Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Laut Hajo Rosenbrock lassen sich Sportler vor allem durch Sinn motivieren und weniger über Druck.
  • Gute Teamleistung entsteht, wenn Beschäftigte ihre Rolle kennen und eigene Entscheidungen treffen können.
  • Fehler und Kritik sollten als Chance zum Lernen gesehen werden.

Vom Sport können Unternehmen viel lernen – besonders in Sachen Motivation. Was Führungskräfte von Spitzensportlern lernen können, dazu hat aktiv Hajo Rosenbrock befragt. Der Sportmanager ist Vorstandsvorsitzender des Turn-Klubb zu Hannover.

Herr Rosenbrock, Wirtschaft und Leistungssport: Sind das zwei verschiedene Welten oder gibt es Überschneidungen?

Die Wirtschaft kann sich vom Sport einiges abgucken. Zum Beispiel, dass bei uns im Sport nicht in erster Linie das zahlenmäßige Ziel im Mittelpunkt steht, sondern die Entwicklung von Menschen. Im Sport sind wir davon überzeugt: Wenn wir Menschen so motivieren, dass sie gern eigene Entscheidungen treffen, dann wirken sie viel stärker an der Zielerreichung mit.

Müssen sich Betriebe also stärker mit der Frage beschäftigen, was Mitarbeiter motiviert?

Ja. Und ich glaube, viele Unternehmen haben das auch erkannt. Natürlich braucht es Ziele und ein gewisser Druck kann auch hilfreich sein. Aber noch wichtiger ist es, auf Sinn und Vertrauen zu setzen. Und es schadet auch nicht, seine Mitarbeitenden mal zu fragen: Was brauchst du, damit du bei uns erfolgreich sein kannst?

„Me first? Bringt nur was, wenn du Sprinter werden willst“ 

Hajo Rosenbrock

Das klingt nach viel Eigenverantwortung. Und die wollen vielleicht gar nicht alle.

Das stimmt. Nicht jeder möchte im gleichen Maß Entscheidungen treffen. Es gibt auch Mitarbeitende, die sagen: Ich will gar nicht so maßgeblich entscheiden. Aber grundsätzlich müssen wir daran arbeiten, dass Menschen das Vertrauen haben, Entscheidungen im Sinne des Teams zu treffen. Im Sport heißt es: „Me first“ bringt nur was, wenn du Sprinter werden willst. Im Team hilft es mehr, wenn ein Spieler alle anderen besser macht.

Wie lässt sich dieser Teamgedanke auf Unternehmen übertragen? Zum Beispiel auf eine Schicht im Betrieb?

Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Ein Tipp: Schaffen Sie Zeiten, in denen die Menschen, die miteinander arbeiten, miteinander reden können. Damit meine ich nicht nur ein Incentive, sondern zum Beispiel einen Workshop. Darin klärt man dann Fragen wie: Welche Abläufe funktionieren gut, welche nicht? Wie können wir uns gegenseitig noch besser unterstützen? Mein zweiter Tipp: Schaffen Sie einen Rahmen! Der Einzelne muss wissen, was seine Rolle ist. Und es sollte ihm immer klar sein: Wir möchten, dass du dort, wo es möglich ist, selbst Entscheidungen triffst.

Und wenn dabei Fehler passieren?

Dann darf das kein Beinbruch sein! Wenn eine Entscheidung falsch war, kann man sie im Feedback korrigieren, damit der Fehler nicht noch einmal passiert. Der verschossene Elfmeter oder der letzte Freiwurf, der nicht fällt, der ist halt passiert. Entscheidend ist, was vorher und nachher passiert: viele Wiederholungen, viel Training. Das senkt die Wahrscheinlichkeit dafür, den Fehler erneut zu machen.

Wie gelingt denn Kritik, ohne dass sie als Angriff missverstanden wird?

Indem man sie transparent und sichtbar macht. Im Sport nutzen wir dazu Videoanalysen: Das Spiel vom Wochenende wird mit verschiedenen Schnitt- und Videoprogrammen auseinandergenommen. Dadurch wird Kritik objektivierbar. Im Basketball kann man zum Beispiel sehen: Da wurde die falsche Entscheidung getroffen, da hat sich jemand zu weit von der Gegenspielerin entfernt. Wenn der Trainer dann nicht sagt: „Bist du doof?“, sondern fragt: „Schau mal, was ist hier passiert? Was wäre der bessere Weg gewesen?“ Dann entsteht Lernen.

Isabel Link
Autorin

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.

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