Das wichtigste auf einen Blick:

  • Die Unternehmen der Verpackungs-Industrie liefern Produkte für die Konsumgüter-Industrie. Die Kaufzurückhaltung der Kunden trifft sie deshalb hart.
  • Kostendruck, Bürokratie und Energiekosten zehren an der Wettbewerbsfähigkeit der oft mitteständischen Verpackungsunternehmen.
  • Der Branchenverband HPV fordert weitreichende Reformen, die Konzepte dafür liegen schon lange auf dem Tisch.

Die Kaufzurückhaltung der Menschen hierzulande hat auch schmerzliche Folgen für die Betriebe der Papier- und Kunststoffverarbeitung. Über die Situation der Branche sprach aktiv auf der Jahrestagung des Arbeitgeberverbands HPV mit dessen wiedergewähltem Präsidenten Jürgen Peschel und dem neuen Vorsitzenden des Sozialpolitischen Hauptausschusses, Peter Penke-Wevelhoff.

Ihre Ehrenämter im HPV kosten Sie viel Zeit. Warum engagieren Sie sich eigentlich im Verband?

Penke-Wevelhoff: Mich motiviert, dass ich dort wirklich mitgestalten und Dinge voranbringen kann. Meine Arbeit trägt aktiv dazu bei, dass unsere Sozialpartnerschaft funktioniert. Das bringt uns gemeinsam weiter. Mit dieser Einstellung trete ich auch meine neue Aufgabe als Vorsitzender des Ausschusses an. Am Ende geht es darum, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu bewegen – für die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerseite.  

Peschel: Ehrlich gesagt ist mir das längst ein bisschen zur Gewohnheit geworden. Ich bin ins Ehrenamt hineingewachsen: Schon als Schüler habe ich Verantwortung übernommen. Ich kann mitgestalten, werde gebraucht. außerdem erfüllt mich diese Arbeit. Die Verhandlungsführung macht mir auch weiterhin Spaß.  

Fakten & Hintergründe

Wir sprechen in sehr angespannten Zeiten: Viele Betriebe arbeiten im Krisenmodus. Wie ernst ist die Lage ?

Penke-Wevelhoff: In der Verpackungsbranche ist es meiner Meinung nach schon eine Minute vor zwölf. Die Menschen kaufen nur noch das, was sie wirklich brauchen. Dabei ist genug Geld da. Viele Emotionskäufe bleiben derzeit aus und was nicht gekauft wird, das muss auch nicht verpackt werden. Politische Unsicherheit und internationale Krisen verstärken diese Kaufzurückhaltung noch: Die Konsumenten sparen, weil sie Angst vor der Zukunft haben. Das trifft uns als eine Branche, in der die meisten Unternehmen den Konsumgütermarkt beliefern, extrem hart. 

HPV Wahlen: Jürgen Peschel erneut zum Präsidenten gewählt

Die Delegierten des Hauptverbands Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) haben im Rahmen ihrer Verbandstagung Jürgen Peschel einstimmig als HPV-Präsidenten wiedergewählt. Er wird den Verband auch in der nächsten Tarifrunde wieder als Verhandlungsführer vertreten. Dörte Raasch von Yamaton Paper in Rostock und Peter Penke-Wevelhoff von Heyne & Penke Verpackungen in Dassel (Niedersachsen) wurden als Vizepräsidentin und -präsident wieder- beziehungsweise neu gewählt. Weiteres Mitglied im Vorstand des Sozialpolitischen Hauptausschusses (SH) ist Roland Walter von Walter Verpackungen in Offenbach. Er wurde als Schatzmeister wiedergewählt. Im SH des HPV hat Peschel den Stab an Penke-Wevelhoff übergeben, der neu zum SH-Vorsitzenden gewählt wurde. Peschel unterstützt den Hauptausschuss weiterhin. Er wurde in den turnusgemäßen Wahlen neben Wolfgang Thissen von der Walki Group aus Steinfurt in den Vorstand des Gremiums gewählt.

Peschel: Ja, diese Entwicklung ist gefährlich. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Menschen hierzulande so knapp bei Kasse ist, dass sie kein Geld ausgeben kann. Das zeigt die immer noch hohe Sparquote von zuletzt über 10 Prozent. Den Menschen fehlt aber einfach die Perspektive. Sie halten ihr Geld lieber zusammen. Und diese fatale Entwicklung führt letztlich zu Stillstand in der Wirtschaft, nicht nur in unserer Branche.  

Jürgen Peschel, Präsident des HPV:„Die Lösungen liegen doch alle schon längst auf dem Tisch. Die Politik muss diese Reformen jetzt anpacken.“
Jürgen Peschel (73) Bild: aktiv/Saskia Uppenkamp
  • Er ist seit 2016 Präsident des Hauptverbands Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) und hat seit 2012 den Vorsitz im Sozialpolitischen Hauptausschuss des HPV.
  • Peschel hat langjährige Führungserfahrung als Regionalleiter Ost in der Leitung von Smurfit-Kappa Wellpappewerken gesammelt.
  • Er gilt als verhandlungsfest und steht für eine maßvolle, realitätsnahe Tarifpolitik.

Was treibt die Unternehmen noch um?

