Bürokratie ist nicht nur nervig und zeitraubend, sie geht auch mächtig ins Geld. Das gilt nicht zuletzt für die Sozialversicherungen. Sie geben jährlich 24,6 Milliarden Euro allein für ihre Verwaltung aus. Das zeigen aktuelle Berechnungen der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Die Kosten sind höher als alle Ausgaben für Elterngeld, Wohngeld und BAföG (Ausbildungsförderung) zusammen. 

Durch straffere Verwaltungsstrukturen könnten Kosten gesenkt und die Beitragszahler – also Betriebe und Beschäftigte – entlastet werden, betont Dr. Rainer Dulger. „Wir brauchen eine Sozialversicherung, die effizient, digital und kostenbewusst arbeitet“, fordert der BDA-Präsident. Von den insgesamt fast 25 Milliarden Euro entfällt der größte Teil, nämlich 10,9 Milliarden Euro, auf die Krankenversicherung. Jeweils 5 Milliarden kostet die Verwaltung der Arbeitslosen- und der Rentenversicherung.

Arbeitslosenversicherung mit höchstem Versicherungsaufwand

Anteilig an ihren Gesamtausgaben gibt allerdings die Arbeitslosenversicherung mit 14 Prozent am meisten für Verwaltung aus. Bei der gesetzlichen Unfallversicherung sind es 11,5 Prozent. Die niedrigste Kostenquote hat die Rentenversicherung mit 1,2 Prozent. Aber selbst das addiert sich laut BDA auf Kosten von 4,8 Milliarden Euro pro Jahr. 

Bei der Pflegeversicherung macht die Verwaltung mit 2,2 Milliarden Euro 3,8 Prozent ihrer gesamten Ausgaben aus. Der hohe Verwaltungsanteil der Arbeitslosenversicherung liegt nicht zuletzt daran, dass die persönliche Beratung von Arbeitslosen aufwendiger ist als das Bearbeiten von Rentenansprüchen. Allerdings sei der Personalbestand der Sozialversicherungen alles in allem auffallend hoch, kritisiert Arbeitgeberpräsident Dulger: „Heute arbeiten mehr Beschäftigte in den Verwaltungen der Sozialversicherung als zum Beispiel in der gesamten Landwirtschaft.“

Stephan Hochrebe
aktiv-Redakteur

Nach seiner Redakteursausbildung absolvierte Stephan Hochrebe das BWL-Studium an der Universität zu Köln. Zu aktiv kam er nach Stationen bei der Funke-Mediengruppe im Ruhrgebiet und Rundfunkstationen im Rheinland. Seine Themenschwerpunkte sind Industrie und Standort – und gern auch alles andere, was unser Land am Laufen hält. Davon, wie es aussieht, überzeugt er sich gern vor Ort – nicht zuletzt bei seiner Leidenschaft: dem Wandern.

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