Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Chemie‑ und Pharma-Industrie in Baden‑Württemberg leidet unter einem schwachen Auftragseingang und muss trotzdem in Transformation investieren.
  • Die große Herausforderung ist, dass Unternehmen verschiedene Dimensionen der Transformation gleichzeitig bewältigen müssen: Dekarbonisierung, Deglobalisierung, Digitalisierung und Demografie.
  • Die demografische Entwicklung zum Beispiel belastet die chemische Industrie stärker als andere Branchen.

Wie geht es für die krisengeplagte Chemie-Industrie in Baden-Württemberg weiter? Das fragte aktiv Thorsten Lang. Der IW-Ökonom hat für den Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg die Studie „Roadmap Chemie & Pharma 2026“ erstellt.

Herr Lang, wie wird das Jahr 2026 für die Branche?

Es wird wieder herausfordernd: Die Branche hat ihre Wachstumsdynamik verloren und muss trotzdem die Transformation bewältigen. Die Betriebe brauchen Lösungen bei den Themen Dekarbonisierung, Deglobalisierung, Digitalisierung und Demografie. Gleichzeitig im Hier und Jetzt wettbewerbsfähig zu bleiben, das ist ein Balanceakt.

„Wenn es nicht gelingt, dass die Industrie wettbewerbsfähig bleibt, ist mit der Transformation nichts gewonnen“ 

Thorsten Lang, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Sorgt Transformation nicht automatisch für mehr Wettbewerbsfähigkeit?

Leider nein. Beispiel: Ein Unternehmen investiert, um künftig niedrigere Emissionen zu haben. Es konkurriert im Wettbewerb aber mit Betrieben anderer Länder, die weiter mit hohen Emissionen produzieren und deutlich günstiger sind. Wenn es nicht gelingt, dass unsere Industrie wettbewerbsfähig bleibt, dann ist mit der Transformation nichts gewonnen. Und da haben wir große Nachteile, etwa mit den hohen Kosten und der demografischen Entwicklung.

Warum ist es so schlimm, dass der Altersschnitt der Belegschaften steigt?

27 Prozent der Chemiebeschäftigten Baden-Württembergs gehen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Im bundesweiten Schnitt aller Branchen sind es nur 23 Prozent. Das ist also ein großes Problem, selbst wenn krisenbedingt aktuell zum Teil weniger Leute gebraucht werden.

Was unterscheidet die jetzige Krise von früheren?

Dass mehrere Herausforderungen zusammenkommen. Das macht es so komplex, Lösungen zu finden. Auch, weil Unternehmen ihre Belegschaften auf dem Weg der Transformation mitnehmen und dafür in Weiterbildung investieren müssen.

Am 8. März wird eine neue Landesregierung gewählt. Was kann sie tun?

Sie kann etwa Innovationen erleichtern, Infrastrukturen ausbauen und sich für wettbewerbsfähige Energiekosten einsetzen. Es gibt bereits sinnvolle Ansätze. Aber die Umsetzung muss effizienter laufen.

Barbara Auer
aktiv-Redakteurin

Barbara Auer berichtet aus der aktiv-Redaktion Baden-Württemberg vor allem über die Chemieindustrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara nicht für aktiv im Einsatz ist, streift sie am liebsten durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft.

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