Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Der Erfolg des Vorschlagswesens hängt vor allem von motivierten Personen und klarem Feedback ab, nicht von finanziellen Anreizen.
  • Ideenmanagement-Portale und agile Methoden steigern die Vorschlagszahlen.
  • Künstliche Intelligenz kann Vorschläge optimieren und künftig selbst Ideen generieren.

Beim betrieblichen Vorschlagswesen kommt es auf engagierte Leute mehr an als auf Prämien. aktiv sprach darüber mit Professor Hans-Dieter Schat. Er ist Betriebswirt an der IU Internationale Hochschule in Frankfurt.

Herr Professor Schat, was macht ein gutes Vorschlagswesen aus?

Beschäftigte müssen wissen, wo Engpässe liegen und welche Ideen gebraucht werden. Ist das nicht klar: dann die zuständige Person fragen! Ist sie ein Profi mit viel Drive, ist sehr viel gewonnen. Falls nicht, kann dies ein echter Bremsklotz sein. Nicht zuletzt kommt es auf ein zügiges Feedback an. Selbst wenn die Umsetzung dauert: Die Einreicher sind sehr tolerant, wenn sie über den Ablauf informiert werden.

6 wichtige Schritte im betrieblichen Vorschlagswesen: schauen, wo´s hakt, Idee formulieren, Ansprechperson kontaktieren, Vorschlag einreichen, Feedback einholen, Testläufe fahren.

Welche Rolle spielen Prämien?

Auf den Erfolg des Vorschlagswesens haben sie tatsächlich relativ wenig Einfluss. Die Beschäftigten sind sehr motiviert, Prozesse oder Dinge zu ändern, die nicht gut funktionieren – statt sich darüber zu ärgern.

Wie lassen sich mehr Leute aktivieren?

Jüngere sind eher zurückhaltend. Man sollte sie daher gezielt ansprechen, zum Beispiel durch Programme wie die IHK-Energiescouts. Zudem wurde diskutiert, dass Frauen unterrepräsentiert sind. Ein Grund ist ein auf Männer zugeschnittenes Anreizsystem und viele Betriebe haben das korrigiert. Ältere sind im Übrigen recht aktiv, sogar noch im Ruhestand. Es wäre eine Chance, auch Rentner für das Vorschlagswesen zuzulassen, zumindest für die ersten drei bis fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden.

Was bringt der Einsatz von digitalen Tools?

Durch die Einführung von Ideenmanagement-Portalen geht die Zahl der eingereichten Vorschläge massiv nach oben. Auch agile Methoden wie Sprints sind produktiv. Dabei lernen die Beteiligten, wie man systematisch Probleme löst und hohen Nutzen erzielt.

„Künstliche Intelligenz ist eine ganz heiße Kiste“

Professor Hans-Dieter Schat, Experte für Ideenmanagement

Inwiefern verändert KI den Ablauf?

Künstliche Intelligenz kann für die einreichende Person zumindest die Beschreibung, gegebenenfalls auch die Idee selbst verbessern. KI könnte die Vorschläge markieren, die besonders hohen Nutzen haben werden. Eine Zukunftsfrage ist, ob KI die Dokumente eines Unternehmens sichten und dann Vorschläge entwickeln kann. Und das sowohl bei Großunternehmen, die vieles im System gespeichert haben, als auch in kleinen und mittleren Unternehmen.

Elke Bieber
Elke Bieber
Autorin und Redakteurin

Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.

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