Wenn Menschen erzählen, warum sie gerne zur Arbeit gehen, fällt oft ein Wort: Wertschätzung. Sie möchten im Arbeitsalltag ernst genommen, gehört und gebraucht werden. Dabei geht es nicht nur um formelles Lob oder jährliche Mitarbeitergespräche. Wichtig ist auch eine Haltung, die sich im täglichen Miteinander zeigt.

Für Unternehmen lohnt es sich, genau dies zu beherzigen und einen wertschätzenden Umgang im Betrieb zu fördern. Denn Mitarbeiter, deren Leistung gesehen und gewürdigt wird, sind motivierter, engagierter und produktiver. Zudem sind sie ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler. Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten kommt es darauf an, dass das feste Band zwischen Unternehmen und Beschäftigten intakt bleibt.

Führungskräfte spielen für Bindung der Mitarbeiter eine Schlüsselrolle

Laut der großen internationalen Studie „Employer Brand Research“ des Personaldienstleisters Randstad ist in Deutschland der Mangel an Anerkennung und Wertschätzung mit 41 Prozent der am häufigsten genannte Grund dafür, dass Motivation und Engagement von Beschäftigten sinken. Wenig Gehalt oder eine übermäßige Arbeitsbelastung kommen bei den Befragten erst dahinter.

„Wertschätzung und Anerkennung sind zwei Seiten derselben Medaille – und haben einen starken Einfluss auf unsere Motivation und Produktivität“, erläutert Verena Menne, Personalchefin beim Personaldienstleister Randstad Deutschland. „Das hat nicht nur mit positivem Feedback auf erledigte Aufgaben zu tun“, sagt die Expertin für Personalfragen, „sondern mit konstruktiver Kritik, die zur Weiterentwicklung und zum Zusammenhalt der Teams in schwierigen Zeiten und bei herausfordernden Projekten beiträgt.“

Führungskräfte spielen für die Motivation der Mitarbeiter und ihre Bindung ans Unternehmen eine Schlüsselrolle. So ist schlechte Führung laut der aktuellen Randstad-Studie ein wichtiger Kündigungsgrund: 20 Prozent der Menschen gaben an, dass sie bei schlechter Führung ihrem aktuellen Arbeitgeber den Rücken kehren würden.

Zufriedene Beschäftigte sind für Unternehmen beste Werbung

„Selbst wenn Mitarbeitende nicht kündigen, kann ein bestimmtes Führungsverhalten ihre Motivation langfristig dämpfen und Leistung beeinträchtigen“, warnt Personal-Expertin Menne. Und auf lange Sicht neigen laut Studie auch unmotivierte Mitarbeitende dazu, ihre Stelle zu kündigen: 29 Prozent der Befragten, die sich als unmotiviert bezeichnen, haben eine entsprechende Absicht geäußert.

Dass für viele Beschäftigte ein gutes Miteinander im Job keine Nebensache ist, zeigt auch eine Umfrage aus dem „HR-Report 2025“ des Software-Anbieters Factorial. Demnach ist zwar für 29 Prozent der Befragten das Gehalt der wichtigste Aspekt an einem Job. Danach rangiert mit 22 Prozent die Work-Life-Balance als zweiter wichtiger Punkt. Aber schon auf Platz drei folgt mit 17 Prozent das kollegiale Umfeld.

Auch in dieser Studie sind für viele die eher „weichen“ Faktoren bei der Frage wichtig, ob man seiner Firma die Treue hält. Ein schlechtes Arbeitsklima (47 Prozent) und fehlende Wertschätzung (42 Prozent) werden als Grund für eine Kündigung nur vom schlechten Gehalt (51 Prozent) übertroffen. Beim Arbeitsklima geht es den Beschäftigten vor allem um das gute menschliche Miteinander: Respekt, Zusammenhalt, Kommunikation und Vertrauen.

Am Ende arbeiten zufriedene Beschäftigte nicht nur besser und bleiben ihre Firma länger erhalten. Sie sind in Zeiten des Fachkräftemangels auch beste Werbung für den eigenen Arbeitgeber. Denn sie sind ein glaubwürdiger Botschafter des Unternehmens und prägen die öffentliche Wahrnehmung ihrer Firma – auf Social Media, auf Bewertungsplattformen und im Fußballverein.

Michael Stark
aktiv-Redakteur

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.

Alle Beiträge des Autors