Das Wichtigste auf einen Blick:
- Wilhelm Etuis ist für hochwertige Etuis und Displays für Luxusgüter bekannt.
- Das Unternehmen beschäftigt 70 Mitarbeitende, darunter viele Franzosen, die ihren kurzen Arbeitsweg per Rheinfähre zurücklegen.
- Der Mittelständler entwickelt in enger Abstimmung mit Kunden individuelle Verpackungen.
Die Arbeit mit den edlen Schachteln macht ihr immer noch viel Freude – und das nach bald 30 Jahren: „Hier im Sommer 1998 anzufangen, war meine beste Entscheidung“, sagt Rachel Waltsburger zufrieden. An der Maschinenlinie, die sie betreut, werden gerade Schachteln mit einem schicken Papier bezogen.
aktiv ist zu Gast beim Familienunternehmen Wilhelm Etuis, einem Spezialisten für individuelle Verpackungen, in Kappel-Grafenhausen. Diese gut 5.000 Einwohner zählende Gemeinde im Ortenaukreis liegt zwischen Freiburg und Straßburg. Zu den knapp 70 Beschäftigten am Standort zählen denn auch viele Franzosen wie Rachel Waltsburger: Sie nutzen die nahe gelegene Rheinfähre, um den Fluss und damit die deutsch-französische Grenze zu überqueren.
„Bei uns ist alles international: unsere Belegschaft, unsere Lieferanten und vor allem auch unsere Kundschaft.“ So sagt es Christoph Waidele, der das Unternehmen gemeinsam mit Thomas Kunz leitet. Nach seinen Worten gilt Wilhelm Etuis als einer der in Europa führenden Anbieter von Verpackungen, Tragetaschen und Displays für alle besonderen Dinge, mit denen man anderen oder auch sich selbst eine Freude bereiten kann. „Seit über 90 Jahren steht der Name Wilhelm Etuis auf der ganzen Welt für hochwertige Etuis und Displays für Geschenke und Luxusgüter.“
Wilhelm Etuis: Hochwertige Verpackungen mit internationaler Ausrichtung
Der Betrieb war 1934 als Hersteller von Zigarrenkistchen für die nahe gelegene Tabak-Industrie gestartet, schon bald kamen Etuis für Uhren und Schmuck hinzu. Nach und nach hat sich das Unternehmen zum Full-Service-Partner rund um Verpackung und Druck entwickelt. Neben der zentralen Produktion in Deutschland gibt es Fertigungsstätten in Osteuropa und Fernost sowie Tochterunternehmen in Hongkong. Handarbeitsintensive Verpackungen werden bei größeren Auflagen in Asien produziert.
Individuelle Verpackungen als Wachstumstreiber im Projektgeschäft
Kleinere Mengen und besonders aufwendige Etuis für Luxusprodukte werden jedoch bis heute in Kappel hergestellt – vom Stanzen, Kleben und Falten der Schachteln über das Umhüllen mit edlen Papieren bis hin zur Prägung von Golddekoren oder der Herstellung von Einschlagtüchern, die beim Auspacken eines Schmuckstücks eine noch höhere Wertigkeit vermitteln. „Jedes Produkt ist da einzigartig. Und genauso individuell gestalten wir dazu passend unsere Verpackungen“, sagt Waidele – egal, ob es um Schmuck geht, um Accessoires oder auch um teure Markenschuhe.“
Tatsächlich bekommt das Projektgeschäft, bei dem spezielle Verpackungen in Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt werden, immer mehr Bedeutung, wie Kunz erläutert. Schon jetzt macht es etwa 75 Prozent des Umsatzes aus.
Nachfolge geregelt: Familienunternehmen Wilhelm Etuis stellt Weichen für die Zukunft
„Unsere Zukunft liegt im Projektgeschäft“
Thomas Kunz, Geschäftsführer
„In diesem Geschäft liegt unsere Zukunft“, betont Kunz, „viele unserer Kunden wollen sich auch bei der Verpackung von Massenware abheben. Sie legen zudem Wert auf Erreichbarkeit, Zuverlässigkeit und Liefertreue – all das können wir ihnen bieten.“
Vor genau 25 Jahren hatten Kunz und Waidele gemeinsam mit anderen Kollegen die Firma Wilhelm Etuis per Management-Buy-out übernommen und das Geschäft dann immer mehr in Richtung Projektgeschäft ausgebaut. Ende des Jahrzehnts allerdings möchten beide Chefs in den Ruhestand wechseln – und sie sind daher schon dabei, ihre Nachfolge zu regeln. Läuft alles nach Plan, werden Susanne Kappis und Thorsten Trahasch das Unternehmen in die Zukunft führen.
Trahasch ist der Sohn eines anderen Gesellschafters und hat schon als Azubi im Betrieb begonnen. Inzwischen ist er Prokurist und Vertriebsleiter für den Facheinzelhandel. Die Betriebswirtin Susanne Kappis dagegen ist neu dabei. Sie hat an der St. Gallen Business School in der Schweiz studiert und bringt über 20 Jahre Berufserfahrung als Führungskraft in der Verpackungsindustrie mit. „Wir sind sehr froh“, sagt Kunz, „dass wir mit den beiden eine gute Lösung für die Zukunft finden konnten.“
Luxus geht immer
Trotz wirtschaftlich schlechter Zeiten wächst der Markt für Luxusgüter wie hochpreisige Uhren und Schmuck – und die wertvollen Accessoires müssen sicher verpackt und präsentiert werden. Allein für Deutschland lag das Marktvolumen für teures Geschmeide und Luxusuhren 2025 schätzungsweise bei knapp 20 Milliarden US-Dollar (rund 18 Milliarden Euro) und soll bis 2034 um jährlich knapp 7 Prozent wachsen. Die Zahlen stammen von Deep Market Insights, einem Anbieter von Marktforschungs- und Branchenreports.

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.
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