Das Wichtigste auf einen Blick:
- Streckmetall steckt in vielen Alltagsprodukten – vom Bügelbrett bis zum Garagentor.
- SORST aus Hannover produziert Streckmetall für Industrie und Zukunftsbranchen, etwa für Automotive, Filter und Wasserstofftechnik.
- Das Traditionsunternehmen von 1867 verbindet Spezialisierung mit Zukunftsfokus.
Haben Sie schon mal Streckmetall gesehen? Nein? Dann ziehen Sie den Bezug vom Bügelbrett ab. Oder holen Sie die metallene Gartenliege aus dem Schuppen.
„Streckmetall findet sich tatsächlich überall, in allen Lebenslagen des Alltags“, sagt Dr. Klaus Müsch, Geschäftsführer der SORST Streckmetall GmbH in Hannover. Zum Beispiel in Möbeln, Garagentoren, Dächern, Autotüren – und sogar in Hörgeräten. „Man erkennt es nur oft nicht als solches, weil es von der Herstellung her ein bisschen exotisch ist“, sagt Müsch. Genau das mache Streckmetall so interessant.
Was also ist Streckmetall? Anders als bei Lochblech wird bei diesem Werkstoff nichts ausgestanzt oder herausgeschnitten. Das Metallband wird stattdessen versetzt eingeschnitten und auseinandergebogen. So entsteht die typische Maschenstruktur – und das ohne Materialverlust.
Aus einem Meter Blech können so bis zu zwei Meter Streckgitter werden. „Dabei fällt kein Schrott an“, erklärt Müsch. „Das ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sehr ressourcenschonend.“
Die Auto-Industrie braucht Streckmetall für Filter und Karosserie
SORST Streckmetall verarbeitet ganz unterschiedliche Metalle: Stahl, Aluminium, Edelstahl, Nickel, Titan. Für einen Kunden in der Schweiz verarbeiten die Niedersachsen sogar Goldfolie. In den Streckmaschinen entstehen daraus Gitter in sehr unterschiedlichen Dimensionen. Größere Maschen für sichtbare Anwendungen – und extrem kleine Strukturen, die mit bloßem Auge kaum noch als Streckmetall zu erkennen sind.
Gerade diese feinen Produkte gehören zu den Spezialitäten des Unternehmens, das auf Streckmetalle für die industrielle Anwendung spezialisiert ist. Dazu zählen Filter, Automotive-Komponenten, Dachanwendungen und zunehmend Produkte für die Wasserstofftechnologie.
Aus einem Meter Blech können bis zu zwei Meter Streckgitter werden
Der Durchsatz ist enorm: Mit seinen 63 Mitarbeitenden verarbeitet SORST jährlich rund 5.000 bis 6.000 Tonnen Material. Die reine Tonnage erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Schließlich gehören zum Produktmix auch Leichtmetalle und besonders feine Folien, die wenig Gewicht, aber hohe technische Anforderungen haben.
Auf großen Maschinen laufen mehrere Hundert Hübe pro Minute, bei sehr feinen Maschen können es mehrere Tausend Hübe sein. „Dann summt die Maschine wie eine Nähmaschine“, beschreibt Müsch den Prozess.
Durch seine breite Kundenpalette kann sich das Unternehmen auch in der aktuellen Krise gut behaupten. Interessanterweise ist gerade die Auto-Industrie ein Stabilitätsanker: Denn Streckmetall kommt in den Karosseriekomponenten zum Einsatz und ist damit antriebsunabhängig.
In anderen Bereichen spürt Müsch jedoch die Zurückhaltung der Märkte. „Im Bereich der Standardindustrie, bei Komponenten für den Maschinenbau, bei Wasserstoff oder Filtern – überall da ist die Nachfrage geringer“, sagt er. Hinzu kommen ein starker Preisdruck und Verwerfungen auf den Weltmärkten.
SORST wurde schon 1867 gegründet
Seit 2022 gehört SORST zur MEISER Gruppe. Die Geschichte des Unternehmens reicht mehr als 150 Jahre zurück: Gegründet wurde es bereits 1867 von Wilhelm Sorst als kleine Schlosserei. Erst wurden Lochbleche produziert, ab 1919 auch Streckgitter.
Schon zwei Jahre später zählte das Unternehmen in diesem Bereich zu den führenden Herstellern. 1998 schließlich wurden Lochblech- und Streckmetallproduktion getrennt. Und die Streckmetallsparte zog an den heutigen Standort in Hannover.
Müsch ist erst seit 2023 Geschäftsführer. Der gelernte Eisenhüttenmann – heute würde man Metallurge und Werkstofftechniker sagen – kam nach Stationen bei Mannesmann, der Salzgitter AG und einem Familienunternehmen aus dem Werkzeugbau zu SORST. Gereizt haben ihn auch die Zukunftsthemen, sagt er: „Den Fokus auf neue Branchen wie die Wasserstofftechnologie und erneuerbare Energien fand ich spannend.“
„Unseren Fokus auf neue Branchen finde ich spannend“
Klaus Müsch, Geschäftsführer SORST
Streckmetall ist ideal für Elektrolyseure
Gerade im Bereich Wasserstoff sieht Müsch Potenzial. Für Elektrolyseure – die Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff umwandeln – ist Streckmetall nämlich das perfekte Material: Es leitet Strom und lässt zugleich Gas und Flüssigkeit passieren. Zwar sei die Wasserstoff-Euphorie zuletzt etwas abgeklungen: „Aber die Technologie wird bleiben.“
Zukunftstechnologie Wasserstoff
Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger der Zukunft, vor allem für die Industrie. Er kann helfen, viele Prozesse klimafreundlicher zu machen, etwa in der Stahl- oder Chemieproduktion. Für die Herstellung von Wasserstoff kommen unter anderem Elektrolyseure zum Einsatz. Diese spalten Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff. Dabei sind Materialien gefragt, die Strom leiten und zugleich Gase oder Flüssigkeiten durchlassen – Eigenschaften, die Streckmetall mitbringt.
Sein Ziel ist, Streckmetall insgesamt bekannter zu machen. „Viele Kunden greifen automatisch zu Lochblech oder Draht, ohne die Alternative zu kennen“, sagt er. Dabei sei Streckmetall oft die bessere und günstigere Wahl.
SORST wird ab Oktober zur MEISER Streckmetall GmbH umfirmieren. „Das verbindet unser Traditionsunternehmen mit den Stärken unserer weltweit agierenden Muttergesellschaft“, so Müsch. Gute Aussichten für ein Produkt, das überall drinsteckt, aber kaum jemand beim Namen kennt.
Das Unternehmen
- Als Tochter der MEISER Gruppe ist SORST Streckmetall ein auf Streckmetalle und Streckgitter spezialisierter Hersteller mit Sitz in Hannover. Weltweit sind die Niedersachsen hier eine der führenden Marken.
- Der Mittelständler produziert für viele Branchen, vor allem für Automotive und die Baubranche, aber auch für Zukunftsindustrien wie etwa Wasserstoff.
- Gegründet wurde das Unternehmen schon 1867 als kleine Schlosserei. Heute beschäftigt SORST in Hannover 63 Menschen.

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.
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