Penke-Wevelhoff: Besonders für uns Mittelständler kommt hinzu, dass mittlerweile die unternehmerische Planbarkeit fehlt. In der Zeit vor Corona konnte man drei Jahre im Voraus planen – heute wäre das nur noch Glaskugellesen. Schon ein Jahr vorauszuschauen, ist angesichts der globalen Unsicherheiten kaum mehr möglich. Da überlegt man sich schon sehr genau, ob man eine angedachte Investition wirklich noch durchziehen will. Und neben dem täglichen Geschäft müssen wir uns jeden Tag mit den Energiepreisen und zusätzlich noch mit Umweltauflagen, mit Statistiken und bürokratischen Vorgaben beschäftigen: Das treibt die Kosten nach oben und zehrt an unserer Wettbewerbsfähigkeit. 

Wie kann die Politik helfen, was muss passieren?

Peschel: Die Lösungen liegen alle schon längst auf dem Tisch. Die Politik muss die wichtigen Reformen endlich anpacken. Das beginnt bei den hohen Lohnnebenkosten und beim Bürokratieabbau. Das geht weiter über den Fachkräftemangel und endet noch lange nicht mit der Steuerlast. Die Politik muss helfen, den Kostendruck in den Unternehmen und bei den Beschäftigten zu verringern, das Land wieder wettbewerbsfähiger zu machen und alle auch wieder positiver in die Zukunft blicken zu lassen.

Penke-Wevelhoff: Weil da aber leider viel zu wenig passiert, haben viele Mittelständler das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sie verstehen die Politik nicht mehr recht. Dabei stehen die Familienunternehmer, deren Betriebe sich über Generationen entwickelt haben, zum Standort Deutschland. Ihnen fehlt aber das Tempo bei den Reformen. Deshalb muss die Politik bei allen Meinungsverschiedenheiten jetzt zügig liefern. 

Peter Penke-Wevelhoff, Geschäftsführer des Verpackungsunternehmens Heyne & Penke: „Emotionskäufe bleiben derzeit aus. Und was nicht verkauft wird, muss nicht verpackt werden.“
Peter Penke-Wevelhoff (47) Bild: aktiv/Saskia Uppenkamp
  • Er ist stellvertretender Vorsitzender des Verbands Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie Norddeutschlands, kurz VPK Nord.
  • Er führt gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen Heyne & Penke Verpackungen GmbH in Dassel (Niedersachsen) mit 175 Beschäftigten.
  • Er gilt als pragmatischer Mittelständler mit Bekenntnis zum Standort Deutschland.

Mit unterschiedlichen Interessen müssen Sie ja auch umgehen … Wie schaffen Sie das?

Peschel: In meiner Arbeit für die Unternehmen und in den Tarifverhandlungen habe ich immer auf die Kraft der Argumente gesetzt. Gute Argumente und präzise Fakten bringen die Gegenseite nicht unter Druck: Sie lassen Platz für den Austausch und letztendlich für eine Einigung. Die Runden, die ich in Tarifverhandlungen führen durfte, waren darauf ausgelegt, achtsam und wertschätzend miteinander umzugehen, so eine gemeinsame Linie zu finden.

Penke-Wevelhoff: Letztendlich geht es darum, ein für jede Seite vertretbares Ergebnis zu finden. Das kann für beide Seiten auch einmal schmerzhaft sein, in Verhandlungen muss jeder Zugeständnisse machen. Leicht ist das nie. Mit Impulsivität kommt man da nicht weit. Ich setze deshalb trotz der kritischen Situation, in der sich viele Unternehmen unserer Branche befinden, auf Besonnenheit und Ruhe. 

Azubi-Contest 2026: HPV zeichnet kreative Konzepte aus

Welche innovativen Ideen und Konzepte sich rund um das Thema „Fußball-WM“ realisieren lassen, zeigten die Preisträger des Azubi-Wettbewerbs „Verpackung kickt“. Sie wurden anlässlich der HPV-Verbandtagung in Potsdam ausgezeichnet. Auszubildende aus verschiedenen Berufsgruppen der Papier- und Kunststoffverarbeitung – vom Industriemechaniker bis zur Packmitteltechnologin – hatten die Aufgabenstellung, passend zum WM-Auftakt ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Unter den zahlreichen Bewerbungen gelangten drei Teams aufs Treppchen: Das Team der Kolb Group aus Memmingen überzeugte die Jury mit einem Torwand-Partyset und gewann dafür den ersten Preis. Den zweiten Platz belegten Auszubildende der STI Group aus Lauterbach, die eine "Snacks & Drinks"-Arena konzipierten. Der dritte Preis ging an zwei Berufsschüler der Johannes-Gutenberg-Schule Stuttgart, die ein Fußball-Stecksystem entwickelt haben, das Einblick in alle Sportarenen vermittelt.

Anja van Marwick-Ebner
aktiv-Redakteurin

Anja van Marwick-Ebner ist die aktiv-Expertin für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie berichtet vor allem aus deren Betrieben sowie über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Nach der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin studierte sie VWL und volontierte unter anderem bei der „Deutschen Handwerks Zeitung“. Den Weg von ihrem Wohnort Leverkusen zur aktiv-Redaktion in Köln reitet sie am liebsten auf ihrem Steckenpferd: einem E-Bike.

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