Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Werkstoffprüfer Tunahan Gündogdu testet bei VDM Metals Materialien – oft zerstörend, um Fehler zu erkennen und Sicherheit zu gewährleisten.
  • Die Arbeit ist praxisnah und vielfältig: Proben vorbereiten, messen, analysieren und dokumentieren.
  • Geprüft werden Speziallegierungen für Hightech-Branchen. Dabei ist die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Materials entscheidend.

Es ist ein Zwiespalt, der Tunahan Gündogdu bei seiner Arbeit besonders fasziniert: „Ich mache etwas kaputt, damit nichts kaputtgeht.“ Immer wieder mal muss er Material zerstören, um Mängel festzustellen – das gehört zu den Aufgaben der Werkstoffprüfer bei VDM Metals in Werdohl.

Die Qualitätskontrolle ist elementar wichtig: VDM Metals stellt Hochleistungswerkstoffe aus Nickel, Kobalt und Zirkonium sowie Sonderedelstähle her. Die Bänder, Bleche, Drähte und Stangen werden unter anderem in der Luft- und Raumfahrt, Automobil- und Chemie-Industrie, Medizin- und Elektrotechnik gebraucht. Der angehende Werkstoffprüfer ist sich der Verantwortung sehr bewusst: „Wenn da Fehler im Material sind, kann das sehr gefährlich werden.“

Zur Person: Werkstoffprüfer Tunahan Gündogdu

  • Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf? Im Studium hat mich die Werkstofftechnik sehr interessiert. Da habe ich mich für eine praktische Ausbildung entschieden.
  • Was reizt Sie am meisten? Die Arbeit ist sehr praxisnah, nicht zu theoretisch und dadurch sehr abwechslungsreich. Ich sitze am PC, kann aber auch selbst anfassen.
  • Worauf kommt es an? Man muss sehr sorgfältig arbeiten und darf keine Routine reinbringen, durch die Fehler entstehen können.

Es geht immer um die Besonderheit eines jeden einzelnen Werkstoffs

Deshalb wird jedes Produkt auf „Herz und Nieren“ mit mechanisch-technologischen, physikalischen und metallografischen Verfahren untersucht. Es ist ein weites Feld. Härte, Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Alterungs- und Temperaturverhalten und, und, und. Jeder Kunde hat eigene Normen und Spezifikationen, die exakt eingehalten werden müssen.

„Das ist ein großes Spektrum an Werkstoffen. Da sieht man immer wieder etwas Neues. Kein Tag ist wie der andere“, erklärt Gündogdu. Dabei gebe es natürlich auch zerstörungsfreie Prüfungen. „Aber die machen nicht so viel Spaß“, schmunzelt er.

Auch wenn der Blick durchs Mikroskop, das Ziehen am Draht oft nur einige Minuten dauert, ist das Drumherum mit dem Vorbereiten der Proben – „das kleinste Staubkorn kann schon falsche Ergebnisse liefern“ – und der anschließenden Dokumentation und Freigabe zeitaufwendig. Und abwechslungsreich. Das gefällt dem 27-Jährigen.

Werkstoffprüfer brauchen ein Gefühl für Metalle

Die Begeisterung für die Werkstofftechnik hat er an der Universität Bochum entdeckt und sein Maschinenbaustudium für die Ausbildung auf Eis gelegt. „An der Uni war es doch sehr theoretisch“, meint er. Bei VDM Metals startete er ganz praktisch in der Ausbildungswerkstatt. Auch Werkstoffprüfer brauchen ein Gefühl fürs Metall, heißt: feilen, bohren, sägen. Sehr schnell rotieren sie dann aber durch die verschiedenen Labore an den einzelnen Standorten.

Gündogdu wird nach dem Abschluss seiner Ausbildung im Physiklabor bleiben. Dort arbeitet er schon länger mit einem Kollegen zusammen, der in den Ruhestand geht. Ein idealer Wissenstransfer, auch wenn der junge Mann sagt: „Was er an Erfahrung hat, das bekommt man in der kurzen Zeit gar nicht mit.“

Der Austausch mit Kollegen spielt auch auf anderen Ebenen eine Rolle. So gibt es alle zwei Wochen einen Teamtag für alle Werkstoffprüfer-Azubis. Jeder hat einen Paten, den er fragen kann. Und die übrigen VDM-Azubis kennt man ebenfalls. Dafür sorgt schon die Einführungswoche, mit der alle starten.

Rohstoffsicherung bleibt ein wichtiges Thema

Kobalt, Nickel und Zirkonium sind vielseitig verwendbare Metalle. Ihre Legierungen erweisen sich vor allem im Apparatebau für die Chemie- und Petrochemie als vorteilhaft – unter anderem weil sie vor Korrosion schützen.

  • Kobalt wird zudem für Lithium-Ionen-Batterien benötigt. Es steckt in Smartphones, Laptops und vor allem E-Autos. Das Metall ist sehr selten und stammt aus nur wenigen Ländern. Kobalt gilt deshalb als kritischer Rohstoff: Die Nachfrage steigt stark, während Förderung und Lieferketten unsicher sind. Batterierecycling ist ein Weg, die Abhängigkeit zu verringern.
  • Nickel erhöht die Beständigkeit von Metallen und ist deshalb ein zentraler Bestandteil von Edelstahl und vielen Legierungen. Zudem spielt Nickel eine wichtige Rolle bei der Herstellung von E-Auto-Batterien. Nickel ist zwar häufiger als Kobalt, aber dennoch kritisch, weil die Nachfrage schnell steigt und die Produktion auf wenige Länder konzentriert ist. Engpässen lässt sich zum Beispiel durch neue Lieferquellen, mehr Nutzungseffizienz und Recycling vorbeugen.
  • Zirkonium kommt unter anderem in der Chemieindustrie, in Reaktoren sowie in Keramik und Beschichtungen zum Einsatz.

Alle drei Metalle sind für Zukunftsindustrien unverzichtbar. Um die Rohstoffversorgung – auch im Verteidigungsbereich – zu sichern, wäre aus Expertensicht eine Bevorratung besonders kritischer Materialien sinnvoll.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten. 

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