Das Wichtigste auf einen Blick:
- Öl und Gas gehören für die Industrie zu den wichtigsten Energiequellen, auf die sie nicht verzichten kann.
- Insbesondere energieintensive Branchen wie der Metall- und die Chemieindustrie machen die im Zuge des Irankonflikts gestiegenen Preise stark zu schaffen.
- Vor allem in der Basischemie sind Öl und Gas nicht nur Energiequelle, sondern Rohstoff für viele Produkte wie Dünger, Kunstoffe oder Farben.
Der Weg zur Tankstelle – er macht es jedem Autofahrer seit Wochen unmissverständlich klar: Öl ist so teuer wie lange nicht. Benzin kostet rund 20 Prozent mehr als noch im Februar, bei Diesel ist der Aufschlag noch größer. Darüber hinaus ist auch der Preis für Gas gestiegen – wenn auch bei Weitem nicht so extrem wie nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine.
Das alles ist nicht nur ärgerlich für jeden Bürger. Es ist auch ein ernstes Problem für die gesamte Wirtschaft. Insbesondere die Industrie ist von den Folgen des Iran-Konflikts betroffen: Sie verbraucht in Deutschland rund ein Viertel des Öls und gut ein Drittel des gesamten Erdgases. Und beides ist für die Unternehmen sehr relevant: Knapp 30 Prozent des gesamten Energiebedarfs der Industrie stammten 2024 aus Erdgas. Mineralöl steuerte weitere rund 17 Prozent bei. Steigende Preise werden da sehr schnell zur schweren Belastung.

Hinzu kommt: Auch beim Strom, der mehr als ein Fünftel der Energie für die Industrie liefert, sorgt ein steigender Gaspreis für höhere Kosten. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund 15 Prozent des Stromes in Gaskraftwerken erzeugt. Diese werden zwar nicht immer gebraucht. Wenn sie jedoch im Einsatz sind, sind sie in der Regel das teuerste Kraftwerk und somit entscheidend für den Preis.
Energieintensive Betriebe kämpfen besonders mit den hohen Preisen
Eine deutliche Entspannung beim Thema Energie ist wohl auch nicht so schnell in Sicht – selbst wenn sich die Lage um den Iran in den kommenden Wochen stabilisieren sollte. Denn Experten erwarten, dass es auch dann noch Monate dauern könnte, bis Lieferketten wieder funktionieren und strategische Reserven wieder aufgefüllt sind. Zudem ist die Energie-Infrastruktur in der Region beschädigt. Das bremst auf mittlere Sicht Förderung und Produktion. Und hält den Preis hoch.
Für viele Unternehmen sind das schlechte Nachrichten. Und für manche ist es nicht weniger als eine Katastrophe. Denn die meiste Energie und damit auch der größte Anteil an Öl und Gas wird in nur wenigen Branchen verbraucht. Sie sind besonders betroffen. Zu diesen energieintensiven Industrien gehört neben der Metallerzeugung und -bearbeitung vor allem die Chemie-Industrie, die ohnehin schon seit Jahren mit hohen Energiepreisen am Standort Deutschland und mit ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen hat.
„Für viele Unternehmen geht es jetzt um die Existenz“
Anna Wolf, Expertin am Ifo-Institut
„Die Lage wird immer kritischer“, sagt Branchenexpertin Anna Wolf vom Münchner Ifo-Institut. Dass der Iran-Konflikt die Lage verschlimmere, sei noch viel zu milde ausgedrückt, meint sie. „Für viele Unternehmen geht es jetzt um die Existenz“, warnt die Ökonomin. „Denn sie waren vor dem aktuellen Schock schon geschwächt.“
Neben Chemie und Metallverarbeitung besonders betroffen von den hohen Energiepreisen sind Kokereien und Verarbeiter von Mineralöl. Hinzu kommen außerdem die Papier-Industrie, Glas-, Keramik- und Baustoffhersteller sowie die Produzenten von Nahrungs- und Futtermitteln. All diese energieintensiven Branchen zusammen erbringen etwa ein Fünftel der industriellen Wertschöpfung in Deutschland – verbrauchen aber rund vier Fünftel der in der Industrie genutzten Energie.
Vor allem in der Chemie liefern Öl und Gas nicht nur Wärme und Strom, sondern sind Basisrohstoffe
Dabei geht es nicht nur um Strom und Wärme. Ein Zehntel der Energieträger dient als Grundstoff für verschiedene Industrieprodukte. Besonders relevant ist das in der Chemie. Hier liegt dieser Anteil der nicht energetischen Nutzung sogar bei einem Drittel. Mithilfe von Erdgas wird dort zum Beispiel Ammoniak gewonnen – die Basis etwa für Stickstoffdünger und Medikamente. Erdöl wird unter anderem zur Herstellung von Kunststoffen, Farben und Lösungsmitteln benötigt.

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.
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