeschlagene Nummer 1 bei Transportverpackungen: Mehr als zwei Drittel aller Waren in Deutschland gehen in Wellpappe auf die Reise. Die wichtigsten Abnehmer stammen aus der Nahrungs- und Genussmittel-Industrie, sie steht für mehr als 40 Prozent des Absatzes von 5,3 Millionen Tonnen Wellpappe.

Gebraucht werden solche Riesenverpackungen zum Beispiel in der Möbel-Industrie oder als Transporthülle für Bauteile. „Bei uns wurden schon Faltschachteln mit einer Seitenlänge von fast sechs Metern bestellt“, schildert Thomas Seydler beim aktiv-Besuch. „Das ist in der Branche schon exotisch. Wobei wir auch viele kleinere Verpackungen zum Beispiel für Lebensmittel produzieren.“

„Faltschachteln mit sechs Meter Seitenlänge – das ist in der Branche exotisch“ 

Thomas Seydler, Geschäftsführer

Seydler leitet den Mittelständler aus Sachsen-Anhalt, der zur Hamburger Panther-Gruppe gehört, gemeinsam mit seinem Bruder Björn. Die Fertigung ist in einer modernen Halle untergebracht, in der diverse Faltschachtelklebemaschinen laufen sowie Längs- und Querschneider, Stanzen und etliche Anlagen mehr.

Wellpappe-Produktion: Moderner Maschinenpark macht schnelles und flexibles Arbeiten möglich

Auch eine nagelneue Container-Inline-Maschine hat hier ihren Platz. Wellpappbogen werden auf ihr in einem Durchgang bedruckt, gestanzt, geschlitzt, gefaltet und geklebt – am Ende kommen fertige Schachteln heraus.

Dank des umfangreichen Maschinenparks werden Aufträge extrem flexibel bearbeitet. „Wir sind auch deshalb richtig schnell, weil die Produktion effizient aufgebaut ist“, betont Thomas Seydler. „Und wenn es bei einem Auftrag mal besonders eilig ist, greifen auch Kollegen aus der Verwaltung bei der Handarbeit mit an.“

Letztlich ist das für alle ein Gewinn: „Wenn die Kollegen in der Verwaltung auch wissen, was die Maschinen können und wie alles ineinanderspielt, können sie Kunden besser beraten und die Abwicklung der Aufträge leichter planen.“

Für noch mehr Platz in der Produktion wird gerade ein Anbau fertiggestellt mit Service- und Sozialräumen sowie einem Lager für die Rohware. Kontinuierlich aus den Gewinnen investiert wird bei der Coswiger Wellpappe seit der Gründung vor über 30 Jahren. Dabei glaubten anfangs nur wenige, dass sich das Unternehmen am Markt behaupten würde …

Coswig ist eine kleine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Ende des 19. Jahrhunderts begann man hier mit der Papier-Herstellung. Zu DDR-Zeiten wurde in dem Staatsbetrieb auch Wellpappe produziert und weiterverarbeitet. Nach der Wende stufte die Treuhandgesellschaft die Fabrik als nicht überlebensfähig ein – und wickelte sie ab.

Aus dem Staatsbetrieb wurde ein erfolgreiches Familienunternehmen

Lutz Seydler jedoch, der Vater der heutigen Geschäftsführer, und ein weiterer langjähriger Mitarbeiter des ehemaligen DDR-Betriebs wollten das Werk erhalten. Sie trauten es sich zu, den Betrieb zu übernehmen und gründeten 1992 das Unternehmen mit anfangs 18 Beschäftigten.

Thomas und Björn Seydler waren damals Teenager. „Aber wir haben die Aufbruchstimmung hautnah miterlebt“, erinnert sich Björn Seydler. „Wir haben samstags oft mitgeholfen, da sehr viel von Hand gemacht werden musste. Und eigentlich war uns von Anfang an klar, dass wir auch hier einsteigen würden.“

Und so lernten beide Brüder Verpackungsmittelmechaniker (heute Packmitteltechnologe). Thomas machte seinen Techniker an der Hochschule München, Björn den Meister Druck und Medien in Biberach, ehe sie gemeinsam in Halle Betriebswirtschaft studierten – berufsbegleitend, neben ihrer Tätigkeit im Familienunternehmen.

Kartons für verschiedene Anwendungen: Auch Lebensmittel sind darin gut verpackt

Diese Top-Ausbildung verhalf mit zum Erfolg: Heute zählt die Coswiger Wellpappe rund 100 Beschäftigte sowie sieben Auszubildende und zwei dual Studierende.

Für alle wird es jetzt um den Jahreswechsel ruhiger - ehe es 2026 wieder richtig losgeht. Dann stehen unter anderem Verpackungen für Leckeres und Nützliches in der Grillsaison oder für Sommerpartys im Fertigungsprogramm.

Die Gruppe: Panther Packaging

  • Panther Packaging ist eine privat geführte Firmengruppe mit Stammsitz in Tornesch bei Hamburg.
  • Panther beschäftigt in zehn Werken an fünf Standorten – darunter Coswig in Sachsen-Anhalt – rund.1.200 Mitarbeiter
  • Die Gruppe ist spezialisiert auf die Papierverarbeitung und bietet da, alles aus einer Hand von der Verpackung aus Wellpappe bis zu aufwendigen Faltschachteln und Displays.
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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