Herr Bauer, Bayern ist das beliebteste Urlaubsziel in Deutschland. Warum kommen die Menschen so gern in den Freistaat?
Bayern steht einfach für Urlaub, es hat eine klare Marke herausgebildet. Und die Attraktionen sind vielfältig. Zunächst gibt es die Natur, vor allem die Berge. Dabei denke ich aber nicht nur an die Alpen, sondern auch an Mittelgebirge wie den Bayerischen Wald. Dazu kommen Kultur und Sehenswürdigkeiten. In Würzburg oder Bamberg beispielsweise gehören sie sogar zum Weltkulturerbe. Auch die kulinarischen Angebote in Bayern sind hervorragend. Neben dem bekannten Bier gibt es auch die Weinkultur in Franken, die geschätzt wird.
Die Alpenregion prägt aber nach wie vor Bayerns Bild, richtig?
Ja, das ist noch so. Neuschwanstein, Berge und das Oktoberfest haben immer noch viele Menschen zuerst im Kopf, wenn sie an Bayern denken. Brauchtum, Tracht und Bier – dieses Bild polarisiert übrigens sehr stark. Manche Menschen in Deutschland mögen es überhaupt nicht, andere dagegen sehr. Und die kommen dann als Gäste – im Sommer wie im Winter. Denn Bayern ist im Gegensatz zu anderen Regionen das ganze Jahr über attraktiv. Das ist ein großer Vorteil im Tourismus. Anbieter sind immer bestrebt, ihre Infrastruktur ganzjährig auszulasten.
Den Hotels und Restaurants spülen die vielen Gäste ordentlich Geld in die Kasse. Wer hat denn sonst noch was davon?
Vom Tourismus profitiert eine ganze Region. Es gibt nachgelagerte und indirekte Effekte, die extrem wichtig sind. Touristen kaufen etwa beim Bäcker und Metzger ein, Hotels beauftragen Handwerker, Angestellte geben ihr Einkommen im Einzelhandel aus. Man kann davon ausgehen, dass diese indirekten Effekte rund 40 Prozent des ökonomischen Gesamteffekts des Tourismus ausmachen.
Die großen Spaßbäder, die es in Urlaubsorten gibt, gäbe es dort ohne Touristen auch nicht, oder?
Das stimmt. Welche Gemeinde könnte sich denn ohne Touristen solche Bäder leisten? Tourismus trägt dazu bei, die Attraktivität einer Region zu steigern. Auch ein besseres ÖPNV-Angebot ist ein Beispiel dafür. Lebensqualität und Freizeitwert sind in touristisch geprägten Regionen höher.
Viele Menschen klagen aber auch über die vielen Touristen, etwa wegen verstopfter Straßen.
Ja, es gibt die negativen Seiten. Höhere Immobilienpreise gehören auch dazu. Die Akzeptanz des Tourismus ist aktuell groß, aber die Stimmung kann natürlich auch kippen. Klar ist: Ohne die Akzeptanz der Einheimischen kann es keinen zukunftsfähigen Tourismus geben. Man muss die Menschen mitnehmen und die positiven Seiten kommunizieren: Wertschätzung durch Wertschöpfung.
Lassen sich Touristenströme eigentlich gezielt lenken, um Überlastungen zu vermeiden?
Ich glaube, Menschen lassen sich nur begrenzt lenken. Wer nach Neuschwanstein will, will nach Neuschwanstein. Zeitlich kann man die Besucherströme schon entzerren, etwa durch Ticketsysteme. Beim Wandern sind Touristen eher bereit, sich regional umzuorientieren. Aber es braucht dann auch die passende Infrastruktur. Einfach ist es nicht.
Wie sind die Aussichten für den bayerischen Tourismus?
Die sind grundsätzlich gut, auch wenn Fachkräftemangel, Bürokratie und hohe Kosten, etwa bei der Energie, den Betrieben zusetzen. Der Klimawandel wird den Winterurlaub an manchen Orten verändern. „Schnee kann, aber muss nicht“ – das sollte dann dort die Devise sein. Skifahren wird sicher nicht mehr überall möglich sein.

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.
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