Das Wichtigste auf einen Blick:
- Große Industrieinvestitionen stärken Bayerns Regionen: BMW baut in Straßkirchen-Irlbach ein Batteriewerk mit über 1.600 Hightech-Jobs.
- Dehn eröffnet ein nachhaltiges neues Werk in Mühlhausen und Siemens entwickelt in Erlangen ein großes Forschungs- und Wohnquartier.
- Die Gemeinden profitieren direkt: Viele Aufträge gehen an lokale Betriebe, neue Arbeitsplätze entstehen und die Infrastruktur wird ausgebaut.
Aus Bayern für Bayern: Staatsregierung, Kommunalpolitik, lokale Behörden und die Menschen vor Ort ermöglichen viele Projekte für die heimische Industrie gemeinsam: Fünf Beispiele für gelungene Zusammenarbeit in den Gemeinden – Niederbayern bis zur Oberpfalz.
BMW: Autohersteller baut Batteriewerk auf der grünen Wiese
Der Automobilhersteller schafft im ländlichen Raum attraktive Arbeitsplätze für die Elektromobilität. In Straßkirchen-Irlbach (3.400 Einwohner) im Landkreis Straubing-Bogen errichtet er eines seiner weltweit fünf Montagewerke für Hochvoltbatterien. Der neue Standort bietet mehr als 1.600 Hightech-Arbeitsplätze, sie werden teils mit bestehenden, teils mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt. Inzwischen ist das Werk weit gediehen – schließlich soll es bald drei große BMW-Werke in Freistaat versorgen: München, Dingolfing und Regensburg – sie produzieren aktuell zusammen rund 3.300 Fahrzeuge je Arbeitstag.
Das Mega-Projekt ist eine Aufwertung für die ländliche Region und ein kräftiger Impuls für die Wirtschaft. Im Bürgerentscheid Ende 2023 stimmten drei Viertel der Wahlberechtigten am Ort für das Vorhaben.
Im April 2024 war Baubeginn, im Sommer zogen die Produktionsanlagen ein, im Herbst wurde die Energiezentrale eingeweiht. Sie versorgt künftig Gebäude und Produktion mit Strom, Kälte, Wärme, Kühlwasser und Druckluft.
Das Großprojekt bringt Aufträge für viele lokale Betriebe. Alle direkt beauftragten Baufirmen und mehr als drei Viertel der Anlagenbauer stammen aus Deutschland, jeder dritte Betrieb hat seinen Standort nicht mehr als 100 Kilometer von Straßkirchen entfernt. 2026 fertigt BMW erste Batterien zu Testzwecken, der Serienstart folgt zum Jahresende.
Dehn: Blitzschutz-Unternehmen investiert in neues Werk im Nachbarort
Wohin, wenn der Platz nicht reicht? Weil die Fertigungskapazitäten von Dehn am Stammsitz Neumarkt in der Oberpfalz an Grenzen stießen, errichtete der Spezialist für Blitz-, Überspannungs- und Arbeitsschutz in Mühlhausen nur wenige Kilometer entfernt ein neues Werk. Es ist eines der modernsten mittelständischen Werke im Freistaat. So bleibt alles in der Region.
50 Millionen Euro nahm das Familienunternehmen in die Hand, die größte Einzelinvestition in seiner über 115-jährigen Geschichte. Dehn nennt das lokale Investment „ein starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Bayern und zu unserer Region“. Das neue Werk ist eines der wenigen sogenannten besonders nachhaltigen „KfW40 Industriegebäude“ im Freistaat. 600 Mitarbeitende stellen dort Überspannungsschutz-Geräte und Blitzschutz-Produkte her. Durch den Umzug nach Mühlhausen haben Vertrieb, Entwicklung und Verwaltung in der Zentrale nun mehr Platz.
Dehn-Produkte sieht man auch an wichtigen Stellen in der Nachbarregion Franken. Auf der Kuppel des Nürnberger Hauptbahnhofs thront ein spezieller Fahnenmast, der Elektronik, Stellwerke und Infrastruktur an dem Schienen-Knotenpunkt vor Blitzschlag schützt.
