Berlin/Köln. Stellen Sie sich mal kurz vor, Sie könnten einen Haufen Geld vom Staat geschenkt bekommen. Zweckgebunden. Sie ahnen zwar schon, dass Sie diese Subvention wohl irgendwie teilweise selbst finanzieren werden, vielleicht sogar am Ende gar nichts davon haben. Aber würden Sie das Geschenk nicht trotzdem erst mal einsacken?

Eben. Das ist das große Problem beim neuen Baukindergeld, das ab sofort beantragt werden kann: Es wird ein Renner werden, Millionen Bürger werden es in Anspruch nehmen.

„Auf Dauer kostet es nach unserer Einschätzung 4 Milliarden Euro jährlich“, sagt Professor Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Und betont: „4 Milliarden für fast nichts.“

Die neue Subvention in Kürze: Die erste private Eigenheim-Finanzierung einer Familie wird zehn Jahre lang direkt bezuschusst – mit 1.200 Euro pro Jahr und Kind. Eine Familie mit drei Kindern kann also insgesamt 36.000 Euro kassieren. Kinderlose bekommen nichts, Besserverdiener bleiben generell außen vor. Alle Details erklärt ein Merkblatt der Förderbank KfW.

Ballungsraum wird noch teuer, Provinz noch mehr zersiedelt

Voigtländer hält das für eine schlechte Idee, aus drei Gründen. „Erstens führt das Baukindergeld in Ballungsgebieten mit wenig Bauland zu noch höheren Preisen. Denn es wird einfach seitens der Anbieter eingepreist – schließlich wissen die, dass die Kundschaft jetzt entsprechend mehr Geld mitbringt.“

Wer sich also in Berlin, Frankfurt oder München eine Wohnung leistet, hat am Ende keinen echten Vorteil von der Staatsknete – die er als Steuerzahler aber teils selbst bezahlt.

Zweitens wird die Provinz noch mehr zersiedelt: Auf dem Land wird die Subvention oft zu Neubauten in Dörfern führen, in denen schon jetzt viele Häuser leer stehen. „Es wäre daher sinnvoll, das Baukindergeld in Gegenden mit schrumpfender Einwohnerzahl nur für den Kauf bestehender Häuser zu gewähren“, sagt Voigtländer.

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Teuer, aber kaum Wirkung: Das hatten wir schon bei der Eigenheimzulage

Und drittens gibt es noch das, was Ökonomen einen „Mitnahme-Effekt“ nennen: Familien, die ohnehin gebaut hätten, werden die Förderung natürlich gerne mitnehmen. Dass in solchen Fällen kein zusätzlicher Wohnraum entsteht, ist klar.

Teuer, aber kaum Wirkung: Das galt auch für die Eigenheimzulage, die 2006 genau deshalb abgeschafft wurde. „Nun kehrt diese Fehlsubvention in neuer Form zurück“, ärgert sich der Ökonom. „Obwohl das eigentlich alle, die sich in Sachen Wohnungsmarkt auskennen, für falsch halten.“

Wobei Voigtländer es an sich ja prima findet, dass die Bundesregierung sich endlich wieder um das drängende Thema Wohnungsbau kümmert – und dabei auch einige gute Ideen verfolgt. Zum Beispiel ein Bürgschaftsprogramm: Eine Bürgschaft der Förderbank KfW über 20 Jahre soll den nötigen Eigenkapitalanteil bei der Baufinanzierung senken. „Das würde sehr gut funktionieren, wie uns das Beispiel Holland zeigt.“

Rein rechnerisch gibt’s genug Wohnungen im Lande

Auch eine deutliche Senkung der Grunderwerbsteuer würde potenziellen Eigenheimern sinnvoll helfen, sagt Voigtländer – „oder zumindest ein hoher Steuerfreibetrag für private Ersterwerber“. Und den Makler sollte auch beim Hauskauf der bezahlen, der ihn bestellt hat.

Mit den vielen Steuer-Milliarden, die das jetzt geplante Baukindergeld zu verschlingen droht, würde der Experte lieber die ländliche Infrastruktur stärken: Wird die Provinz wieder attraktiver, mildert das die Wohnungsnot. „Wir haben ja rein rechnerisch mehr als genug Wohnungen in Deutschland – aber leider sind sie oft nicht dort, wo derzeit viele Menschen leben wollen.“