Dresden. Reinhard Bütikofer legt sich ins Zeug: Der Industriepolitiker der Grünen im Europaparlament ist mit seinem konservativen Kollegen und Agrarexperten Peter Jahr ins Pharmawerk Menarini von Heyden gekommen – zum Europadialog der Chemie- und Pharmabranche.

Sie treffen das Management, den Betriebsrat sowie Vertreter des Verbandes der chemischen Industrie Nordost und der Chemie-Gewerkschaft. Man diskutiert, was die Europäische Union ihnen, ihrem Standort und ihren Jobs bringt.

Menarini-Werk nutzt die Vorteile des EU-Standorts

Werkleiter Edwin Anton stellt die Fabrik mitten in Sachsens Landeshauptstadt vor: „Seit dem Einstieg von Menarini vor zwölf Jahren sind wir immer gewachsen. Über 60 Millionen Euro wurden investiert.“ Aktuell arbeiten hier über 400 Beschäftigte, fertigen im Jahr mehr als 2.200 Tonnen Tabletten für den italienischen Konzern mit Sitz in Florenz (17.000 Mitarbeiter). Auch 2019 soll das Werk weiter wachsen.

Sie produzieren Arzneien und sogenannte Nachahmer (Generika), alles erschreibungspflichtige Produkte. Die gehen in 142 Länder, alle in fester Darreichungsform. Warum passiert das in Europa und nicht in Asiens Billiglohnländern?

„Die politische Lage in der EU ist stabil und berechenbar. Der Handel mit aller Welt wie auch die Produktion unterliegen festen Regeln, die Lieferkette im EU-Raum funktioniert reibungslos“, betont der Werkleiter die Vorzüge des Standorts. Das mache die Jobs sicher.

Ein Thema in der Runde ist dann auch die Konkurrenz aus Asien, besonders die Pharmawirkstoff-Produktion. Wieso stellen etwa nur noch China und Indien Wirkstoffe für Antibiotika her? Zwar preiswert, aber oft zu Lasten von Sicherheit, Umwelt und Gesundheit der Belegschaft? Ist Europa davon abhängig? Ist das Versorgungssicherheit, fairer Wettbewerb?

CDU-Mann Peter Jahr sagt zu Reinhard Bütikofer: „Das Thema sollten wir gemeinsam ansprechen!“ Der Grüne nickt, wird grundsätzlich: „Wir brauchen in Europa eine gemeinsame Industriepolitik. Eine Strategie, die unserer Industrie im Wettbewerb mit Asien und den USA eine Zukunft garantiert.“ Man dürfe nicht auf Kosten künftiger Generationen oder zu Lasten von Umwelt und Klima wirtschaften. So ließen sich auch soziale Probleme fernhalten.

EU-Länder müssen eng zusammenarbeiten

Zustimmung in der Runde. Der Weg zu einer starken und funktionsfähigen EU, die Probleme rasch löst und im Wettlauf mit den Supermächten bestehen kann, bleibt heute offen. Fazit des Dialogs: Erreichen können die EU-Staaten nur etwas, wenn sie eng zusammenarbeiten.