Das Wichtigste auf einen Blick:
- Verliebt im Job: Christian „Charly“ Kleidorfer und Katharina Wendt lernten sich bei der Firma Karl kennen und sind seit neun Jahren ein Paar.
- Gar nicht so selten: Laut einer Xing-Umfrage hat etwa die Hälfte der Beschäftigten schon romantische Erfahrungen im Job gemacht. Daraus entstehen oft feste Partnerschaften oder Ehen.
- Professionell: Paare setzen auf klare Grenzen im Arbeitsalltag, um Job und Privatleben zu trennen.
Nee, eigentlich nicht. Christian „Charly“ Kleidorfer schüttelt den Kopf. Dass er bei der Arbeit mal seine Partnerin fürs Leben finden würde, das hätte er nie gedacht. Der 36-Jährige ist Konstruktionsmechaniker, begann mit 16 die Lehre bei der Firma Andreas Karl, Hersteller von Arbeitsplatzausrüstung im oberbayerischen Fahrenzhausen.
„In der Fertigung waren damals einfach keine Frauen“, sagt er. Doch das änderte sich zum Glück – als Katharina „Kathi“ Wendt, Metallbauerin, Fachrichtung Konstruktionstechnik, in sein Leben schneite. Charly wurde ausgewählt, um die neue Kollegin einzulernen. Schweißen, quatschen, so kam man sich näher. Irgendwann gemeinsames Ausgehen, ein Kino-Date (an den Film können sich beide nicht mehr so gut erinnern). Und ja, seit neun Jahren sind sie nun zusammen, im Mai ist Kindergeburtstag – Töchterchen Kiara wird fünf.
„Als Paar im Job meistert man gemeinsam auch schwierige Momente – das verbindet“
Katharina Wendt, Metallbauerin, Karl Arbeitsplatzsysteme
Tag für Tag funkt es so oder ähnlich am Arbeitsplatz. Dort hat die Hälfte der deutschen Beschäftigten schon einmal romantische Erfahrungen gemacht, wie eine Befragung des Karrierenetzwerks Xing unter 1.500 Erwerbstätigen zwischen 18 und 65 Jahren ergeben hat. Und oft wird daraus auch mehr, eine Ehe oder eine feste Partnerschaft – wie bei dem Paar aus der Firma Karl.
„Händchen haltend laufen wir hier nicht herum“
„Man meistert gemeinsam auch schwierige Momente, das verbindet“, findet Katharina Wendt. Sie kann Job und Zuhause jedoch gut trennen: „Unser Alltag besteht nicht nur aus Arbeit.“ Christian guckt verschmitzt, für ihn ist das ganz einfach: „Im Betrieb ist sie für mich die Kathi und zu Hause Schatzi.“

„Als Paar im Job, ich finde das toll! Ist doch gut, wenn sich die Leute verstehen“
Andreas Karl, Geschäftsführer Karl Arbeitsplatzsysteme
Ein bisschen Abstand ist dennoch wichtig. Deshalb arbeitet tagsüber jeder in seiner eigenen Abteilung. „Wir reden schon miteinander“, sagt Katharina und lacht, „aber Händchen haltend laufen wir hier nicht rum.“
Und was sagt Geschäftsführer Andreas Karl dazu? „Ich finde das toll! Ist doch gut, wenn sich die Leute verstehen.“
Vorstellungsgespräch als Auftakt der Liebe
So denkt man auch eineinhalb Autostunden weiter nördlich, beim Landmaschinenhersteller Horsch, Standort Schwandorf. Auch hier gibt es eine Story mit Happy End. Sie begann in den 1990ern, Hauptdarsteller: Heike und (ebenfalls) Christian Wolf, heute beide im Marketingteam von Horsch.
Und so fing alles an: Nach dem Sprachstudium kam Heike ins Unternehmen, als Assistentin der Geschäftsführung, später in anderen Bereichen. Christian wiederum studierte Landwirtschaft, bewarb sich im Praxissemester bei Horsch. Eine gute Entscheidung, beruflich wie privat. Denn dadurch kam er später nicht nur zu seinem festen Job: Im Vorstellungsgespräch lernte er auch seine künftige Ehefrau kennen!
„Wir sind in der gleichen Firma und wissen immer, womit der andere gerade beschäftigt ist“
Heike und Christian Wolf, Horsch
Das wusste er das damals natürlich noch nicht. Und es sollte auch noch ein bisschen dauern. Zunächst war Christian viel unterwegs, er stellte die Landmaschinen auf Messen vor, büffelte weiter, schloss das Studium ab. Die ganze Zeit blieb er mit Heike in Kontakt, tauschte sich abends in langen Telefonaten mit ihr aus. Einmal hat er da über 1.000 Euro verquasselt (fast hätte die Telefongesellschaft sein Handy gesperrt).
Doch Ende gut, alles gut: 2002 erhielt der Diplom-Landwirt eine Festanstellung bei Horsch. Fortan hatten die beiden immer mehr miteinander zu tun, trafen sich bei verschiedensten Veranstaltungen. Die Kollegen merkten natürlich bald, dass sich da was anbahnte, hörten sozusagen schon die Hochzeitsglocken läuten.
Man hat Verständnis für die Arbeit des anderen
Und so kam es dann auch: Im April 2005 gaben sich Heike und Christian das Jawort, inzwischen haben sie einen erwachsenen Sohn, Fabian. Besonders schön finden beide, dass sie für die Arbeit des anderen stets Verständnis haben: „Wir sind in der gleichen Firma und wissen, womit der andere gerade beschäftigt ist.“
Frollegen – Freundschaft im Job
Kolleginnen und Kollegen verbindet manchmal mehr als reine Zusammenarbeit. Dann werden daraus „Frollegen“: Man unterstützt sich gegenseitig, springt füreinander ein, vertraut einander und lacht auch mal zusammen, aber ohne die professionelle Ebene zu verlassen. Dazu gehört, ehrlich Feedback zu geben oder Erfolge gemeinsam zu feiern. Frollegen sind im Trend: In Zeiten von New Work und hybriden Teams gewinnen emotionale Nähe und Beziehungen am Arbeitsplatz an Bedeutung.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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