Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Wissenschaftler, Unternehmer und Gewerkschaftler diskutierten auf dem Hessenforum 2026 über die Zukunft industrieller Wertschöpfung.
  • Klare Aussage: Die Industrie benötige weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen sowie gezielte Förderung von Forschung und Start-ups.
  • Gemeinsamer Standpunkt: Die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit müsse Priorität haben.

Wir brauchen Reformen, und zwar jetzt! Das war das Resümee des Hessenforums 2026, bei dem vor Kurzem Wissenschaftler, Unternehmer und Gewerkschaftler über die Zukunft industrieller Wertschöpfung diskutierten.

Die industrielle Substanz wird Tag für Tag geschwächt

Bei der Veranstaltung, die im Haus der Wirtschaft Hessen in Frankfurt stattfand, drehte sich alles um die großen Fragen industrieller Zukunftsfähigkeit: Wie verändern geopolitische Konflikte und neue Weltmarktstrukturen die exportorientierte Wirtschaft? Welche Rolle spielen künstliche Intelligenz, Digitalisierung und neue Technologien für Produktivität und Arbeit? Und wie kann industrielle Resilienz entstehen, ohne Unternehmen mit immer neuen Unsicherheiten zu belasten?

Wie der Vorstandsvorsitzende Wolf Matthias Mang betonte, steht die Branche massiv unter Druck – infolge geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten, hoher Energiepreise, technologischer Umbrüche und einer Standortpolitik, die aus Sicht vieler Firmen zu langsam, zu teuer und bürokratisch ist.

Mang: „Unsere Unternehmen sind stärker als die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, doch ohne Reformen der Bundesregierung wird selbst die beste industrielle Substanz Tag für Tag geschwächt.“ Für ihn steht fest: „Wer jetzt weiter nur ankündigt, moderiert den Abstieg.“

Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, ordnete die Lage der Industrie in den größeren wirtschaftlichen und geopolitischen Kontext ein. Sein Fazit: „Die Industrie benötigt Tempo: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen sowie die gezielte Förderung von Forschung und Start-ups.“

Peter Buxmann, Universitätsprofessor an der TU Darmstadt, machte deutlich, wie die Digitalisierung und insbesondere künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert und welche Chancen sie mit sich bringt. Buxmann: „Die KI-Revolution ist die erste Automatisierungswelle, die nicht die Fabrik trifft, sondern das Büro. Sie betrifft Kopf- statt Handarbeit.“

Die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit muss Priorität haben

Julia Esterer, Geschäftsführerin von Dr.-Ing. Ulrich Esterer Fahrzeugaufbauten und Anlagen in Helsa, setzt KI bereits im Unternehmen ein und berichtete von großem Einsparpotenzial, was der Wettbewerbsfähigkeit zugutekomme. Die Unternehmerin forderte eine konsequente Orientierung politischer Entscheidungen an Wettbewerbsfähigkeit: „Sie muss oberste Priorität haben.“

Samson-CEO Andreas Widl verwies auf Investitionen als Voraussetzung für die industrielle Zukunft in Deutschland. Der promovierte Physiker: „Der Strukturwandel wartet nicht. Wir haben entschieden, ihn zu gestalten – mit 500 Millionen Euro Investition in Offenbach und der Überzeugung, dass industrielle Wertschöpfung in Deutschland möglich ist und sogar Maßstäbe setzt.“

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter IG Metall Mitte, betonte die Verantwortung der Arbeitgeber für Innovation, Investitionen und Beschäftigungssicherung: „Resiliente Lieferketten im Inland und der EU wird es nur geben, wenn Arbeitgeber mehr investieren und ihrer Verantwortung für Standort und Beschäftigung gerecht werden.“

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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