Siemens: Campus in Erlangen wird Teil der Stadt
In Erlangen gehen Stadt und Unternehmen Hand in Hand: Rund 500 Millionen Euro investiert der Siemens-Konzern in Erlangen und errichtet dort einen modernen und nachhaltigen Campus. Siemens Healthcare ist mit rund 71.000 Mitarbeitenden der größte Arbeitgeber am Ort. Bis 2030 soll das neue Quartier mit einer Fläche von 54 Hektar im Süden der fränkischen Stadt fertiggestellt sein.
Ein Quartier für Forschen und Wohnen: Neben Büros, Labor- und Forschungsarbeitsplätzen sollen auch ein großer Park sowie rund 2.000 Wohnungen für Familien, Singles und Studierende entstehen. Gastronomie, Einzelhandel, ein Gesundheitszentrum, ein Hotel und weitere soziale Infrastruktur sind ebenfalls Teil der Planung für das „Südquartier“. Damit wächst also ein ganz neuer, lebendiger Teil der Stadt. Damit es für alle passt, arbeiten Kommune, Freistaat und Unternehmen bei der Planung eng zusammen.
Auch in Garching nördlich der bayerischen Landeshauptstadt München hat Siemens investiert, ebenfalls ein Bekenntnis zum Standort Bayern. 2024 wurde dort das Siemens Technology Center eröffnet. Mit dabei sind die TU München sowie internationale Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Vincorion: Ehemaliges Militärgelände genutzt
Mobile Energieversorgung für die Truppe: Das Technologieunternehmen Vincorion macht Altenstadt im Schongau zum Kompetenzzentrum für militärische Stromerzeuger. Hier entsteht unter anderem die neue Generation von Aggregaten für die Bundeswehr.
Erste Testmodelle wurden 2025 ausgeliefert. Für die Serienproduktion mussten die Hallen erweitert werden. Dazu nutzt man Reserveflächen auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes, schafft so regionale Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze.
Das Unternehmen setzt auf „Green Defense“ und schafft damit neue Jobs in Oberbayern: Die Stromerzeuger für militärische Zwecke können auch mit nachhaltigen Energiequellen gekoppelt werden. Die Geräte speisen etwa Luftabwehrsysteme und sind dafür 24 Stunden am Tag in Betrieb. Neue Technik hilft, Kraftstoff zu sparen, und senkt den Schadstoffausstoß. Ein Stück Nachhaltigkeit aus Oberbayern.
Der Standort passt: Altenstadt (3.500 Einwohner) ist seit 1956 Standort der Luftlande- und Transportschule, sie bildet Soldaten der Bundeswehr, der Nato und anderer Staaten aus.
Ifsys: Schlaue Kooperative mit den Landwirten
Das war eine harte Nuss. Ifsys, Hersteller von Zuführtechnik und Automatisierungslösungen in Großbardorf (920 Einwohner, Unterfranken), hat sie geknackt. Er entwickelte eine intelligente Sortieranlage für – genau – Haselnüsse! Berührungslos und hochpräzise, einsetzbar von der Landwirtschaft bis zur Lebensmittel-Industrie sowie in kunststoff- und metallverarbeitenden Branchen.
Das Produkt entstand, als sich Menschen in Großbardorf zusammensetzten: ein Mitarbeiter von Ifsys, der der lokalen Haselnusskooperative angehört, sowie Landwirte, die am Ortsrand gemeinsam eine Haselnussplantage bewirtschaften. Lange sortierten sie die Ernte von Hand. Die KI-gestützte optische Sortieranlage von Ifsys erledigt das nun mit hochauflösenden Kameras, erfasst kontaktlos die komplette Oberfläche und sortiert Fehlerhaftes aus.
Für die Neuentwicklung erhielt das zur Jopp-Gruppe zählende Unternehmen kürzlich den Innovationspreis Unterfranken. Es hat sein Know-how aus der Automatisierung praktisch angewandt, das beeindruckte die Jury.
Übrigens: In Großbardorf läuft's. Die Gemeinde hat Bürgersolaranlagen, Biogas und ein Nahwärmenetz. Seit 2012 schon trägt sie den Titel „Bioenergiedorf“. Die Bürgerinnen und Bürger sind in Genossenschaften am Gewinn beteiligt. Die Nahversorgung sichert ein 24/7-Dorfladen, Einlass per Bankkarte oder App.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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