Der Musterständer im Showroom muss noch montiert werden, für die Wahl der Farbe reisten die Kunden extra aus den Niederlanden an. Auf den langen stabilen Pappröhren im Versand kleben Adressen in Vancouver/Canada, Reykjavik/Iceland, Kiev/Ukraine. Und gerade hat ein Schiffscontainer das Lager verlassen, vollgepackt mit Ware für die USA. Willkommen bei einem Weltmarktführer!

Der wirkt auf den ersten Blick eher unspektakulär, hier in Neuenrade, aber es glänzt hinter der Kulisse. Die Firma H. Büsche fertigt hochwertige Gardinenstangen und Vorhanggarnituren. 75 Prozent gehen ins Ausland, in mehr als 50 Länder. Die USA sind vorn dabei – ein großer und wichtiger Absatzmarkt für das Unternehmen mit seinen 70 Mitarbeitern.

Zollpolitik von Trump betrachtet man gelassen

Da ist man schnell bei den Trump’schen Zöllen. In Neuenrade sieht man die gelassen. „Um die 10 Prozent auf alles kommen wir nicht herum“, sagt Geschäftsführer Fernando Sanchez, „aber wir bewegen uns im Hochpreissegment. Bei den großen Margen der Händler fällt das nicht so ins Gewicht.“ Und beim hohen Zoll auf Aluminium gehe es nur um den Materialanteil, der im Vergleich zur Produktion ein kleiner Kostenfaktor sei. „Wir müssen das jetzt alles genau auflisten. Kurz gesagt: Wenn 1 Euro Alu enthalten ist, müssen wir auch nur auf 1 Euro Zoll zahlen.“

Das Geschäft läuft also weiter mit Erfolg. „Die Amerikaner sind bereit, viel Geld für die Fensterdekoration auszugeben“, erklärt Vertriebsleiter Antonio Mazziotti: „Und wir haben gute Partner, die Lust darauf haben.“ Sie verkaufen vor allem „komplette Fenster“: fertig gestaltete Dekorationen mit aufeinander abgestimmten Stoffen und Stangen. Das „Made in Germany“ der Marke Büsche zählt dabei, und das nicht nur in den USA.

„Wir produzieren komplett in Deutschland. Deshalb wird es im Ausland gut verkauft“, sagt Mazziotti. Manche Anbieter würden im Ausland produzieren lassen und hier montieren. „Auch das geht als made in Germany durch, das ärgert uns“, meint Sanchez. Zumal die Neuenrader in den letzten Jahren auch ordentlich in eine umweltschonende Produktion investiert haben – in eine Absauganlage in der Schleiferei, ein effektiveres Filtersystem, eine neue Waschanlage.

Weiterhin viel Handarbeit

Am traditionsreichen Standort – Gründungsjahr 1872 – hat man von der Rohform bis zum aufwendigen Finish fast alle Arbeitsschritte selbst in der Hand. Die Bearbeitung der hochwertigen Teile aus Edelstahl, Aluminium oder Messing ist in großen Teilen automatisiert, aber es steckt noch immer viel Handarbeit darin, gerade bei Kleinserien oder Sonderformen sowie in der Oberflächenbearbeitung. Die erfahrenen Schleifer und Polierer sind bislang nicht komplett durch Roboter zu ersetzen. Denen fehlt noch das Feingefühl für die Teile, für die Tricks und Kniffe, die das Produkt makellos machen.

Das alles hat seinen Preis, der in Deutschland eine größere Rolle spiele als in vielen anderen Ländern. Auf die Fensterdekoration werde hier oft nicht so viel Wert gelegt. Es gehe da vor allem um den Stoff, weiß Mazziotti: „Die Stange ist nur das Beiwerk.“

Dabei hat gerade Büsche da einiges zu bieten. 29 unterschiedliche Profilformen und 24 Oberflächen stehen zur Verfügung. 4.565 Standard-Garnituren bilden die Basis. Unterschiedliche Längen, Endstücke, Befestigungen – der Konfigurator im Internet lässt kaum einen Wunsch offen. Und wenn doch, gibt es Sonderanfertigungen. „Auf Wunsch liefern wir auch in Rosa“, schmunzelt der Vertriebsleiter. „Wir haben weltweit die größte Auswahl an dekorativen Möglichkeiten“, betont Sanchez. Das war ein Kriterium für die Auszeichnung als Weltmarktführer. 

Ein anderes: die Innovationen, die in Neuenrade entwickelt werden und die dem Unternehmen einen Vorsprung vor den weltweit nur zwei vergleichbaren Mitbewerbern verschaffen. Pioniere waren die Neuenrader mit der Motorisierung ihrer Produkte, und noch immer seien sie da führend, so Sanchez. Vorhänge lassen sich mit einer einfachen Berührung öffnen oder per Sprachbefehl und Smarthome-System steuern. Die Motortechnik ist mittlerweile nahezu unsichtbar verbaut. Gut angelaufen ist auch das neu auf den Markt gebrachte Rollo-System – schlicht und edel und per Hand, Sprache oder App steuerbar.

Anders als die Endkunden im Ausland stehen die Deutschen diesen technischen Möglichkeiten eher zurückhaltend gegenüber. Ändern könnte sich das über den neuen Vertriebsweg, den das Unternehmen gerade eingeschlagen hat. Es beliefert in Deutschland jetzt direkt die Raumausstatter und nicht mehr die Fachgroßhändler. „Der direkte Draht zu uns als Hersteller funktioniert gut“, sagt Vertriebsleiter Mazziotti.

Deutsche Bürokratie stößt im Ausland auf Unverständnis

Einfach und direkt – das würde man sich bei H. Büsche auch von Bürokratie und Politik wünschen. Der Druck ist groß. Das aktuellste Beispiel: Über mehrere Jahre wurde eine Erweiterung geplant, die beide Firmengebäude verbindet. Gutachten, Begründungen, Konzepte summierten sich auf mehrere Hundert Seiten und insgesamt 40.000 Euro an Kosten.

Als die Baugenehmigung endlich da war, meldete sich der Architekt: Nach der neuen Brandschutzverordnung sei der Bau nicht mehr umsetzbar, die dritte Feuerwehrzufahrt fehle. „Manchmal möchte man hinschmeißen“, klagt Sanchez, aber das kommt für ihn natürlich nicht infrage. 

Und so wird man sich auch bei Büsche weiter mit digitalem Produktdatenpass, Datenschutzverordnung und Lieferkettengesetz auseinandersetzen. Hoffen, dass die neue Regierung etwas ändert. Und versuchen, den Kunden im Ausland die Vorschriften zu erklären. Denn die, sagen Sanchez und Mazziotti übereinstimmend, schütteln oft nur den Kopf über die deutsche Bürokratie.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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